ttlndigkeit der Bezirksämter. Sic muss natürlich verbunden sein mit Ständigkeit der Bezirksamt- minner, so dass sie ihren Bezirk wirklich kennen lernen und mit ihm verwachsen. Auch für die Zeit des Heimaturlaubes müsste die Stetigkeit der Verwaltung gesichert werden. Der den Bezirksamtmann vertretende höhere Verwaltungsbeamte müsste vorher längere Zeit unter ihm gearbeitet haben und für die Dauer der Vertretung an das von ihm aufgestellte Arbeitsprogramm und seine Verwaltungsgrundsätze gebunden sein. Dazu gehörte eine längere und bessere Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten. Niemand dürfte vor der zweiten Dienstperiode mit der Vertretung des Bezirksamtmanns beauftragt, Niemand vor seiner dritten Dienstperiode Bezirksamtmann werden. Das eine oder andere Bezirksamt könnte ruhig eingezogen und zu einer mit einem höheren Verwaltungsbeamten in der ersten oder zweiten Dienstperiode besetzten, dem Bezirksamtmann unterstellten Bezirksnebenstelle umgestaltet werden. Einzelne Bezirksamtmannsstellen müssten hervorgehoben und mit höherem Gehalt, vielleicht auch mit höherem Rang, verbunden werden.
Das Gegengewicht gegen die grössere Selbständigkeit des Bezirksamtmanns würde in mit Europäern besetzten Bezirken Ausgestaltung des Bezirksrats, Erweiterung seiner Zuständigkeit und Verstärkung seines Einflusses, Neuschaffung von Bezirksverbänden bilden.
Damit würde zugleich eine gesunde Selbstverwaltung in die Wege geleitet.
Für die Einrichtung von Provinzen ist die Entwicklung des Schutzgebiets noch nicht genügend fortgeschritten. Die Verhältnisse von Britisch-Ostafrika lassen sich nicht heranziehen. Dort ist die gesamte Einteilung eine andere. Die Behörde, die an sich etwa unseren Bezirksämtern entsprechen würde, eine weniger hohe und weniger bedeutungsvolle.
Die Einteilung unseres Schutzgebiets in Bezirksämter hat steh im allgemeinen bewährt. Wir können zur Zeit keinen Grund dafür finden, durch Einführung von Provinzchefs die Stellung der Bezirksamtmänner herunterzudrucken. Man muss auch damit rechnen, dass eine derartige Massregel das Angebot wirklich tüchtiger, höherer Verwaltungsbeamter für die Kolonie herabmindern wird. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Stellung als Bezirkspräsident ein Ruheposten für höhere Verwaltungsbeamte wird.
Also keine Bezirkspräsidenten, sondern grössere Selbständigkeit der Bezirksamtmänner, Ausgestaltung der Bezirksräte, Bildung von Bezirksverbänden, Schaffung hervorgehobener Bezirksamtmannsstellen in besonders wichtigen -Bezirken.
Der Gedanke, nur für den Nordwesten der Kolonie, die Bezirke Ruanda, (Jrundi und Bukoba, einen besonderen Bezirkspräsidenten zu schaffen, ist dagegen nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen. Zwar ist es nicht richtig, dass diese Bezirke politisch Zusammenhängen. Wohl aber finden sich unter ihrer Eingeborenenbevölkerung wesensähnliche politische Verhältnisse. Im allgemeinen wird dort eine nach Millionen zählende
Bauernbevölkerung von einer aus dem Norden zugewanderten dünnen Oberschicht beherrscht.
Merkwürdigerweise hat die Regierung bisher das Prinzip verfolgt, die Herrschaft dieser Oberschicht, die sich in einem Obcrhäuptling konzentriert, zu verstärken, anstatt die grosse friedliche Bauernbevölkerung unabhängig zu machen, ihr die Früchte ihrer Arbeit zu sichern und sie zugleich nach und nach zu einem Arbeiterreservoir für andere Bezirke zu entwickeln.
Dieser Verwaltungsgrundsatz hätte längst für die deutsche Herrschaft gefährlich werden müssen, wenn nicht die herrschenden Geschlechter dem Kriege entwöhnt wären, und deshalb abgeneigt, gegen die deutsche Oberherrschaft anzugehen. Das aber kann sich mit der Zeit ändern. Dann wird es zu spät sein, die Bauernbevölkerung gegen die Herrschenden auszuspielen. Die erstere wird überzeugt sein, dass die deutsche Regierung gegen die Häuptlinge nur nicht angegangen ist, weil sie diese für zu stark hält. Und sie selbst wird immer dem Teil folgen, den sie für den stärkeren hält. Zugleich aber scheint es uns eine eminente Kulturaufgabe der deutschen Regierung zu sein, diese Bauernbevölkerung zu befreien. Sollte das der Zweck der Schaffung einer besonderen Provinz sein, dann, aber auch nur dann, könnten auch wir uns damit einverstanden erklären.
Erfreuliche Aeusserung.
Staatssekretär Dr. Solf sagte nach einem Bericht der D. 0. A. Z in Morogoro anlässlich einer vom Bezirksamt gegebenen Einladung, in Anwesenheit vieler Wirtschaftler Morogoros u. A.:
„Der Herr Bezirksamtmann hat es hier schon vorhin betont, dass Pflanzungsbetrieb und Eingeborenenkultur sich nicht auszuschliessen brauchen. Gerade hier brauchen Sie, scheint es mir, noch nichts zu fürchten. Wenn auch die Regierung die 7 Millionen Eingeborenen nicht als eine quantitc negligeable behandeln darf, sohatsiedochdieunabweisbare Pflicht, die weissen Ansiedler, in erster Linie die Deutschen, die sie ins Land gerufen hat, zu unterstützen. In welcher Form das zu geschehen hat, ob vielleicht durch einen gewissen Zwang oder einen leisen Druck auf die Eingeborenen, dass sie Ihnen Ihre Hände leihen, das zu entscheiden ist nicht meines Amtes. Das ist Sache des Gouverneurs.
Ich bin überzeugt, dass Sie Ihrem Gouverneur mit vollem Vertrauen begegnen können. Getragen von dem Vertrauen der weissen Ansiedler wird es dem Gouverneur gelingen, die schwierige Aufgabe zu lösen, die er hier vorgefunden hat. Ich bitte Sie, mit mir Ihr Glas zu leeren auf das Wohl des Bezirkes Morogoro und seiner europäischen Betriebe.“
Man würde vergeblich während des ganzen, 3 Monate langen Aufenthalts Dernburgs in Deutsch- Ostafrika nach einer ähnlichen Aeusserung von seiner Seite zu suchen haben.
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allgemeines Interesse beanspruchen JrQcklicb muss es die Redaktion ablehnen
mit dem Inhalt der Artikel identifiziert zu—* -
Zuschriften bleiben unberücksichtigt.
Wünsche.
Wer die jetzt wirklich nette Seestadt Muansa vor 5 Jahren gesehen hat und die Augen aufmacht, der muss sich sagen, hier muss ein tatkräftiger Mann am Orte sein. Neben Entebbe ist heute wohl Muansa die schönste Stadt am Viktoria Nyanza See.
Gleichsam mit der Entstehung Muansasist der Handel und die Ausfuhr um das Vielfache gestiegen, aber leider hat das deutsche Schutzgebiet wenig von all der Ausfuhr. Von Muansa geht alles über die Ugandabahn, die es allerdings auch versteht, Tarife zu machen und nicht sagt, wie die Nord- und Mitteilandbahn: „wenn Euch die Tarife nicht passen, so könnt ihr eure Produkte auf dem Kopfe zur Küste tragen lassen“!
Obgleich der Bezirk Muansa wenig Land für Europäer hat, so kann man doch sagen, er ist sehr reich. Das Land eignet sich nicht für Kautschuk und Sisal und ob die Baumwolle durchhält, steht noch in Frage. In diesem Jahre sind circa 12 — 15000 ha Baumwolle angepflanzt, aber die Erträge werden viel zu wünschen übrig lassen. Mit Erdnüssen ist es schon besser. Die Erdnusskultur liegt den Wasukuma besser und hängt auch nicht so viel von den Witterungsverhältnissen ab. In diesem Jahre sollen circa 3000 Tonnen zur Ausfuhr kommen. Wenn man bedenkt, dass die zwei bis drei Tagereisen von Muansa liegenden Sultanate an der Ausfuhr von Erdnüssen wenig beteiligt sind, so muss man sich sagen, dass der Eingeborene dort oben doch viel mehr Fleiss an den Tag legt als der Küstenneger. Ausser den Eingeborenenkulturen ist der Muansabezirk sehr reich an Gross- und Kleinvieh; ich schätze den Viehbestand auf 250 — 300000 Stück Grossvieh, über Kleinvieh will ich mir keine Schätzung erlauben. Für uns in den Nordbezirken gilt der Muansabezirk als Arbeiterbrutstätte, die für uns mehr Wert als Erdnüsse und Vieh hat.
Die ständig steigenden Ausfuhrzahlen von Muansa sind fast nur dem jetzigen Bezirksleiter zu verdanken, der es verstanden hat, die bestehenden europäischen Betriebe zu fördern und die Eingeborenen auf einen lohnenden Erwerb, wie Erdnüsse und Baumwolle usw. hinzuweisen.
Obgleich einem solchen Manne, der in reiner Schaffensfreude für seinen Bezirk aufgeht, nur Dank gebührt, so sind es doch die Könige von Ukerewe, die dem Bezirk durch schmutziges Intriguieren einen Mann entreissen wollen, der sich von Missionaren nicht leiten lassen will, sondern sich seinen eigenen Weg baut, und sich nicht von diesem, zum Wohle der Kolonie führenden, abdrängen lässt. Wir wollen nicht hoffen, dass Intrigue und falsche Angaben im
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{ Ostafrikanisdie 3agd \
Auf Elenfang.
Von F. W. S.
(Fortsetzung).
(Nachdruck verboten)
Ich bin etwas weit von meinem eigentlichen •Thema abgekommen. Wir waren also in N.-e angekommen und wollten erst am Mittag des nächsten Tages weitermarschieren. Die Ruhe bekam vor allen Dingen den Kälbern sehr gnt, denn sie waren durch die ungewohnte Safari recht abgefalien. Herr D. ging noch pirschen, erlegte jedoch nichts. Am nächsten Mittage um 1 Uhr marschierten wir weiter; nach ca. 2 Stunden hatten wir die offene Steppe erreicht; es wimmelte hier von Wild jeglicher Art. Um 5 Uhr bekamen wir ein trockenes Bachbett, welches mit Akazien bestanden war; hier beschloss ich Lager zu machen. Herr D. versuchte auf fast oo Entfernung einen Thomsonbock zu schiessen, hatte aber keinen Erfolg; er hatte sich hierdurch länger aufgehalten und kam deshalb erst später ins Lager. In der Nacht hörten wir Löwen. Am nächsten Morgen um 6‘Uhr ging’s weiter und nach ca. 10 Minuten kamen wir aui Hartebeeste, auf welche Herr D. erfolglos schoss; jedoch hatte der Schuss das Gute, dass eine Löwin etwa 500 m von uns hoch wurde und auf einen kleinen, mit kurzen Flöten- akazien bestandenen Hügel zuhielt. Sofort
galoppierte ich zu Herrn Dorn und wir nahmen beide die Verfolgung auf. Die Löwin hielt also richtig auf den Hügel zu, welchen ich bezeichnete und da sie grossen Vorsprung hatte, so gelang es uns nicht sie vorher abzuschneiden.
In den kleinen Akazienbüschen sah ich sie noch zuweilen verhoffen und nach uns herüberäugen und da die Entfernung höchstens 15 m betrug, so sagte ich Herrn Dorn, dass er doch endlich schiessen soll, aber er konnte die Löwin nicht ausmachen. Der Kopf des Hügels war wieder kahl, so dass man also die Löwin, wenn sie über den Hügel wechseln würde, sehen musste. Plötzlich war sie auch meinen „scharfen Jägeraugen“, wie Herr Dorn die mcinigen zu bezeichnen pflegte, entschwunden und ich musste also folgerichtig annehmen, dass sich die Löwin gedrückt hatte. Unseren Boys, welche mittlerweile herangekommen waren, gaben wir die Pferde zum Halten und gingen dann im Bogen auf den Kopf des Hügels zu. Oben war die Steppe weit zu übersehen, aber von einer Löwin nichts wahrnehmbar. Da jedoch auch auf der anderen Seite des Hügels kleine Büsche standen, so meinte Herr Dorn, dass wir doch mal durch diese „hindurchgehen“ sollten. Ich antwortete ihm, dass erstens es nicht hindurchgehen heisst, sondern abstreiien, zweitens von Gehen überhaupt keine Rede sein könnte, sondern, dass wir ganz vorsichtig, Schritt für Schritt, immer die Augen ordentlich offen, die Büsche absuchen müssten, denn ein Löwe vermöchte sich trotz seiner Grösse auch in nur fusshohem Grase mit etwas Busch derartig zu drücken, dass man ihn
I erst eräuge, wenn man fast darauf trete. Herr Dorn schien dies jedoch für Jägerlatein zu halten denn: mal den Kopf rechts, mal links herum gedreht und rückwärts geschaut; es fehlte nur noch, dass er eine Melodie dazu gepfiffen hätte. Dann wäre das Bild vollständig gewesen. Im Stillen wünschte ich mir, dass doch gerade er dieses Mal auf die Löwin stossen möge, damit er ein für alle Mal bei Löwenjagd seine Sorglosigkeit ablegen würde. Kaum ging mir dies durch den Kopf, da, richtig: „Rrruu“, kaum fünf Schritte vor ihm wurde die Löwin durch meinen Terrier hochgemacht. Ich weiss nicht mehr, was Herr Dorn in diesem Momente tat, denn ich hatte im Nu das Gewehr am Kopfe, gab Dampf und zerschoss der Löwin die eine Keule, wie sie schräg an uns durch wollte.
Sofort drehte sie um und kam. Im selben Mo- mente, als ich das Gewehr wieder an der Backe hatte, schoss mein Gefährte und zerschoss ihr die eine Pranke, worauf die Löwin abermals umdrehte und wieder fort wollte. Ich setzte ihr meine zweite Kugel mitten auf die Schwanzwurzel, worauf sie einige Male kerzengerade hochstieg und hierbei meine dritte Kugel aufs Blatt bekam, welche sie umlegte. Sie lag mit dem Kopfe nach uns zu und als wir beim Herangehen noch etwa 10 Schritte von ihr entfernt waren, wurde sie hoch und mit funkelnden Lichtern kam sie aui mich los. Bäng! bäng! hatte sie zwei Kugeln von uns, welche sie wieder umwarfen, sie kam jedoch gleich wieder hoch und nochmals; bäng- bäng! da lag sie wieder. Diesmal schienen di« Schüsse gut zu sitzen, denn hoch kam sie nich

