Zeit können sieh weises Ansiedler, die Weideland haben wollen, absolut nicht über zu grosses Entgegenkommen seitens des Bezirksamts beklagen. Gewöhnlich heisst es, man solle sich am Grabenrand, in Iraku etwas anssuchen, grade als ob man die Weissen, die doch für ihre Wirtschaftsweise in erster Linie die kommende Bahn benötigen, möglichst weit von dieser weg haben will. Erst jetzt ist wieder der Bezirks­amtmann ins Innere gereist, um Land für Ansiedler ab- sustecken, aber warum in der Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt. Man kann es ja den Beamten nach­fühlen, wenn ihnen schwarze Ansiedler, die still ihren Geschäften nachgehen und zu allein" ndio bwana mkubwa, sagen, lieber sind, wie weisse Ansiedler, die manchmal auch ihre eigene Meinrng zur Geltung bringen wollen. Aber du lieber Himtnrl, am Schluss sind wir doch in einer deutschen Kolonie, und ist doch das Land nicht nur für die Beamten da, sondern |umgekehrt.

Oben war schon erwähnt worden, dass die Militärver­waltung sich diese ehemaligen Askaris für den Fall eines Auf­standes als eine Art Reserve sichern wollte. Es ist nun schon des öfteren darauf hingewiesen worden, dass diese entlassenen Askaris in einem Aufstand zu den Gegnern über­gehen könnten, wodurch dieser in seiner Widerstandskraft ganz erheblich gestärkt würde. Bisher ist der Fall ja noch nicht vorgekommen, aber er wird mit Sicherheit eines Tages eintreten, da ja die Askaris immer mehr den Stämmen Deutsch-Ostafrika's entnommen werden, und wir durch eine schwächliche Eingeborenenpolitik dafür sorgen, dass uns eines Tages die ganze Negerbevölkerung als eine geschlossene feindliche Masse gegenübersteht. Aufstände werden ja wahr­scheinlich in der allernächsten Zeit hier im Norden wohl nicht zu erwarten sein, da dos ganze Land zur Zeit infolge der Bahnbauten und der schnellen wirtschaftlichen Entwick­lung vieler Gebiete (durch die Arbeit der europäischen Wirt­schaftler) im schnellen Aufschwung begriffen ist, sodass der Eingeborene kaum zur Besinnung kommt vor der übermächtig auf ihn hereinstürzenden europäischen Kultur. Aber was nicht ist, kann noch werden, denn schwarz wird immer ge­gen weiss sein, und nur eine vernünftige strenge und gerechte Behandlung der Eingeborenen im Verein mit einer dichten Besiedlung mit Deutschen (für die wieder Bahnen Vorbedin­gung sind) kann uns diesbezüglich vor Überraschungen schützen. Die Schwarzen haben das Land seit Jahrtausen­den gehabt und nichts mit ihm anzufängen gewusst, da ist es Zeit, dass eine andere Rasse die Kulturaufgaben erfüllt, diebisher unterlassen wurden."

Der Standpunkt des Herrn Einsenders ist zweifellos ein richtiger, insbesondere in bmig auf das Bedenkliche beson­derer Wirtschaftler Stärkung oder gar. Bevorzugung alter aus­gedienter Askaris gegenüber europäischen Siedlern, iu der Absicht, jene als zuverlässige Reserve bei Aufsländen stets zur Hana zti haben» Auch w i r sind der Ansicht, dass die deutsche Schutz- und Wehrkraft in der Kolonie auf die Dauer und sicher nur durch eine dichte deutsche Besiedlung gehoben werden kann, dass cs also abgesehen von allen nationalen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die eine Förderung deutscher Besiedlung verlangen, schon zu unserer Selbsterhaltung und zur Fnndierung unserer Herr­schaft notwendig ist, wenn wir das Land mit Angehörigen deutscher Nation übersäen und diese wirtschaftlich stärken. Auf das farbige uns jetzt befreundete Element in der Ko­lonie selbst auf alte ausgediente und bewahrte Askaris können wir uns nie fest verlassen und fälsch ist cs, aus der wirtschaftlichen .und. militärischen Stärkung solcher Elemente eine Erhöhung deutscher Wehrkraft für die Zeiten grosser Landesgefahr folgern zu wollen.

, Einseudnngen. *

^ Zum ArtikelEingeborenen-Problem. Uns wird geschr ieben:Wenn wir verpflichtet sind, die Verord-

* Die Einsendungen gelangen an dieser Stelle znm Abdruck, auch wenn die darin mwgpdr ückten Ansichten eich n ? cht mit der un*o r m decken. d. Bed.

nungen einzuhalten, dann hat die Regierung die Pflicht, die Personalkontrolle über das ganze Land einzuführen, und die­selbe durch Reorganisation der Polizei zu überwachen, und zwar gerade so, wie in den englischen Kolonien. Tut die Regierung dies, daun können wir die Verordnungen einh&lten und nicht zu unserem Schaden. Personalkontrolle heisst: erstens muss ein jeder Schwarzer einen Personalpass haben, ohne welchen er nicht ohne Strafe leben kann, zweitens muss er, wenn er irgendwo hingeht, z. B. in einen anderen Bezirk, sich einen Pass vom Bezirksamt holen, welcher seine Reise angiebt und die ungefähre Dauer derselben. In den englischen Kolonien hat der Schwarze für seinen persönlichen Pass sowohl, als auch für jeden Reisepass 1 Schilling zu zah­len. Also Auslagen hat dann unsere Regierupg keine, wenn sie das Passsystem einführt, sondern nur Verdienst* selbst wenn sie es billiger tut Die Kontrolle, welche unter den ausässigen Schwarzen im Küstenbezirk sowohl, als auch im Innern, von den Jumben und Sultanen ausgeübt wird, ist keine Kontrolle, weil sie nicht überwacht werden kanu. Blechmarken einzuführen als eine Art Pass, halte ich für nicht genügend. Wir wollen gründlich Ordnung haben, wie in den englichen Kolonien. Ob der Schwarze seinen Pass bei der Regenzeit aufv eichen lassen will oder nicht, ist ganz seiue Sache. Er w -iss, dass der Pass Geld kostet und wird deswegen schon aufpassen, umsomehr, da er ohne den­selben Gefahr läuft, von dem ersten ihm begegnenden Polizisten gefasst und hinter Nummer sicher gebracht zu werden. Die Wasohambaa z. B. haben ihre Arbeitskarten und wissen sich ganz schön Täschchen aus Ziegen-, Schaf- oder Rinderhaut zu machen, um dieselben hineinzustecken. In diesen regensicheren Täschchen, welche sich alle Schwarzen machen können, haben auch die Pässe Platz geuug. Ganz einfach sind die Mittel, welche hier zum Zweck führen. Eine grosse Aufgabe hat nach Einführung dieser Pässe die Polizei, da selbige die Kontrolle derselben ausfübren muss. Vor dieser Kontrolle auf Weg und Steg darf dann kein Schwarzer sicher sein, nicht blos bis Ordnuog im Land ist, sondern auch noch nachher. Allerdings braucht man dann überall einige weisse Polizisten mehr, aber diese Ausgaben werden durch die Einnahmen für Pässe leicht gedeokt. Es versteht sich von selbst, dass diese Polizeiorgane nicht zu Haus sitzeD dürfen, sondern die meiste Zeit wohl im Sattel zu sitzen habcu, denn sonst hätte die gauzc Sache keinen Sinn und Zweck und würde auch keine Ordnung schaffen. Den Wanyamwezi und Wasukuma etc. etc. muss es z. B. ganz frei sieben, sich in Tubora oder sonst wo einen Reise­pass zu holen und dann loszuziehen, wohin immer sie wollen« Arbeiteranwerber sind dann im eigentlichen Sinuc überflüssig, d. h. ein jeder v?n einer. Plantage geschickter Schwarzer kann dann gerade so gut Leute anwerben, wie ein Weisscr. So muss es sein. Es davf nicht soweit kommen, dass sich irgend jemand durch evtl. Kaution das Monopol sichert über alle Arbeiteranwerbung, denn dann sind alle kleineren und mittleren Betriebe, wenn nicht auch grosse, geliefert, und das Schlimmste dabei Ist, den schwarzen Arbeitern ist nicht geholfen. Was man anderweitig kann, wird man auch hier können. Wir wollen ja blos Ordnung haben, sonst nichts. Gegen die Verordnungen sind wir nicht, sondern verlangen blos das, was uns in den Stand setzt, dieselben auch ein- halten zu können. Ich glaube nicht, dass uns dies jemand verdenken wird, zumal dieses Kontrollsyatem in anderen Ko­lonien gehaudhabt wird, also somit weder etwas Neues, noch Unbilliges ist. Hoffen wir) dass man zu dem A der Ver­ordnungen von Seiten der Regierung.auch noch B sagt, dann kann es wieder Ruhe und Zuversicht geben in unserer Ko­lonie, wc 1 dann Allen die Möglichkeit gegeben wird, die Verordnungen einzuhalten. Und selbst den Schwarzen wird es daun besser ergehen, als jetzt. F.

Goavertteiueutsnts»itzniig,

Wie uns mitgetcilt wird, findet die nächste Sitzung des Gouvernemcntsrats vom 19. bis 21. Juni in Daressalam statt.-