Usarabara-pos
Zeitung für die Nordbezirke Tanga, Pangani, Wilhelmstal.
Beilage: „Der Pflanzer“, Ratgeber für tropische Landwirtschaft.
Amt! Organ für Bekanntmachungen der
K. Bezirksämter Tanga, Pangani, Wilhelmstal, des K. Bezirksgerichts, des K. Hanptzollamts Tanga und der K. Ferstreroraltang.
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Nr. 39. TANGA, den 5. August 1905. 4. Jahrgang.
+ Von der Hauptversammlung der Deutschen-Kolonialgesellschaft
(13.—15. Juni 1905.)
(Schluss.)
Am Freitag nach 9 Uhr wurden die Beratungen der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft im Krupp- Saale des Städtischen Saalbaues in Essen fortgesetzt.
Der erste Punkt der Tagesordnung war ein Antrag der Abteilung Stuttgart betr. Besiedelung Deutch-Südwestafrikas. Der Vorsitzende der genannten Abteitung, Oberlandesgerichtsrat Dr. E. Rupp führte begründend ans, sobald der Aufstand in Deutsch Südwestafrika beendet sei, müsse mit der Besiedlung entschieden vorgegangen werden, die Vorbereitungen dazu müssen bis dahin getroffen sein.
Schon jetzt wenden sich viele nach Deutsch-SQdwestafrika; ist der Aufstand erst zu Ende, so wird der Andrang der Einwanderer stark anschwellen, und wenn nicht vorgesorgt ist, werden die meisten in dem Lande mit den grossen Schwierigkeiten des Anfangs nicht vorwartskommen, eine wirksame Besiedlung wird nicht erfolgen, sondern ein neuer grosser Rückschlag eintreten mit neuer Schädigung des Schutzgebiets nnd der kolonialen Entwicklung überhaupt, sowie mit grossen Kosten der Hebung des Notstandes. Es werde ähnlich gehen wie bei dem Aufstand, für den man den zehnfachen Betrag zu spät ansgeben musste, statt den einfachen zur rechten Zeit aaszugeben.
Dazu komme, dass Deutschland eines Besiedelungslandes für seine Menschen nnd seine Waren dringend bedarf und immer dringender bedürfen wird und dass es in Deutsch-SQdwestafrika ein Land besitzt, zumal nach Niederwerfung des Aufstandes besitzen wird, das zu erfolgreicher Besiedlung geeignet teils schon ist, wie der angerichtete Schaden beweist, teils in grösserem Umfange gemacht werden kann, wie alb Kenner bezeugen. Das Gut und das Blut, das für Niederwerfung des Aufstandes hingegeben werden musste, dürfte nicht vergebens aufgewendet sein, soll es aber nicht verloren sein, so muss Deutsch-Südwestafrika der Besiedlung erschlossen werden, damit für die hingebenen neue Werte erstehen.
Mit diesen und anderen Gründen müsse die öffentliche Meinung vertraut gemacht werden, und sie ist jetzt am ehesten
bereit, von Deutsch-Südwestafrika zu hören, da sich dieser Besitz, wenn auch in empfindlicher Weise, allgemein bemerkbar macht
Die Besiedelung müsse bei den besonderen Verhältnissen von Deutsch-Süd westafrika, wenn sie nicht fehlschlagen soll, vor allem begleitet sein von Massnahmen zur Wasser beschaff fang, Viehversorgung usw.
Vom Ausschasse referierte Herr Staudinger und fasste sieb dahin zusammen, vorläufig den Antrag Stuttgart dem Verwaltungsrat B der Wohlfahrtslotterie zu überweisen, als Material für die Verwendung der für Deutscn-Süd westafrika aus den Ertragnissen der Lotterie bestimmten zwei Millionen Mark. Dabei wird der Verwaltungsrat gebeten, für die Vorbereitung der Angelegenheit eine Kommission einzusetzen und in diese auch solche Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft zu berufen, die dem Verwaltungsrat nicht angebören.
Die Wichtigkeit der Wassererschliessung erörterte Herr Postinspektor Diers-Wesel und schlug vor, den Antrag Stuttgart in nachstehender Fassung anzunehmen:
Die Deutsche Kolonialgesellschaft tritt ein für die Besiedelung Deutsch-Südwestafrikas und unternimmt es zu diesem Zwecke:
durch Werbearbeit in Schrift und Rede die Öffentliche Meinung zu gewinnen und einen Plan für die Vorbereitung und Durchführung der Besiedelungstätigkeit auf- zustellen.
Für dieses Vorgehen, namentlich zur Entwerfong des dem Vorstand der Gesellschaft vorzulegenden Besiedeiungs- plans wird ein Sonderausschuss durch das Präsidium der Deutschen Kolonialgeseiischaft eingesetzt.
Der Präsident verwies auf den Aasschuss der Woblfahrts- lotterie, in dem sorgfältig und mit Liebe zur Sache dergleichen Fragen geprüft würden. Dann schlag Seine Hoheit vor, dem Vorschläge des Ausschusses stattzugeben. Es solle ein fester Bauernstand in Südwestafrika geschaffen werden, die beste Gewähr für Ruhe und Ordnung im Lande.
Missionsinspektor Hausleitner-Barmen bat, Vertreter aller Berufsstände in das Besiedelungskomitee zu berufen.
Da die Abteilung Stuttgart ihren Antrag zugunsten dessen des Ausschusses zurückzog, lag nur noch dieser vor, der nach Schlussworten der Herren Dr. Rupp und Staudinger einstimmige Annahme fand.
