Usambara
Unabhängiges Organ für die wirtschaftlichen Interessen von Deutsch-Ostafrika
und „Küstenbote vom Norden“.
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Nr. 6 . TAIGA, (len
* Die postalischen Verhältnisse in den Nordbezirken.
Die postalischen Verhältnisse in Tanga wie überhaupt in den von Europäern bereits so stark bevölkerten Nordbezirken der Kolonie haben leider mit der sonst so schnellen wirtschaftlichen Entwickelung des Nordens nicht gleichen Schritt gehalten, sie entsprechen jedenfalls nicht mehr den Bedürfnissen und Anforderungen, welche insbesondere das europäische Publikum unserer Nordbezirke in dieser Hinsicht hat, bezw. an die Reichspostverwaltung stellen kann.
Ob die eigentlich schon seit Bestehen unserer Kolonie auffällige Tatsache, dass in postalischer Beziehung in unseren Nordbezirken nur wenig Vorwärtsschreiten bemerkbar und vorhanden ist, ihren Grund vielleicht auch darin hat, dass seitens des Publikums hier bislang keine lauten Klagen darüber geführt sind und deshalb Verbesserungen der Reichspostbehörde nicht notwendig erschienen, ist möglich. Dieses Fehlen lauter und offizieller Beschwerden sollte doch aber die Postbehör Je nur der höflichen Rücksichtnahme des Publikums zuschreiben, das in der richtigen Erkenntnis der dienstlichen Cberlastung der vorhandenen Beamten weniger Ansprüche an die Post stellt, und bei Fehlern, Versehen und zu langsamer Bedienung ein Auge zudrückt. Jedenfalls erscheint es uns jetzt einmal an der Zeit, öffentlich auf die hier im Norden bestehenden Mängel in postalischer Beziehung hinzuweisen und damit der Reichspostbehörde in Daressalam und daheim den Glauben zu nehmen, dass, da von hier keine grossen Beschwerden einlaufen, alles in bester Ordnung ist. Wir verlangen — und können auch verlangen — eine Berücksichtigung der schnellen wirtschaftlichen Entwickelung der Nordbezirke, auch seitens der Reichspost Verwaltung, und legen derselben die Erfüllung der berechtigten Wünsche des Publikums hier, vor allem aber die Abstellung der bestehenden Mängel dringend ans Herz, die natürlich in das gesamte Verkehrsleben hier hemmend eingreifen.
Bereits in der letzten Generalversammlung des Wirtschaftlichen Verbandes der Nordbezirke wurde auf mehrere Mittstande, vor allem auf einzelnen Postämtern an der Usam- barabahn hingewiesen, wir kommen später darauf zurück, wollen jetzt jedoch mit Tanga beginnen.
Das Kaiserliche Postamt in Tanga, auf welchem der direkte und Durchgangsverkehr fast ebenso gross ist, wie
6. Juli 1907. 6. Jahrgang.
! in Daressalam, — das bekanntlich ein schönes neues, mit I angemessenen Diensträumen versehenes Postgebäude besitzt, | — besteht schon seit Anbeginn aus einem älteren, mehrmals | renovierten Hause, in dessen unterem Parterreraum sich der ! gesamte Postdienstbetrieb von Tanga abwickelt. Hier wird j Schalterdienst, Expedition, Korrespondenz, Telegraphie usw. usw. besorgt, nur das Telephon hat zuf Benutzung des Publikums noch einem kleinen abgeschlossenen Raum, in dem jedoch auch ein Beamter arbeitet, sowie einen kleinen Schaltervorraum. — Es erscheint natürlich gänzlich arssre- ' schlossen, dass unter diesen Raumverhältnissen den Beamten ■ eine bequeme Arbeit ermöglicht ist, vor allem aber die an- ! gestrebte Wahrung des Postgeheimnisses zur Durchführung ; gelangen kann, denn wer einmal mit dem Postvorstand dienstlich zu sprechen hat oder telephonieren will, muss notgedrungen — vor allem an Posttagen — über die hunderte den ganzen Fussboden bedeckenden Pakete und Briefe hinweg stolpern, sieht deren Adressen und kann sich auch die gesamten dienstlichen Gespräche mit anhören. Der gesamte interne Dienstbetrieb der Post spielt sich also vor den Augen des Publikums ab, was doch jedenfalls nicht im Sinne ! der Reiehspnstverwaltung liegt.
Aber nicht allein die Räumlichkeiten sind für den Betrieb zu klein und nicht zweckentsprechend eingerichtet und aus- | gestattet — wir erinnern nur an die mangelhafte Beleuchtung des Schalterraums, die ein Adresscnlesen an Postaus- ; gabeabcndeu unmöglich macht — sondern das Beamtenper- | sonal ist unseres Erachtens nach viel zu knapp bemessen, I wodurch auch das Publikum, das eine schnelle und zuverläs- ! sige Bedienung verlangen kann, benachteiligt wird. An i Tagen, an welchen Europapost zur Ausgabe gelangt, wo aber auch viel Dampferpublikum sich in Tanga aufhält und postalisch bedient werden will, können die vorhandenen Beamten | ihre Arbeit sicher nicht so schnell und gut bewältigen, wie es notwendig erscheint. Der eine Schalterbeamte hat ausser I diesem schweren und grosse Aufmerksamkeit erheischenden | Dienst, bei dem er englisch, französisch und holländisch radebrechen muss, auch noch die Sortierung pp. der einge- ' gangenen Post mit zu besorgen, was sich sicherlich sehr schlecht zusammen machen lässt und natürlich auch dazu j beiträgt, dass das Publikum nur sehr langsam abgefertigt ' werden kann und spät seine Post empfängt. Dabei ist noch . in Betracht zu ziehen, dass vor allem jeder Tangaer, der
