ungefähr dasselbe, als wenn der Vater zu seinem Sohne, der einen Wagen haben möchte, um seine Rüben und Kartoffeln billig nach der Stadt befördern zu können, sagte:Warum willst du einen eigenen Wagen haben und das viele Geld verdienen? Trag die Rübeo doch zu deinem Nachbar im anderen Dorf, der hat es ja etwas weiter zur Stadt; gegen gutes Geld und gute Worte wird er auf seinem Wagen dir aber sicher deine Sachen nach der Stadt besorgen.

Weiter: Dass der Staatssekretärmassige Forderungen in Etappen zu stellen gedenkt, können wir vorläufig auch nicht annehmen, da uns damit nur wenig gedient sein wird, denn wir wollen schnell Bahnen. Von der Finanzlage des Reiches kann doch unmöglich so viel abhängen, denn wir brauchen ja, wenn es eben nicht anders geht, nach altem Muster vom Reich nur die Zinsgarantien.

Klassisch erscheint auch der letzte Satz, der unserem Staatssekretär untergelegten Äusserungen, dass nämlich unse­re Wegebauten bis jetzt ziemlich systemlos betrieben wären. Das System besteht wahrscheinlich darin, dass wir über­haupt noch keine ordentlichen Strassen gebaut haben, System kann also nach obiger Ansicht nur herein kommen wenn wir alle notwendigen Bahnen haben und das wird ja wohl noch ein halbes Menschenalter oder länger dauern 1 Bis dahin müssen wir uns also ohne brauchbare Strassen behel­fen??

Einsendungen und Besprediungen Rirtsdiaftlidien Inhalts.

x Rationelle Landwirtschaft * 1 und Fortschritt bei den Ein­geborenen. Uns wird geschrieben:Die Eingeborenen müssen zu rationeller Landwirtschaft erzogen werden. Bis wann, möchte ich fragen? Glaubt einer, dass wir dies er­leben? Ich glaube es nicht, also hats auch gute Weile, und brauchen wir uns den Kopf gar nicht darüber zu zerbrechen. Es sind eigentlich noch gar keine ernsten Versuche in dieser Richtung gemacht worden, oder doch nur vereinzelt, und bei letzteren hat man herausgefunden, dass unter hundert Schwarzen sich einer dazu hergegeben, und selbst dieser hat die ganze Geschichte wieder an den Nagel gehängt, als ihm die Sache einmal fehl ging. Wer weiss nicht, von wie vielen Zufälligkeiten gerade die Landwirtschaft abhängt Kennt man oder weiss man die Klagen und Nöte unserer Landwirte in der Heimat nicht. Ja, tausend Mark auf der Bank bringen fünfzig Mark, obs regnet oder nicht, auch wenns hagelt. Im Acker aber können sie es auch bringen, und noch viel mehr, wenns glückt. Wenns aber nicht glückt? Trotzdem pflanzen unsere Landwirte in der Heimat unverdrossen weiter. Der Schwarze ist aber ein ganz anderer Mensch. Er pflanzt wohl Mais und Bananen, weil er diese selbst braucht, aber etwas pflanzen, was er nicht kennt, da bringt man ihn nicht leicht dazu, und selbst dann gibt er es auf, wenns nicht das erstemal glückt. Es mag sein, und ich glaube es gern, dass ein Volksstamm wie die Wanyamwezi in dieser Richtung auf eine ziemlich hohe Stufe gebracht werden können. Aber die ziehen es vor, bei den Weissen zu arbeiten, weil sie am Ende der Woche oder des Monats ihr Geld bekommen. Die Schamba bietet ihnen nicht diese Garantie. Also wird es selbst bei denjenigen Eingeborenen, die schliesslich in dieser Richtunng noch zu etwas zu gebrauchen sind, noch sehr lange dauern, und wir können den Ausdruckrationelle Landwirtschaft bei den Eingeborenen, noch ruhig in irgend eines der Nebenfächer legen.

Man redet vonFortschritt bei den Eingeborenen. Wie es an anderen Orten der Kolonie ausschaut, weiss ich nicht ist, kann deswegen nur über die unseren daheim Aus­kunft geben. Viel kann man bei solchen Staatsbürgern nicht verlangen und deswegen auch nicht viel sagen, aber doch etwas.

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Die alten waschechten Schambaras laufen heute noch im Schurzfell herum, also kein Fortschritt, andere habens ausser demselben noch zu einem Stück Zeug gebracht, also etwas Fortschrittliches, die jüngere Generation hat diese Urbekleidung ganz abgelegt und erscheint in weissen Klei­dern, also Fortschritt, wovon aber nur die Inder Vorteil haben. Früher bauten die Schambaras ihien Tabak selbst, heute sieht man aber an allen Ecken und Enden die jüngeren Herren gekaufte Cigaretten rauchen? Dies wäre auch ein Fortschritt und Profit für die Inder. Vor Jahren brauchte kein Schambara einen Koffer oder Kiste, heute sind dieses gesuchte Artikel, aber mit Schloss, da man nichts mehr frei liegen lassen kann, wie früher, von wegen dem Stehlen. Auch eine Art Fortschritt.

Seinerzeit fühlte sich ein Schambara geehrt, wenn ein Weisser in seiner Sprache mit ihm sprach, heute mag er weder Kishambala noch Kiswahili von demselben hören, und ist froh, wenn ihm derselbe einige Schritte vom Leibe bleibt. Fortschritt. Früher konnte man Ziegen, Hühner, Eier, u. s. w. zur Genüge zum Verkauf haben, beute essen sie dieses selbst auf, fortschrittlich natürlich.

Europäische Hacken oder Hauen kaufen die Eingebore­nen schon, stellen selbe aber aus lauter Liebe zum Fort­schritt ins Haus, dass nichts dran passiert und reinigen die Fel­der mit ihren Urhacken. Also es geht vorwärts, bald wirds auch hell werden und der Handel kann los gehen. Wenn die Schwarzen hier herum einmal so weit fortgeschritten sind, und Herr Dernburg will sie ja so weit bringen, dass sie rationelle Landwirtschaft treiben, dann werden sie wohl auch dieUsambara-Post lesen. Dies wäre auch für sie von Vorteil. Aber Spass bei Seite: Glaubet nicht, dass sie Herrn Dernburg helfen, Luftschlösser bauen, dies findet man nur zu gut aus der Usambara-Post heraus. F.

neuestes.

(Reuters Bureau.)

21. Dezember. Bei einer Explosion in den Kohlengruben von Pittsburg wurden 160 Personen getötet.

Sir Edward Grey erklärt bei einer Rede in Berwick, dass der Be­such Kaiser Wilhelms in England und die Art, mit welcher König Eduard den Besuch aufgenommen hätte, für die gutem Be­ziehungen zwischen beiden Ländern von grossem Wert sei.

Bei einem Besprechen der allgemeinen politischen Lage und der auswärtigen Angelegenheiten äusserte der Minister, dass er keinesfalls aus Rücksicht gegen Deutschland für ein neues grosses britisches Flottenprogramm eintrete, wenn jedoch andere Nationen ihre Flotten verstärkten, müsse auch England dasselbe tun.

Deshalb brauchte sich England aber noch nicht in grosse Unkosten zu stürzen, da seine Positiou für die nächsten zwei Jahre noch vollkommen sicher sei.

Reuters Agentin Teheran meldet, dass infolge der Intervention der Geistlichen das Volk sich wieder zerstreut hatte und die rebelli­schen Landbewohner wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt wären.

Bei dem Minon-Unglück in Pittsburg sind 200 Minenarbeiter ver­schüttet. Ihre Lage ist hoffnungslos.

23. Dezember; Der Standard meldet, dass die britische Admirali­tät beschlossen hat, ein Pacifio Nord-Amerikanisches Geschwader im nächsten Mai einzurichten. Dasselbe soll aus dem 4. englischen Kreu­zer-Geschwader und sechs weiteren Kreuzern der County-Klasse bestehen.

Die Operationsbasis des Geschwaders soll Espuimatt sein.

Die britische Admiralität erklärt in der energischesten Weise, dass obige Meldung unrichtig ist.

23. Dezember. Kaiser Frans Joseph ist das erste Mal seit seiner schweren Krankheit ausgefahren und zwar von SchOnbrunn nach der Hofburg, woselbst er Abordnungen empfing. In seiner Rede betonte er ausdrücklich die zufriedenstellende lnternationalle Lage, bemerkte jedoch, dass die erhöhten Forderungen für das Kriegsdepartessent unbedingt notwendig wären.

Französische Abteilungen an der Algier-Marokkogrenze haben das dortige Gebirgsland betreten und die Dörfer der aufsässigen Stämme besetzt.