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Aus den
Verhandlungen der Berliner anthropologischen
Gesellschaft.
Sitzung* vom 21. December 1 ( J01.
(15) Hr. P. Staudinger legt einen
künstlichen Kopf von den Ekhois (auch Khois)
im nordwestlichen Hinterlande von Kamerun
vor. Der Kopf stammt aus einer Gegend, die immerhin noch zu dem Niger-
Aestuargebiet zu rechnen ist. Das interessante Stück rührt von der Expedition
v. Besser her, und ich erhielt es durch die Vermittelung des Hrn. L. Erobenius.
Es handelt sich hier aber nicht um einen wirklichen Menschenkopf, sondern um
eine Nachbildung desselben in Holz. Zwar wurde mir auch von wirklichen mit
Haut überspannten Schädeln, bei denen sogar noch die Sehnen zu bemerken
wären, erzählt, aber die genauere Nachforschung bei Hrn. Leutnant Merensky
ergab, dass es sich hierbei nur um gewöhnliche Schädel erschlagener und auf¬
gefressener Feinde handelte, die sich zufälligerweise mit in dem Fetisch-Haus
zusammen befanden. Anthropophagie tritt bei sehr vielen Stämmen in diesen und
benachbarten Gegenden auf.
Betrachten wir nun den Kopf näher, so finden wir, dass er ein ganz vorzüg¬
liches Stück der immerhin ja rohen Neger-Sculptur darbietet. Er ist aus einem
weichen Holz geschnitzt und mit einer sehr dünnen Haut überzogen. Ich sandte
einige kleine Ausschnitte der letzteren an unser verehrtes Mitglied Hrn. Geh. Rath
Fritsch zur Untersuchung, namentlich, da vermuthet wurde, dass es sich event.
um Menschenhaut handelte. Nach Aussage des Hrn. Fritsch ist dies aber nach
der vorläufigen mikroskopischen Untersuchung, die allerdings hierbei nichts Be¬
stimmtes ergiebt, nicht anzunehmen, ebenso wenig spricht aber beim Fehlen ge¬
wisser Merkmale etwas für Thier-, bezw. Antilopen-Haut. Nach neuerer Prüfung
neigt Hr. Fritsch zur Ansicht, dass es sich vielleicht oder vielmehr sehr wahr¬
scheinlich um die Blase eines Ochsen handeln kann. Es ist mir nun zur Zeit nicht
genau erinnerlich, ob dort in der Gegend noch Rindvieh gehalten wird, immerhin
handelt es sich wohl um eine ähnliche Innenhaut, vielleicht gar vom Menschen.