Seine Hoheit konnte mitteiien, dass sich der Verwaltungsrat der Wohlfahrtslotterie sehr bald mit der sQdwestafrikanischen Angelegenheit befassen werde.
Die Abteilung Bremen beantragte:
Die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft zu Essen wolle beschliessen: in dem Sinne der Deutschrift unseres Vorstandsmitgliedes, des Herrn F. Oloff „Zwanzig Jahre Kolonialpolitik; ein notwendiger Systemwech- sel und der Reichstag* (Berlin, Wilhelm Sfisserott) bei der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes und bei dem Präsidenten des Reichstages vorstellig zu werden, dass dieselben dahin wirken, dass Einrichtungen getroffen werden, wonach eine Beteiligung der Interessenten an der Verwaltung unserer Kolonien gewährleistet wird, und zwar:
a) „Für unsere klimatisch gesunden Kolonien mit sesshafter europäischer Bevölkerung (Ansiedlerkoionien), wie Sudwestafrika und auch wohl Samoa, einen Gouvernementsbeirat cinzuführen, welcher Uber näher festzustellende Gebiete und Angelegenheiten gehört werden muss, und dessen Geschäftsordnung so eingerichtet sein müsste, dass die Ansiedler, welche Mitglieder des Beirats sind, im Falle sie mit ihren Anträgen unterlegen sind, berechtigt sind, die Entscheidung der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes Uber dieselben herbeizufUhren, für die grosse südwestafrikanische Kolonie ausserdem Bezirksräte, aus denen sich wohl am besten der Gouvernementsbeirat konstruieren Hesse.“
b) „Für die tropischen Kolonien mit viel fluktuierender, kleiner, europäischer Bevölkerung (Handels- und Plantagenkolonien), in denen der Interessen-Schwer- punkt im Mutterlande liegt, einen Beirat der Kolonialabteilung, der aus den Chefs der Firmen und den Vorständen der Plantagen- und Missionsgesellschaften ernannt werden muss und zwar für jede Kolonie gesondert. Dieser Beirat müsste Uber solche Angelegenheiten gutachtlich gehört werden, die die Gouverneure in der Kolonie nach ihren Instruktionen nicht entscheiden wollen oder können, insbesondere auch Uber die Etatsaufstellungen.*
c) „Ferner für sämtliche Kolonien in den grösseren Orten mit grösserer europäischer Bevölkerung kommunale Verwaltung einzuricbten nach dem Vorbilde, wie Graf Götzen sie in anerkennenswerter Weise für Deutsch-Ostafrika bereits geschaffen bat, den jeweiligen örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen angepasst*
Grosskaufmann F. Oloff begründete den Antrag.
Es sei ganz undenkbar, dass bei den immer grösser werdenden Verhältnissen und den sich stetig steigernden Etats ein Einzelner und sei er der Fähigste und Bestgesinnteste, eine Kolonie auf eine Stufe der Entwicklung bringen könnte, wie cs die Gesamtheit der bestunterrichteten Interessenten, deren eigenstes Interesse auf das innigste mit dem Gedeihen und der Entwicklung der Kolonie verknüpft ist, im Verein mit den betreffenden Behörden könnte.
Daher sei es notwendig, dass eine geeignete Vertretung der europäischen Bevölkerung in den Ansiedlerkolonien und der heimischen Interessenten für die tropischen Handels- und Plantagenkoionien eingerichtet werde, welche Uber eine zweckentsprechende Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel mit zu beraten hat Die Ansiedler, die sich in Sttd- westafrika und Samoa dauernd niedergelassen haben, bezw. die Interessenten, die ihr Geschäft in den Handels- und Plantagenkolonien betreiben, haben das grösste Interesse an der Entwicklung und dem Wohlergehen der Kolonien, und es sei ersichtlich, dass ein verständiges Zusammenarbeiten der Behörden und der Ansiedler und Interessenten in bestimmt festgelegten Formen, welche eine Gewähr dafür bieten, dass die Ansichten der letzteren auch genügend zur Geltung kommen, auch die Sachkenntnis und Erfahrungen derselben für
die Finanzverwaltung besser nutzbar machen wird, als das bislang geschehen könnte.
Ferner sei es von allergrösster Wichtigkeit, dass in den Entscheidungen und Bestimmungen über die interne Verwaltung der Kolonien, insbesondere mit Rücksicht auf die Eingebornenpolidk, die Ansiedler und Interessenten mehr als bisher mit zu Rate gezogen werden, damit schweren Fehlern, wie sie unter dem seitherigen System hier und da nicht zu vermeiden waren, in Zukunft nach Möglichkeit vorgebeugt werden möchte.
Mit der Schaffung besserer Verkehrsmittel, Eisenbahnen und Strassen, treten wir in eine neue Epoche unserer kolonialen Entwicklung, die Verwaltung wird mit jedem Jahre ausgedehnter und bei der Grösse der Kolonien ist es beinahe unmöglich, dass der beste Gouverneur Über die Verhältnisse und Bedürfnisse des Landes in allen Distrikten gleichmässig gut und objektiv unterrichtet sein sollte. Auch für die Gouverneure sowohl, wie für die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes wird es mit Rücksicht auf viele Fragen der Finanz- und internen Verwaltung der Kolonien, die sich zumal in der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes aus so weiter Entfernung schwer übersehen und beurteilen lassen, nur wünschenswert sein können, an den richtig funktionierenden Gouvernementsbeiräten draussen bezw. den hiesigen Beiräten der Kolonialabteilung einen gewissen Rückhalt zu haben.
Schon Fürst Bismarck ist kurz nach der Aufnahme der Kolonialpolitik der Ansicht gewesen, dass man den damaU- gen Gouverneuren und Landeshauptleuten die Verwaltung der Kolonien nicht allein überlassen dürfe, und deshalb wurden schon im Jahre 1885—86 für Kamerun und Togo Vcrwaltungsräte eingeführt, die allerdings aus verschiedenen Gründen keine lange Lebensdauer hatten.
Herr Bornhaupt, als Referent des Ausschusses meinte, wenn er die Darlegungen des Herrn Oloff in seiner Schrift „20 Jahre Kolonialpolitik“ richtig verstehe, so will er, dass seine Vorschläge nicht sofort., also gleich heute, sondern „bei der bevorstehenden Verwaltungs-Organisation“ berücksichtigt werden.
Demgemäss möchte er der Versammlung seinerseits die folgende Beschlussfassung zur Annahme empfehlen:
Die Hauptversammlung ersucht den Ausschuss, der Frage einer zweckmässigen Beteiligung der weissen Bevölkerung an der Verwaltung der deutschen Schutzgebiete insbesondere Südwestafrika's — unter Berücksichtigung der von Herrn Oloff in seiner Broschüre: „Zwanzig Jahre KolonialpoHtik“ enthaltenen Vorschläge — dauernd seine Aufmerksamkeit zuzuwenden und im geeigneten Zeitpunkt zuständigen Orts bezügUche Anträge zu stellen.
Seine Hoheit der Herr Präsident machte einige kurze Bemerkungen zu der wichtigen Frage.
In der Diskussion führte zuerst Herr Vietor-Bremen aus, man müsse in unserer Kolonialpolitik auch den Kaufleuten mehr Einfluss verschaffen. Im gleichen Sinne sprach sich Herr F. F. Eiffe-Hamburg aus. Die Bremer und Hamburger Kaufleute haben in ihren Handelskammern koloniale Ausschüsse eingesetzt und Export- und ähnüche Vereine mit Kommissionen für Fragen unserer Schutzgebiete gegründet.
Anstelle des ursprünglichen Antrages brachte Herr Oloff die nachfolgende Resolution ein:
Die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft zu Essen boschliesst auf Antrag der Abteilung Bremen, betreffend „die Beteiligung der Interessenten an der Verwaltung der Kolonien“ und beauftragt den Ausschuss, in dem Sinne des Antrages der Abteilung Bremen, bei dem Hohen Reichstage und der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes vorstellig zu werden, indem sie der Hoffnung Ausdruck gibt, dass es den vereinten Bemühungen der Kolonialabteilung, der Gouverneure, der Ansiedler und Interessenten gelingen werde, diejenigen Massregeln zu finden, die zu einer wirkungsvolleren Vertretung der europäischen Bevölkerung in den Gouverneursbeiräten der An-
