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Volta und Mono, dem größere Staatenbildungen fehlten, blieb dagegen
unberührt. Den evangelischen Glaubensboten der Bremer Mission
gebührt der Ruhm, daß sie lange vor der deutschen Besitzergreifung
Togos, diese Gebiete wenigstens zum Teil geographisch erforscht
haben. Bei ihrem stetigen und friedlichen Verkehr mit den Ein¬
geborenen lenkte sich ihre Aufmerksamkeit ganz von selbst auf die den
Negern eigentümliche materielle Kultur, auf ihre Erwerbsverhältnisse
und ihre Handelsbeziehungen mit den Nachbarstämmen sowohl wie mit
den entfernter wohnenden Völkern.
Da die Bremer Missionare ihren Hauptstützpunkt in Keta oder
Kitta — englisch Quittah — auf der schmalen Nehrung zwischen dem
Ozean und der weiten Lagune gefunden hatten, so waren sie in der
Lage, die hierorts in Frage kommende Salzproduktion an einem ihrer
wichtigsten Centren zu beobachten. Der große, ungemein flache Strand-
see zeigt je nach der Jahreszeit einen sehr wechselnden Wasserstand.
In der Hauptregenperiode kann das Haff von schweren europäischen
Segelbooten bequem befahren werden, selbst da, wo wenige Monate
später vielbegangene Fußpfade über den ausgetrockneten, ebenen Grund
verlaufen. Namentlich im Norden und Nordosten macht sich diese
Entleerung geltend, streckenweise aber nur während der Nacht, solange
die Herrschaft des Landwindes dauert. Sobald indes der Umschlag
in der Luftströmung eintritt, besonders am Nachmittage, wenn die
Seebrise ungestüm daherfegt, ändert sich rasch die Scenerie. Aus dem
tieferen Westabschnitt des Haffes wird jetzt das Wasser in dünner
Schicht über die am Morgen noch beschreitbaren Flächen getrieben,
wo es jedoch über Nacht und im Strahle der Frühsonne wieder ver¬
dunstet. Dann legt sich eine weiße Salzkruste wie frisch gefallener
Schnee über den grauen, thonigen Boden, die in den Fußtapfen und
sonstigen Unebenheiten nach und nach zu förmlichen Häufchen anwächst.
Dieses rohe Natursalz wird von den Anwohnern eifrig gesammelt und
in eigens vorgerichteten „Salzhütten" für den Export nach dem Innern
aufbewahrt.
Da in den Regenmonaten durch die niederstürzenden Feuchtigkeits¬
mengen, sowie durch die hochgeschwollenen Bäche und Flüsse das
Lagunenwasser eine erhebliche Aussüßung erfährt, so ist es nötig, von
Zeit zu Zeit dem salzhaltigeren Ozean Zutritt ins Haff zu gestatten.
Dies geschieht mittels einiger Durchstiche, die an passenden Stellen
eröffnet werden.
Ein zweites für uns noch in Betracht fallendes Centrum der
Salzgewinnung ist die Schongo-Lagune, die sich allerdings schon an
der rechten Seite des Voltamundcs befindet. Bei ihr und ihren
nachbarlichen Sümpfen haben sich ähnliche Verhältnisse herausgebildet
wie am Ketasee, nur daß der Stapelplatz für ihre Erträgnisse in
Adda zu suchen ist. Die Togokolonie selber besitzt gar keine nennens¬
werte Produktionsstätte, und das rührt daher, weil die Togo- wie die
Wo-Lagune großenteils hohe und feste Ufer haben und erst durch ein
langgedehntes und flußartig verzweigtes Netz von Nebenkanälen mit
dem Meere in Verbindung stehen. Infolgedessen haben beide Seen