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mählichen Ausrottung der heute vielfach vorhan­denen ausschweifenden Trunksucht der Ein­geborenen kann aber nur allein im Wege ihrer fortschreitenden Erziehung zu regelmässiger Arbeit und höherer Gesittung erreicht werden. Mit Erreichung eines höheren Kulturzustandes wird auch diese Seite ihrer Lebensführung im Laufe der Zeit eine wesentliche Aenderung er­fahren. Ob es jemals gelingen wird, aus dem Neger einen überzeugten Temperenzler zu machen, darf füglich bezweifelt werden. Solche Ziele liegen jedenfalls ganz ausserhalb jeder amt­lichen Einflussnahme, sie bleiben, wie in Deutschland, so auch hier am besten der privaten Propaganda überlassen. Eine forcierte Behandlung des Problemes im Sinne der Herren Gelehrten des Genfer Kongresses dürfte darum wohl auch seitens des Herrn Reichskanz­lers eine wohlbegründbare Ablehnung erfahren.

Letzte Nachrichten.

Wolffsches Telegramm.

Bayerns neuer König Ludwig III.

6. November. Eine Proklamation gibt den Regierungsantritt König Ludwigs III. bekannt.

Reuters Nachrichten.

Deutsch-englischer Kuhhandel in Ostafrika? Die in französischen Blattern nufgctauchtcn Gerüchte über Austausch von Sansibar eei»en ein anderes Stück Afriln kamen auch zu (ihren Reuters, der sie jedoch dementiert. Dai'crien brinut derDaily Chronicle eine Drahtnachricht von seinem Berichterstatter in Deutschland, wonach deutsch-eijzlischo Unterhandlungen im Gange seien, die auf koloniale Entwickelung hinnm-laufcn und zufolge denen ein günstiges Resultat in Aussicht stehe (für wen günstig? D. Red ). Wie dann Reuter wiederum aus Deutschland erfahrt und dies ausbestinformierter Quelle , drehen sich die Unterhandlungen nicht sowohl .utn Austausch \nn afrikanischem Gebiet als vielmehr um Tiiluni vim sohhem. Die Abmachungen seienmehr zu­fälligen Charakters und brauchen nicht sofort in Kraft zu treten.

fluchst eigenartig berührt dazu das von Wolff ge­brachte Dementi des Verkaufs von Deulsch-Ostafrika. Da­nach min'S in deutschen Blattern von einem Kaufe die Rede gewesen sein. Irgend etwas Hegt also vor. Nehmen wir an, es ist ungünstig für Deutschland, was da in Berlin und London abgemacht worden ist, so haben wir keine Enttüuschung zu erleben.

Zur Lage in Mexiko. Die Vereinigten Staaten haben eine Proklamation an die Mächte in Vorbereitung, wo­nach jede Einmischung in die mexikanische Frage von ihnen als unfreundlicher Akt angesehen würde. Als Ant­wort auf seine diesbezügliche Bitte erhielt Bryan von Deutschland, England und Erankreich die Antwort, dass sie davon Abstand nchiu:n, eine politische Formel für Mexiko jet/t auf/ustellcn, che sie nicht mit den Vereinig­ten Staaten über die mexikanische Frage in genügenden Meinungsaustausch getreten waren.

Die Wahlen f.mden statt. In IVw Cru: und Mexiko City wurde so gut wie nicht gewählt und auch sonst war die Beteiligung so schwach, dass inan fürchtet, die Wahlen waren nutzlos geursen. Huerta hatte mit Ausnahme von Felix Dias alle Präsidentschafts-Kandidaten im Palaste cingeladen. Letzterer hat erklärt, dass er sich mit dem Resultat einverstanden erkläre; sollte er nicht gewählt

werden, so würde er Huerta behilflich sein, Frieden und Ordnung In Mexiko wieder herzustellen. Ein anderes Telegramm besagt, dass Felix Dias auf seine Bitte beim amerikanischen Konsul in Vera Cruz Aufnahme auf einem amerikanischen Kreuzer fand. (!!)

Es sind alle Anzeichen dafür vorhanden, dass Amerika auf dem Rücktritt Huertas besteht und sich mit den Kon­stitutionellen zwecks Abhaltung von neuen Wahlen zusam­mentun wird.

Die Köln . Ztg . sagt, alle Fremden in Mexiko hielten Huerta für den besten Mann, der wieder Ordnung ins Land bringen würde. Es läge in Deutschlands Interesse, dass eine kräftige Persönlichkeit auf den Präsidentensitz käme. Huerta sei der Richtige. Die Tageszeitung und dieVossische erinnern Amerika an seine Dollarpolitik; es scheine zu vergessen, dass Mexiko ein suveräner Staat sei.

Das Rebeilenheer nahm Monterey nach einem Kampfe, in dem es zwei Generale schlug; über 1000 Mann sollen gefallen sein.

Frankreich hat gegen die Zollerhöhung in Mexiko protestiert. Es erklärt, sie sei ungerecht, besonders mit Rücksicht auf die niedrigen Zölle, die in Frankreich auf mexikanischen Gütern standen.

Bei San Salvador sprengten die Rebellen einen Zug mit Soldaten in die Luft, wobei sehr viele verwundet und 115 Soldaten getötet wurden.

Schweres Mincnunglfick. In Danson (Neu Mexiko) wurden bei einem Bergunglück 284 Minenarbeiter ver­schüttet, von denen wenige zu retten sein werden. Man fürchtet, cs werden 2tH verloren sein.

Fort mit den Indem! heisst cs auch in Kanada. So wurden 24 Inder von der luindung in Victoria (Britisch Kolumbien) ausgeschlossen, da sie mit dem Einwanderungs­gesetz in Konflikt kamen. Sie wurden nach Hongkong verschifft. Die Inder sandten eine Proicstschrift nach Ottawa.

England und die venerische Gefahr. Das Korn- mitee zur Erforschung und Bekämpfung der venerischen Krankheiten in England hat sich unter dem Vorsitz des Lord Sydenham konstituiert.

Im französischen Budget ist ein Plus an Ausgaben von 200 Millionen für Marokko, und ein solches von 170 Millionen Franken iür den dreijährigen Dienst ersichtlich.

Einesenrationelle Wendung im Krupp-Prozess bringt Reuter. Danach sagte Metzen, der frühere Repräsentant Krupps in Berlin, aus, dass er im Besitz von Korrespon­denz zwischen Krupp und seinen Direktoren wäre, ans der hervorginge. dass, wenn nicht alle, so doch sehr viele dieser Letzteren das Kruppsche System der vertraulichen Information kannten. Staatsanwalt wie Verteidiger prote­stierten mitten iu der Verhandlung aufs Heftigste gegen die Vorbfingung dieses Beweises, der Gerichtshof beschloss jedoch, dass dem Beweisantrag stattgegeben wurde. Darauf vertagte sich das Gericht.

üfe Home Rule und die Ulsterleute. Lord London- derry sagte in einer Rede, die er in Durham hielt, auf Asqüiths Aeusserung, die Regierung werde durch die Armee die Ulsterleute erschlossen lassen:Gut, ich werde auch dabei sein, zusammen mit ihnen. Wenn die Home Rule durchgeht, dann werden 100000 Freiwillige bereit sein, sie mit bewaffneter Hand zu bekämpfen /

Ein russischer Spion namens Koet ist in Agram wegen Spionage zum Tode verurteilt worden. Das Standrcclit ist in Agram erklärt worden. Man kam auf Grund genauer Nachforschungen auf ein förmliches Netzwerk russischer Spionage.

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Die Ankunft Ihr. Kgl. H. H. der Prinzen Leopold und Konrad mit R. P. D. J'cldmar- schuth erfolgte am 31. Oktober. Tanga hatte sielt entsprechend darauf vorbereitet. Reicher Flaggen- schmuck zierte die Häuser. Nachdem die Printen an Land gestiegen waren, fand eine Vorstellung

im Bezirksamt statt. Eine Abordnung der Bayern die Vertreter der Firmen, sowei andere Privatleute, Beamte wurden den hohen Herrn vorgestellt, die mit Interesse nach den verschiedenen Lebens- Verhältnissen in liebenswürdigster Weise fragten Danach begrüsste eine vielköpfige Abordnung Farbiger, bestehend aus Arabern, Indern uiu schwarzen Respektpersonen die fürstlichen Besucher Tangas.

Vom Bezirksamt begaben sich die hohen Herrschaften zur Eingebomenschule. Hier hatten mehrere Klassen der schwarzen ABC-SchOt/ca Aufstellung genommen und bildeten Spalier. Nacti Besichtigung einiger Klassen führte Herr Regierungs­lehrer Lorenz die oberste Klasse im Rechnen, V. Geographie und Deutsch vor. Hierauf wurde auf besonderen Wunsch durch Herrn Regierungslehrt, Herrfurth eine Klasse im Turnen gezeigt. Zum Schluss spielte unsre Schülerkapelle, die schon beim Empfang am Strande ihrer Aufgabe v., ; | und ganz gerecht geworden war, einige Musik­stücke. Die hohen Herren waren hochbefriedi ;t von dem Eindruck, den ihnen die hiesige Eingebornenschule gemacht hatte.

Von der Schule aus ging es in das Eingebor- nenviertel. Zu beiden Seiten standen dicht ge­drängt die Schwarzen.

Leider war vom Gouvernement vorgesehen, dass die Herrschaften um 6 Uhr abend wieder an Bord waren, um, wie wir erfahren, eine Malaria- Infektion tunlichst zu verhüten. Nun, in Dares­salam scheint dies nicht befürchtet worden zu sein.

Ja, dort gibt es wohl auch nur Daressalanicr Moskiten! Harmlose Tierchen! Ausserdem noch direkt der influenzierenden Bestrahlung durch d e höchsten Beamten der Kolonie ausgesetzi!

Am Abend fand ein ausserordentlich gut besetztes Konzert der Schülerkapelle statt, in der sich unsere Kapelle wieder einmal selbst übertr u. Die zahlreich erschienenen Dampfergäste hat:, n aber unrichtig kalkuliert, wenn sie dachten, auch die Prinzen beim Konzert sehen zu können.

Am 5. brachte der KabeldampterMöwe die Herrschaften wieder nach Tanga, wo sie dirc in ihren Extrazug stiegen, um nach Moschi zu fahren.

Den hohen Weidmännern nochmals ein krär. ^ Weidmannsheil ! a

Revision der Haus- und Kopfsteuerquit­tungen. Wie wir erfahren, wird jeder Farbige n\ der Zeit vom 15. bis 30. November bezüglich der von ihm bezahlten Kopf- und Haussteuern kontr - liert. Da es einerseits das Interesse der Europäer erheischt, dass der Schwarze seine Steuern bezahl, ausserdem aber auch eine glatte Erledigung i :,r Kontrolle der Bediensteten im Interesse der Dir - herrschüft liegt, so möchten wir die Europa besonders d*»raui aufmerksam machen, ihr. l Personal in üer angegebenen Zeit das stämli Mitfuhren der Quittungen anzuraten, bzw. Pflicht zu machen.

Bessere Geldaussichten! Wie wir erfüll \ ist der Reichsbankdiskont um ein halbes Prozent herabgesetzt worden. Dieser Umstand gibt, be­sonders wenn man berücksichtigt, dass er gegen Ende des Jahre:; eingetreten ist, begründete Ans-

Hafen des Friedens.

H»d Ein Roman aus den Tropen.

Von Hermann Walter.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung)

Sie ist schön geworden. dachte er, als er sie betrachtete. Da stand sie zwischen den an­deren im Seewind, der über die Bara/a strich und die leichten Kleider aufflattern Hess. Erschreckt lasteten die Frauen über ihre Abendfrisuren, oder hielten da und dort eine flatlerne Spitze fest. Sie fanden den Wind nicht vorteilhaft. Franziska achtete nicht auf ihn, Irss ihr leichtes Seidenkleid fliegen, und hörte mit ernstem Gesicht zu, was der Mann neben ihr zu sagen hätte.

Sie ist schön geworden,** dachte er, und es war, als berührten sie seine Gedanken wie eine leise Hand, dass sie aufschaute und in seine Augen sah.

(intt der Ilolzliatisen, sagte iu einer Ecke die Frau ilesIK/irksaiutntanns.Was fällt denn dem ein, heut hierher zu kommen, er findet sich doch sonst zu schalle nir Gesellschaften.'*

Wissen Sie noch nichts? fragte ihre Nach­barin.Schöne Geschichten, die hier passieren, jowas ist doch auch mir in Afrika möglich. So gehl es meistens mit Leuten, die sich aufs hohe Pferd setzen, und ich möchte beinahe sagen: Hochmut kommt vor dem Fall." Ein hugdauerm'cs Getnschel folgte.Nicht möglich!** rief die Frau Be/irksamtmami erfreut, denn nun gab es ja end­lich mal wieder etwas Neues,sie werden sich nun wohl bald verloben. ..Und wenn sie sich verloben, rief eifrig die andere,so ändert das doch nichs daran, dass sie dass sie - nun ich kann nicht anders, ich muss es aiissprechen,

dass s j ein Verhältnis gehabt haben. Wissen Sie, ici möchte nichts erfahren, was da alles passiert ist, man erzählt sich ja die sonderbarsten Sachen, und wenn nur die Hälfte wahr ist.

Sie häite ihren kleinen Finger darum gegeben, hätte ie alles erfahren können, nun hielt sie wenigstens mit dem, was sie wusste, nicht zurück, und das Wenige war schlimm genug.Selten sie, da sieF.cn sie zusammen! Ur.d dabei setzten Sie sich zurecht, denn nun gab es zu beobachten.

I lolzhauseu war nicht grade aller Leute Freund, wie es diejenigen selten sind, die sic!) unbeküm­mert merken lassen, iLss ihnen die Mehrzahl der Menschen langweilig ist. und dass sie ohne sie atiskomtnen können. Er war an das Mädchen herangftreteu, und begrüsste sie mit einer sulchen Sicherheit, zog auch die Unterhaltung mit solcher Selbstverständlichkeit an sich, dass der gesprächige Ritter von vorher nicht anders konnte, als sich ztirückzuziehen.

Er hatte sie seil dem Abend, der ihr Geheimnis öffentlich gemacht, nicht mehr gesehen, trotzdem ir im ,ult wiciKr versucht hatte, sie zu treffen. Aal Tage ging er so oft er konnte an ihrem Hause v-Tül^r. :;:nl nichts halte er stundenlang am Stande ^ . tlet. Es war alles vergebens gewesen und um, da er »clbs; uullicli zur Klarheit ge- !our: v r, da er.zu jeder Stunde fühlte, wie teuer ihm i'.as Mädchen wurde, jetzt begann sie ihm unverständlich zu werden.

Er sah ihre Erreichen, die gross genug schien, um sie vöi g die Fassung verlieren zu lassen, und begann ihr in i einer ruhigen Weise über ganz Alltägliches zu erzählen. Sie sollte nur Zeit gewinnen, sich zurec ltfiuden.

iiir Zustand war ein fürchterlicher. Als sie ihn vor Tisch ganz unerwartet erblickt hatte, war ein grosses Entzücken in ihr erwacht. Sie hätte

auf ihn zugehen, sich neben ihn stellen mögt i, zu dem sie gehörte. Aber in diesen letzten, schlaflosen Nächten hatte sie die Krait gewonnen, sich zu bekennen, dass sie selbst Schuld an ihren Schicksal hatte, dass man ein Mädchen wie so nicht heiratete. Er hatte sie sicherlich gern, aber für seine Frau begehrte er eine andere, eine, die ganz rein zu ihm kam, die sich nicht heimlicn mit ihm geküsst hatte, nicht zu denken an d \ was sich bei ihrem letzten Zusammensein zu- getragen hatte, und was sie beim Zurückdenken immer wieder mit Entsetzen eriflllte.

Ihr geängstigter Blick flog über die geputzten, schwitzenden Menschen um sie her, und i-ir war, als sähen aller Augen auf sie, mit Blicken, dreister als sie jemals gewesen. Nicht weit v>»:i ihr schritt ihre Schwester vorüber. Noch hatte man zu Hause nichts zu ihr gesagt, aber sie hatte schon gestern zu merken geglaubt, dass ihr Ge­heimnis auch hier bekannt geworden war. Wenn das alles doch erst vorüber und sie auf dem Schiffe wäre, das sie forttrug!

Sie hörte seine freundliche, beherrschte Reiie, antwortete einer Frage, die er an sie richtete, sah auch einmal zu ihm auf, aber es war, als wäre sie weit lort, als wäre alles in ihr erstorben: sie fühlte nur noch eine grenzenlose Sehnsucht nach Ruhe. Nein, sie konnte nicht mehr, >.« wollte auch nicht, und wandte sich ab, un Hilie zu suchen. Lenchen Knopf tauchte in ihrer Nähe auf.

Er hatte die Abwehr wohl bemerkt und einen Augenblick schoss es ihm durch den Sinn. h sie wohl launisch wäre. Aber ganz gleich. Sl ' einfach sollte sie ihm nicht entwischen.

Kann ich Sie morgen sprechen? fragt* er kühl.