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SMttMM um Ur. 26 llild 28 der Deutschen KolMicheitnng, Jahrgang 1898.
KalUewinnung und Kuhhandel in Togo>
Von H. Seidel.
Mehr als Stoffe und europäischer Tand, ja oft mehr als die
täglichen Nahrungsmittel wird in manchen wilden Ländern das un¬
scheinbare Kochsalz bewertet. Auf vielbegangenen Straßen trägt der
Händler die beliebte Speisewürze vom Orte ihrer Gewinnung in weit
entlegene Räume, wo er für seinen Artikel trotz des langen, müh¬
seligen Transportes immer noch lohnende Preise erzielt. Mit beson¬
derer Deutlichkeit läßt sich dieser Handel durch die breite Masse des
dunklen Weltteils verfolgen, dessen Einwohnerschaft seit alters auf die
von der Natur gebotenen und selbst für den uncivilifirten Neger leicht
auszubeutenden Fundstätten des eßbaren Minerals angewiesen war.
Als solche dienen teils das ewige Meer, teils die in Wüsteneien ver¬
streuten Salzseen oder Salzmoore, teils ergiebige Salzquellen, wie
sie z. B. im Osten des Tanganika der Erde entsprudeln.
Da wir keinen Gesamtüberblick des afrikanischen Salzhandels
geben, sondern diesen nur in Bezug auf die deutsche Togokolonie und
ihr Hinterland darlegen wollen, so wird sich unsere Betrachtung ledig¬
lich mit dem an der Sklavenküste erzeugten Salze beschäftigen und
dessen Vertrieb nach dem Innern aufhellen müssen. Wie weit dies
Küstensalz in den Kontinent vordringt, also die Grenzen unseres
Schutzgebietes noch überschreitet, läßt sich zur Zeit nicht bis ins Einzelne
seststellen. Thatsache ist nur, daß ihm aus Norden ein anderes Salz
entgegenkommt, das vom Rande der Sahara stammt und die Märkte
des oberen Niger, zum Teil sogar die des großen Nigerbogens fast
ausschließlich beherrscht.
Die am Gestade Oberguineas ansässigen Neger sind seit frühester
Zeit mit der Praxis mariner Salzgewinnung vertraut. Schon die
ältesten Berichte europäischer Seefahrer und Kaufleute wissen davon
zu erzählen und erwähnen bereits, daß dies Salz auch als Handels¬
objekt zu den Binnenstämmen getragen wurde. Recht anschaulich und
eingehend schildert dies der Pastor W. I. Müller aus Harburg, der
um 1670 an der dänischen Goldküste als Geistlicher wirkte und dort
seine Beobachtungen gesammelt hat. Wie er schreibt, pflegten die Neger
die Rohsubstanz nicht ans dem Meere direkt zu schöpfen, sondern