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„Küstenbote vom Norder
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Europa " - W i IhelnT Süs seTottl'TESbi Händler Sr. Königl. Hoheit des Qrosaherzegt von Mecklenburg-Schwerin. Berti» W. 30, Neue Winterfeld-Strasse 3a, und unsere
Nr. 42.
TANGA, den 19. Oktober 1912. Jahrgang 11
Letzte Nachrichten.
Privat-Telegramm aus Daressalam. Am Donnerstag, den Oktober, 8 1 4 Uhr morgens, erschoss sich der erste Polizei-Inspektor Hauptmann von Stegmann und Stein in seiner Wohnung mit einem Karabiner, S.-Geschoss. Er war sofort tot. Als wahrscheinlicher Grund wird Schwermut infolge eines Gehörleidens angenommen.
Am Nachmittag fand die Beerdigung unter zahlreicher Beteiligung der Europäer statt.
Die Grabrede hielt der evangelische Pfarrer. (Für einen Teil der Auflage schon durch Extrablatt gebracht.)
Wolff’s Büro.
Beim Feldzug der Hammeldiebe
wird noch mehr gelogen als im italienisch-türkischen Krieg. So sagt eine
Montenegriner Meldung vom 12. ds. Mts.: Die Montenegriner nahmen die Befestigung Zep- schiesch und eroberten 4 Geschütze. Der türkische Kommandant kapitulierte. Die Montenegriner stürmten weiter auf die türkische Befestigung Schippanik und behaupten jetzt die Stadt Puzi völlig. Die Mallisoren unterstützten die Montenegriner tatkräftig.
Die Türken behaupten dagegen, dass die Montenegriner bisher gar keine Vorteile errungen hätten. Die Kämpfe dauern fort. Auch die Kämpfe um Beraue dauern an.
Li folglosigkeit der Friedensverhandlungen?
Die oiiiziöse „Tribüne“ meldet aus Rom, dass der Abbruch der Friedensverhandlungen unmittelbar bevorstehe, da die Türkei in letzter Stunde neue unerfüllbare Forderungen stelle. Der Krieg soll sofort energisch wieder aufgenommen werden.
Folge der Kriegslage im Balkan und der Türkei.
Angst- und Zwangsverkäufe irritieren Europas Börsen, infolge pessimistischer Auffassung der Balkankrisis.
Wie wird’s den Türken gehen?
15. Okt. Serbien. Die Türken überschritten die Grenze bei Ristowatz und griffen die serbische Armee an.
Bulgarien. Die Regierung übermittelte der Türkei eine Note als Antwort auf den Mächteschritt, da die Forderungen für die Türkei unanehmbar seien.
Griechenland. Die Regierung stellte der Türkei eine vierundzwanzigstündige Frist für die Freigebung der fesgehaltencn Schifie.
Neuester Erfolg eines deutschen Luftschiffs.
Aus Johannistal wird unter dem 15 gemeldet: Das Marineluftschiff unter Führung des Grafen Zeppelin traf aus Friedrichshafen nach 31 stündiger Dauerfahrt ein. Dieses wird in militärischen Kreisen als besonders bemerkenswert betrachtet, da das Luftschiff während eines grossen Teiles der Fahrt verschwunden blieb.
Der Friedensschluss zwischen Italien und der Türkei gesichert.
17. Oktober. Ouchy. Die Friedenspräliminarien wurden Dienstag Abend unterzeichnet.
Tripolitanien. Cyrenaika erhält Autonomie unter der Souveränität Italiens. Die aufständische Inselbevölkerung im ägäischen Meer erhält Amnestie.
Die Türkei ist nun rückenfrei und kfimpft im Balkan.
Konstantinopel. Die Pforte beschloss, die Gesandten aus Sofia, Belgrad und Athen abzurufen. Der griechische Gesandte bleibt einstweilen in Konstantinopel.
Der Balkankrieg ist zu lokalisieren!
Berlin. Kiderlen-Wächter sprach die Ueber- zeugung aus, dass kein neutraler Staat beim Balkankrieg in direkte Mitleidenschaft gezogen würde.
Attentat gegen Roosevelt.
Milwaukee. Gestern wurde Roosevelt von einem Wahnsinnigen in die Brust geschossen. Die Kugel konnte noch nicht entfernt werden. Der Zustand ist befriedigend.
Vom Balkankrieg.
18. Oktober. Die Piorte übermittelte heute früh um 9 Uhr dem serbischen und bulgarischen Gesandten eine Note: Die Bulgarische und serbische Note sei eine Einmischung in die Mobilisierung der beiden Staaten. Die andauernden Scharmützel hätten den Frieden weiterhin unmöglich gemacht. Die Gesandten wurden aufgefordert, die Türkei sofort zu verlassen. Dies bedeutet eine Kriegserklärung.
Die Türken melden einen grossen Sieg über die Montenegriner bei Podgoritza.
Athen: Der Marineminister teilte mit, dass 2 griechische Kannonenboote in der Nacht um 1 3 Uhr in die Meerenge von Prevesaktium eindrangen. Nachts um ' .5 Uhr langten sie in Vonitza an. Es gelang den Türken nicht, trotz der Sperrforts, den Vorstoss zu verhindern.
Wildschütz, Schillings und wir.
Der Bericht über die Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, die im Juni ds Js. in Hamburg staitgefunden hat, liegt uns jei/.t in extenso vor. ln der Nummer 27 vom 6. Juli brachten wir einige Erörterungen und Debatten, die sich auf unsere Kolonie bezogen. Nun, da wir den genauen Inhalt der Debatten kennen und sehen, dass man es dort nicht unterlassen konnte, uns und die Kolonisten am Meru von gewisser, allzu bekannter Seite aus in nicht zu rechtfertigender Weise anzugreifen, sind wir gezwungen, uns wiederum gegen unsere „Freunde“ zu wenden.
Leider müssen wir diesmal mit einem von uns sonst geschätzten, alten Ostafrikaner beginnen, Herrn Bezirksamtmann a. I). von St. Paul-Illaire. Er hat als Vorsitzender der Wildschutzkommission im Berichte über die Arbeiten dieser Kommission Verschiedenes gesagt, das wir richtig stellen müssen. Die von uns in den Nummern vom 20. und 27. April gebrachten Ausführungen sind als die Meinung der Usambara-Post als Vertreterin der wirtschaftlichen Interessen zu betrachten. Und auf dem Standpunkt stehen wir nach wie vor. ln der Darstellung, die Herr von St. Paul Über die Beziehung des Redakteurs Dceg zu den Arbeiten des Wildschutzvcreins gibt, ist ihm ein grosser Irrtum unterlaufen. Deeg wurde ersucht, seine Ansicht zu den Vorschlägen der Wildschutzkommission zu äussern. Anders war eine Mitarbeit bei der grossen Entfernung gar nicht möglich. Das hat er zugesagt. Nun hat er aber von der
Kommission keine Vorschläge sondern bereits fertige Beschlüsse erhalten, auf die ändernd einzuwirken sonach unmöglich war. Da also eine weitere Mitarbeit mit der Deutschen Wildschutzkommission an der Ausgestaltung des Jagdgesetzes für Deutsch-Ostafrika ausgeschlossen sein musste, war er genötigt, den Standpunkt klar zu zeichnen, den er als Vertreter wirtschaftlicher Interessen den Beschlüssen und Ansichten der Kommission gegenüber einnimmt. Wie recht er z. B. mit der Behauptung hatte, dass durch die neuen Jagdbestimmungen die Einnahmen aus der deutsch-ostafrikanischen Jagd unter das Normalniveau sinken werden, geht daraus hervor, dass schon bei dem jetzigen Jagdgesetz vom 30. Dezember 1911 die Einnahmen eine unerwünscht niedrige Ziffer aufweisen. Seit Bestehen der neuen Bestimmungen werden nur verhältnismässig wenig grosse Jagdscheine gelöst, fremde Jäger wenig angezogen. Die Aufstellungen am 31. März 1913, am Ende des Geschäftsjahres, werden dies noch krasser zeigen. Und der Kommission ist unser jetziges Jagdgesetz noch zu milde!! Ein Irrtum ist es ferner, wenn behauptet wird, dass die englischen Bestimmungen, uns unbekannt, strenger wären. Erstens berücksichtigt das eng- ; lischc Gesetz Eingesessene und Beamte, der Vorschlag der Deutschen Wildschutzkommission aber nicht, sodann kann man durch sog special liccnses weit mehr Elephanten ebenso Büffel u. A. schiessen als bei uns. Und dann sind nur zwei allgemeine Wildreservate vorhanden, während bei uns über ein Dutzend derartiger Reservate bestehen. Doch darüber werden wir einmal ganz ausführliche Vergleiche ausführen. In dem Rahmen unserer heutigen Ausführungen würden sie zuviel Raum beanspruchen. Gehen wir nun in medias res.
Da ist denn vor allem der Briefwechsel zwischen C. G. Schillings und dem Wirtschaftlichen Verein vom Meru hervorzuheben. Schillings hat bekanntlich früher in öffentlicher Weise die Ansiedler vom Meru angegriffen und dies in heftiger Weise. Darauf erhoben letztere folgenden Protest;
„Der Wirtschaftliche Verein vom Meru erhebt hierdurch energischen Einspruch gegen die frivolen Beleidigungen, die Herr Prof. Schillings in der Hauptversammlung der Deutschen K olnnialgesellschaft zu Stuttgart gegen die Ansiedler unseres Bezirkes vor- brachtc. Wir halten cs unter unserer Würde, auf die unwahren, lächerlichen Behauptungen, sowie auf die kränkenden Beleidigungen näher ein zugehen, verweisen jedoch auf den (aus unserer Mitte hervorgegangenen) Artikel in Nr 38 39 der l?sambara-Po*t (1911). Wir bedauern cs aber auf das Tiefste, dass Herr Prof. Schillings in der Deutschen Kolonialgesellschaft die hier fern von der Heimat als Pioniere für deutsche Art und deutsche Kultur tätigen Ansiedler schlechtweg als „Elemente,Individuen, gewerbsmässige Wildschlächtcr" bezeichnen konnte, ohne die gebührende Antwort zu finden.*
Dieser Protest hält sich vollkommen in sachlichen Grenzen. Trotzdem erachtet es Herr von St. Paul für nötig, von „kränkenden Beleidigungen", „Knigges Umgang mit Menschen“ u. a. zu sprechen. Hcit Schillings hat auf diesen Protest folgen dermassen geantwortet:
„Berlin, den 6. Februar 1912.
Weyerhof, Gürzenich b. Düren, Rheinland.
An die Wirtschaftliche Vereinigung Meru.
in Dcutsch-Ostafrika.
Auf Ihr Schreiben an die Deutsche Koloniaf- gcscltschaft teile ich Ihnen das folgende mit:
I. Ich muss cs mir versagen, auf den Inhalt des Schreibens näher cmzugehen, da der von Ihnen beliebte Ton ernster, verständiger Männer nicht würdig ist
