die Verhältnisse auf der hiesigen Post kennt, an solchen P^stausgabetagcn auf die Beamten Rücksicht nimmt und die eigenen Postsendungen pp. auf einen gelegeneren Tag verschiebt.
Aber auch an anderen wie gerade an Europaposttagen scheinen die vorhandenen Postbeamten übergenug zu tun zu haben, denn fast jeden Abend sind die Diensträume der Post noch bis zu später Stunde erleuchtet und man sieht die Beamten an ihren Tischen arbeiten, was wohl bei keinem anderen Beamten in Tanga, der im allgemeinen nur seine 6 bis 7 Stunden am Tage zu arbeiten braucht, Neidregungen erwecken dürfte.
Eine Vermehrung des Postbeamten-Personals sowohl wie die Schaffung angemessener Postdiensträume erscheinen also nicht allein im Interesse der Reichspostverwaltung hier für Tanga wünschenswert, sondern können von dem Publikum zu dessen schnellerer Abfertigung bezw. zwecks Sicherstellung des Postgeheimnisses direkt verlangt werden.
Noch weniger schön liegen die postalischen Verhältnisse auf verschiedenen Postämtern des Innern, vor allem an der Usambarabahn, wo trotz der verhältnismässig starken umwohnenden europäischen Bevölkerung doch nur indische Beamte die postalischen Geschäfte besorgen. Dort ist, wie z. B. in Korogwe, die Wahrung des Post- und Telegraphengeheimnisses sowie eine zuverlässige Postbesorgung in Anbetracht der Verhältnisse und der Qualität der Beamten eine besonders schwierige, und die betreffenden Beamten geben sich, wie jüngst ein Fall in Korogwe cs beweist, (s. „Korogwe- Mombo“) scheinbar auch keine Mühe, oder verstehen nicht, jenes zu wahren und die Post, so wie es sich gehört, zu besorgen. In Korogwe und Mombo vor allem sollte der Postdienst von einem zuverlässigen, europäischen Fach beamten versehen werden, die vorgeschrittene Entwickelung gerade dieser Distrikte verlangt das, und die Reichspostbehürde darf nicht von dem Grundsätze ausgehen, dass sich jene Fachbeamtenstellen mit Sicherheit auch rentieren müssen, damit sie eingerichtet werden. Sie sollte hierbei von demselben Prinzip ausgehen, welches jetzt fortan hoffentlich der Staat bei unseren Bahnbauten befolgt, nämlich zuerst das gute Verkehrsmittel bezw. die gute Verkehrsmöglichkeit schaffen und dadurch den Verkehr heranzichcn, und nicht umgekehrt.
Dagegen, dass die Postbehörde, wo sie die Gelegenheit hat, aus Sparsamkeit auch europäischen Beamten im Nebenamt den Postdienst überträgt, lässt sich nichts sagen. Aul' den Ämtern in Wilhclmstal, Wugiri und Amani hat man durchaus gute Erfahrungen mit jenen Beamten gemacht, die ihren Dienst prompt und gewissenhaft versehen, aber doch wird sich, wie schon jetzt in Amani, die Notwendigkeit der Heranziehung eines Fachbeamten bei diesen Ämtern nach und nach ergeben.
Zum Schluss unseres Artikels wollen wir auch noch die Bitte an das Publikum richten, doch die Postbehürdc bei ihren Bestrebungen zur Verbesserung und Sicherstellung des postalischen Verkehrs, wie sie hier in den Nordbezirken unter der neuen Post-Direktion hoffentlich demnächst einset- zer. werden, nach Möglichkeit zu unterstützen.
Wenn die Postbehörde die oben geäusserten Wünsche der Allgemeinheit berücksichtigt und vor allem die fühlbarsten Mängel schnell abstellt, so wird, wenn auch das Publikum Hand in Hand mit dem Wirken der Postbehörde geht, schnell das bisher Versäumte nachgeholt und auch das in der Kolonie ebenso wie zu Hause wichtigste staatliche Institut in der Lage sein, mit seinen Einrichtungen ständig gleichen Schritt mit der sonst so raschen Entwicklung des Nonlens unserer schönen Kolonie halten zu können. —
Zur Methodik des Ackerbaues in 1 Deutsch Ostafrika.
In einem im Deutschen Kolonialblatt veröffentlichten Artikel stellt Dr. W. Busse eino vergleichende Betrachtung
zwischen der Methodik des Ackerbaues in Deutsch-Ostafrika und der in Vorderindien an und geht dabei von der Ansicht aus, dass unsere Kolonie diejenige ist, welche in ihren natürlichen Bedingungen die grösste Verwandtschaft mit Vorderindien aufwiese. Er tritt vor Allem für die Hebung der Produktion der eingebornen Völkerschaften ein und steht auf dem Standpunkt, dass die wirtschaftliche Zukunft dieser Länder, also auch Deutsch-Ostafrikas auf der Eingeb or- ncn-Produktion basiert ist. Das hätte sich überall dort erwiesen, wo durch Schaffung moderner Verkehrs- und Transportmittel und dadurch bewirkter Vermehrung der Absatzmöglichkeiten die landwirtschaftlich begabten Stämme zur Ausdehnung ihres Ackerbaus angeregt wurden. Weiter schreibt Busse: „In vorher nie geahntem Umfange weckt der Pfiff der Lokomotive schlafende Kräfte aus afrikanischer Erde, hebt der Verkehr mit Schienenwegen latent ruhende Werte.“
„Aufgabe einer geschickten Verwaltung ist es, die landwirtschaftlichen Betriebe neu erschlossener Länder beizeiten zu vervollkommnen und den gesamten Anbau in moderne Bahnen zu lenken“. „Die Forderung, in dieser Richtung tätig vorzugehen, den Neger-zum Produzenten zu erziehen, ihm zu zeigen, wie man den Ackerbau nicht nur zum Zwecke der eigenen Ernährung, sondern auch als Gewerbe betreibt, ist selbstverständlich in erster Linie eine wirtschaftspolitische. Hier treffen sich auch die Interessen der kolonisierenden Nationen mit denen der produzierenden Völkerschaften.“
Schliesslich empfiehlt der Verfasser, in aussichtsvollen Produktionsgebieten die Schaffung einer landwirtschaftlichen Kulturstelle als Basis für die Schulung und Unterweisung der Eingeborenen zu schaffen. —
Auch wir vertreten den Standpunkt, dass eine Hebung der Eingeborenen-Produktion für die Zukunft erstrebenswert ist und dass diese durch die Schaffung moderner Verkehrsund Transportmittel schnell gefördert werden kann, dass aber die wirtschaftliche Zukunft unserer Kolonie auf der Eingeborenenproduktion basiert, und dass es deshalb das Richtigste ist, diese vor Allem mit staatlichen Mitteln zu fördern, können wir nicht unterschreiben. Der deutseb-ostafrika- nischc Neger steht, selbst wenn er zum Ackerbau Talent besitzt, noch lange, lange nicht auf dem kulturellen Standpunkte, wie der an und für sich schon intelligentere weit in der Civilisation vorgeschrittene Inder. Jeuer wird trotz aller staatlichen Bemühungen und Opfer den Wert des Ackerbaues in seiner Grösse so bald nicht erkennen, während dies dem Letzteren ein leichtes gewesen ist.
Wir sollen hier aber danach streben, unsere Kolonie schnell nutzbringend und unabhängig vom Mutterlande zu machen; dies werden wir aber vorläufig nicht mit dem Forcieren von Eingebornenkulturen und der landwirtschaftlichen Schulung unserer Schwarzen erreichen, sondern nur durch eine ausgiebige und schnelle Verwertung des zur Verfügung stehenden Bodeus für europäische landwirtschaftliche Unternehmungen und zur Ausnutzung des Negers als Arbeiter auf diesen Betrieben. Damit wird die Basis für die wirtschaftliche Zukunft unserer Kolonie geschaffen sein. —
Se. Königliche Hoheit Prinz Friedrich Heinrich von Preussen traf gestern früh an Bord des Gouvernementsdampfers „Kaiser Wilhelm H“ von Mombassa kommend in Tanga ein. Der stellvertretende Bezirksamtmann Herr Dr. Nötzcl begab sich zur Begrüssung des Prinzen gegen 9 Uhr Vorm, an Bord. Gegen Mittag unternahm Se. Königliche Hoheit in Begleitung des Bczirksamtmanns sowie des stellvertretenden Kommandeurs der Schutztruppe Major Johannes einen Spaziergang durch die Stadt. Abends erfolgte die Weiterfahrt des Prinzen nach Zanzibar. —
