TOTES

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Beilagen:

Zeitung für die Nordbezirke Tanga, Pangani, Wilhelmstal.

»Der Pflanzer, Ratgeber für tropische Landwirtschaft.Der Ansiedler-Freund. Organ für die geistigen und wirtschaftlichen Interessen des Kolonisten.

Amtl. Organ für Bekanntmachangen der

K. Bezirksämter Tanga, Pangani, Wilhelmstal, des K. Bezirksgerichts und des K. Hauptxollamts Tanga and der K. Forstrerwaltung Wilhelmstal.

Generalvertretung und alleinige Inseratenannähme für Europa: Wilhelm Sasserott, Verlagsbuchhandlung, Berlin W. 30, Goltzstr. 24.

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Nr. 54.

TANGA, den 17. November 1906.

5. Jahrgang.

Der Hauptmann von Köpenick.

Das durch den Hauptmann ü la suite des Ersten Garde- Regiments zu Fuss v. Köpenick wieder in den Vordergrund gerückte edle Geschlecht derer von Köpenick ist uralt. Nach einer, allerdings historisch nicht völlig gesicherten, aber doch nicht unwahrscheinlichen Familientradition ist als Ahnherr ein gewisser Willehalm anzusehen, der zur Zeit des Tiberius in römische Kriegsdienste trat und es bis zum Hauptmann brachte; als solcher wurde er unter dem Namen v. Kapernaum in den Ritterstand erhoben. Leider wissen wir nicht mehr von ihm, als was uns der Apostel Lukas*) erzählt, aber so wenig es auch ist, es reicht aus, um den Farniiienzusammenhang glaubhaft zu machen. Der Herr Hauptmann sagt nämlich:Ich habe Kriegsknechte unter mir, und spreche ich zu einem: Gehe hin! so gehet er hin; und zum andern: Komm her! so kommt er, und zu meinem Knecht: Tue das! so tut ers Das ist echt Köpenickischer Geist und beweist klarer als alle Mühen der Philologen und Historiker, dass wir inKöpenick nur eine germanisch­slawische Umformung des aramäisch-römischen Adelsnamens ..von Kapernaum zu sehen haben. Freilich sagt derselbe Hauptmann kurz vorher: ..Denn auch ich bin ein Mensch. Aber wenn man darin nicht eine blosse Konzilianz gegen den Heiland deren sich allev. Köpenick stets befleis- sigt haben und die in ihrer vornehmen Bescheidenheit sicher ihren Eindruck nicht verfehlt hat, erblicken will, so wird man sie doch billig dem noch nicht genügend gefesteten Selbstgefühle des aus eigener Kraft emporgekommenen Ahn­herrn derer v. Köpenick zu gut halten dürfen. Jedesfalls haben die späteren Generationen sich mit Erfolg bemüht, diese Schwäche von sich abzustreifen.

Nach Verfall des römischen Weltreiches traten die v. Kapernaum in brandenburgisch-preussische Dienste und wur­den mit dem Gebiete am Ausfluss der Spree aus dem Müggel­see belehnt, wo sie eine Burg, das castellam kapermeum vulgo Schloss Köpenick erbauten. Zu hoher Blüte ge­langte das Geschlecht unter Friedrich Wilhelm dem Ersten. Er war ausschliesslich von Köpenicks umgeben, deren Namen schon damals im Ersten Garderegiment überwog. So war es kein Wunder, dass er seinen missratenen Sohn Fritz, der unbegreiflicher Weise späterder Grosse genannt wurde, den

*) Kap. vn Vers 8.

Köpenickern zur Zwangserziehung übergab. Das Schloss Köpenick bewahrt noch manches Andenken an diese Zeit, und das Geschlecht durfte sich seitdemVoigt von Köpenick nennen. Leider fanden die Köpenicks bei dem Kronprinzen, als er den Thron bestieg, nicht den Dank, den sie sich um ihn verdient zu haben glaubten. Um so höher stieg ihr Ansehen bei seinem Oros3neffen Friedrich Wilhelm dem Dritten, der sich wieder ganz mit Köpenicks umgab und alle wichtigen Stellen der Armee mit ihnen besetzte.

Da brach bei Jena und Auerstädt das grosse Unglück über Fürst und Volk herein, und treu ihrem Königlichen Herrn, treu der Sache, der sie stets gedient hatten, fanden sämtliche Köpenicks bei Jena den Heldentod.

Bis auf einen. Er wurde am Tage der Schlacht, in der sein Vater und Grossvater fielen, geboren. Ein scheues und schwächliches Kind, wuchs er nur sehr langsam heran. Erst in den neunziger Jahren trat er mehr in die Öffentlichkeit und wurde in Potsdam und Berlin bald eine gern gesehene Persönlichkeit. Aber erst der Reminiszenzen gelegentlich der hundertjährigen Wiederkehr des Jahrestages von Jena bedurfte es, ihn an die alten ruhmreichen Traditionen seiner Familie zu erinnern. Der alte Geist der Köpenicks wurde mächtig in ihm und befähigte ihn, ihr mit einem Schlage den alten Platz wieder zu erobern.

Dieses meteorgleiche Wiederemporkommen derer von Köpenick hat zuerst mit scharfem Bück der smarte Verein Deutscher Militäreffektenhändler und -Fabrikanten (E. V.) Sitz Berlin erkannt, und für die von ihm veranstaltete Deutsche Armee-, Marine- und Kolonialansstellung endlich den lang gesuchten Protektor gefunden. Nicht mehr wird, wie auf der uns zugegangenen Einladung stehen:Protektorat Zur Erlangung des Protektorats sind die erforderlichen Schritte getan. Sondern: Protektorat:S. Hochwohlgeboren der Hauptmann ä la suite des Ersten Garderegiments zu Fuss Wilhelm Voigt v. Köpenick.

So wird der zu so schneller Berühmtheit gelangte Herr voraussichtlich persönlich am 1. Juni 1907 die Ausstellung der Militäreffektenhändler in Berlin-Schöneberg eröffnen.

Die Ausstellung, welche vomSchuhnagel bis zur Kanone alles umfassen soll, was im Krieg und Frieden für Ausrüstung und Bedarf der Land- und Seestreitkräfte sowie der Kolonien gebraucht wird und von Nutzen ist, wird folgende Gruppen umfassen: