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„Küatanbot« vom Norden"
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Erscheint jeden Sonnabend
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HoflmchhändW Sr. Königl.
i: Wilhelm SUsserott,
Rp. 2 resp. Mk. 2^50.
Nr. 15.
TANGA, den 16. April 1910.
9. Jahrgang.
* Leben und leben lassen.
Sämtliche deutschen Spiesser an allen Stammtischen „von der Maas bis an die Memel" sind einfach baff! Da hat man nun sein ganzes Leben lang über die deutschen Kolo- i nien geschimpft, und über die „Wüsten" und die „Streusand- ! Plantagen" seine liebgewordenen Witze gerissen und dann musste man es zuerst erleben, dass in den Wüsten geradezu ungeheure Diamantenschätze steckten und nun kommt noch dazu, dass auch die Streusand-Plantagen etwas zu Tage fordern, was man an und für sich ja gleichfalls sehr wohl zu schätzen weiss, nämlich: Geld! Da soll denn das Donnerwetter dreinschlagen! Eben hat man sich erst mit den ver-trackten „Südwestern" im Reichstag herumschlagen müssen, weil sie mit aller Gewalt anstatt der 8 Millionen der „Regie-Gesellschaft" gleich das ungefähr zehnfache als freiwillige Jahres-Beisteuer zu den bis zur Schwermut beklagten „Kolonie-Kosten" auf den Tisch des Hauses niederlegen wollen, und nun hört man auch von Deutsch-Ost, dass dort der Verkauf einer der „ollen" Plantagen, die bisher keinen roten Pfennig an Dividende brachten, gleich die hübsche runde Summe von drei Millionen Mark als Barerlös erzielte. Und nicht genug damit, nein, auch noch so ein vielbespöttelter Ansiedler, ein sogenannter „self-made-man", ja ein ehemaliger „kleiner Schreiber" des Gouvernements — wie es in den Blättern steht — hat gleichzeitig für seine „Gummikiste" — gewiss ein Gegenstück zu der sattsam bekannten „Dattelkiste" — sage und schreibe: neunmal- hunderttausend Mark in bar eingeheimst! Und dieses viele Geld haben auch noch die Herren Engländer hergegeben, die doch eigentlich wissen müssen, was der „Kram" weil ist. Das ist doch stark! Ist man denn die ganze liebe, lange Zeit hinters Licht gesetzt worden? Aber man erholt sich allmählich wieder von dem „Baffsein" und schimpft selbstverständlich von neuem, aber nun auf die Engländer, die sich die grössten Rosinen aus den bisher, für dag Philistertum unsichtbar gewesenen und darum noch gar nicht angeschnittenen Kuchen holten, und auf die Gesellschaft, wie auch auf den „self-made-man", die diese,allerdings selbstgezogenen Rosinen, für das sonst auch zu Hanse als „sehr gut" bekannte, englische Geld hingaben! Die Kommentare zu diesem Geschäft sind wirklich rührend, aber man vergisst ganz, dass auch diese Angelegenheit noch eine andere Seite hat. Gewiss, es ist nicht ohne weiteres gleiehgiltig, wer die Besitzer dn r V . n • p V O f *’ 1 .• 1 Vu«-
ter-Kautschuk-Plantagen in Lewa und Muhesa sind, auch uns nicht, aber mit hoher Genugtuung ist es unserer Auaie^* hierbei Hoch vor allem zu begrüssen, dass der Weit <i# r d« rt geleisteten Arbeit endlich auch für deren Schöpfer einen befriedigenden Erfolg gebracht hat. Die Deuts^h-Ostafrika- nische Plantagen Gesellschaft, die älteste Untern oh mang ihrer Art in der Kolonie, hat zu den Kosten der „Experiment tor- Zeit" die höchste Quote beigetragen und Herr Zchaetzsch ist in der Art seines Unternehmens geradezu ein Bahnbrecher für die Entwicklung des Nordens der Kolonie gewesen! Es sind also sozusagen zwei unserer ältesten K u 11 ti r-Fa k t o- ren, die jetzt eine gewiss wohlverdiente Prämierung erhielten. Dass es Engländer sind, die diese Leistungen, und zwar sicherlich nicht zu ihrem eigenen Nachteil, zu würdigen verstanden, ist nur insofern zu bedauern, als sich deutsches Kapital diese Gelegenheit, die geschaffenen Anlagen zum vollen Werte anzuerkennen, kurzsichtiger Weise entgehen lies9.
Für das koloniale Wirtschaftsleben ist die Tatsache dieser gewinnbringenden Verkäufe in unserem Bezirke ein geradezu unschätzbares glückliches Moment, das auf alle Unternehmungen auf dem Gebiete der Gesellschafts- und Einzelunternehmungen in der Kolonie von den allerbesten Folgen zu sein verspricht und dessen wir uns darum aufrichtig freuen können. Voranssetzen wollen wir dabei nur, dass sowohl die Deutsche Kautschuk-Plantagen-Gesellschaft wir auch Herr Zschaetzsch den Willen haben, die umgesetzten Werte wenigstens zum Teil weiter zu neuen wirtschaftlichen Schöpfungen innerhalb der Kolonie zu verwenden. Sowohl der Gesellschaft, wie auch Herrn Zschaetzsch können wir Ost-Afrikaner dann nur unsere besten Glück wünsch*» zu ihren materiellen Erfolgen entgegen- bringen. Es mög.* uns dabei gestattet sein, festzustellen, daß es in unserer Kolonie wohl eine ganze Reihe an der Spitze grosser, gut prosperierender Unternehmungen stehender Leute gibt, die einstmals dem sehr ehrenwerten Stande der „kleinen Gouvernements-Schreiber" vorübergehend angehörten, dass aber die koloniale Laufbahn des Herrn Zschaetzsch immerhin eine abweichende hiervon gewesen ist. Herr Zschaetzsch ist unseres Wissens erstmalig als Beamter des ehemaligen Anti-Sklaverei-Komitees ins Land gekommen, hat sich dann als selbstständiger Händler in dem Sccu-Gebictc betätigt, ist dann heimgereint, um seiner Militär-Dienstpflicht
