des damaligen Obersten Liebert zum Gouverneur von Deutsch OsUfrika im Jahre 1897 war das gesammte Gebiet bis auf die noch wenig erforschten und ausnehmend reich bevölkerten Sultanate im nord-westlichen Teile zwischen dem Tangar.yika und dem Viktoria-Nyanza so ziemlich unter Bot- mässigkeit gebracht und auch die Macht der arabischen Sklavenräuber uud der durch jene gezeitigten politischen Gegenströmungen gebrochen. Was zu tun noch übrig geblieben, ist unter Gouverneur von Liebert nicht minder energisch und erfolgreich, wie durch seine Vorgänger von Scheie und Herr- man von Wissmann baldigst zu einem glücklichen Ende gebracht worden. So vor allem die völlige Pacifiderung Uhe- he’s durch Hauptmann Prince. In diesem Stadium konnte die Kolonie für eine intensivere wirtschaftliche Erschliessung wohlvorbereitet und geeignet gelten. Zu diesem Zwecke wären die Durchführung der vom Gouverneur energisch geforderten Bahnbaoten und die desgleichen angestrebte Besiedlung des hierzu geeigneten Landes durch Deutsche, die dienlichsten Massnahmen gewesen, zumal die bislang betriebenen Plantagen- Unternehmungen, die sich ausschliesslich auf den Kaffeebau in den Usambara- und den Ulugura-Bergen stützten, die Erfolge immer noch vermissen Hessen, so dass sich eine aussichtsreiche Zukunft der Kolonie auf Grundlage der Planta- genkuitur damals kaum aufbauen liess. Weder die Bahnpläne, noch die Besiedlungsabsichten des Gouverneurs fanden Förderung und Verständinis bei den massgebenden Faktoren in der Heimat Besonders die Arbeit der wenig kolonial-freundlichen Parteien des Reichstages oeschränkte sich damals bekanntlich auf kleinliche Kritik uud öde Nörgeleien aller kolonialen Vorgänge uni Bestrebungen, und auf Klagen über die Reichs- Zuschüsse für die Kolonien, die lediglich als Last empfunden wurden. So musste auf andere Weise ein Voiwärtskommen des Landes erstrebt u erden, um cLr Kolonie über das eingetretene latente Stadium ihrer Kräfte hinwegzuhelfen. Das sollte geschehen durch Erschliessung des Landes mittelst Wegebauten, denen alle Bezirksämter und Militär-Station auf Grund eines wohlerwogenen Wegebau-Programmes ihre Kräfte widmen sollten. Aber hierzu waren Geldmittel nicht vorhanden und ebensowenig zu entbehren. Darum hiess es eigene, Einnahmequellen in der Kolonie zu erschliessen. Das konnte nur durch Steuern geschehen, als deren subjektive Träger mangels einer erwerbskräftigen weissen Bevölkerung einzig und allein die Eingeborenen in Betracht kameu, und die auf Grund der in der bisherigen Entwicklung eingetretenen Wandlung in den Er- weibs- und allgemeinen Wirtschaftsverhältnissen für eine direkte Besteuerung allerdings auch reif erscheinen mussten. Der Handel hatte sich stetig aufwärts entwickelt, das bewies der gesteigerte Karawanen-Verkehr im Lande, der mancherlei Artikeln der Natur-und Eingeborenen-Produktion teils einen ganz neuen, teils einen erhöhten Wert verliehen. Das einzige als Anhaltspunkt für eine Besteuerung in Betracht kommende Besitz-Objekt von relativ fest und unveränderlicher Form war die mehr oder minder primitive Behausung bei den Eingeborenen. Daraus ergab sich nach anderweitigem Vorbilde auch für Deutscb- Ostafrika die Hüttensteuer als die einfachste und zweckdienlichste Art der ersten direkten Besteuerung. Sie bot gleichzeitig die Möglichkeit, auch die wenigen Europäer in gleicher, nur entsprechend höherer Weise zu direkten Abgaben heranzuziehen.
Teil II folgt in nächster Nonanier
- Die Gründung der „Kanana Rubber Estate Ltd.“
Wie unsere Leser bereits wissen, erfolgte io. letzten März in London die Gründung der Kamna Rubber Estate Ltd. Es gehören dazu die Pflanzungen Kwamhanja, Macheraba und Pembini.
Über die Art der Gründung dieser Gesellschaft finden wir nun in dem englischen Blatt „The Investor“ einige recht betrübe, de Mitteilungen, die auf jeoe Gründungsart ein recht hässliches Licht warfen. Es heisst dort unter anderem: „Der Beauftragte K. war in deu Besitz einrr Gumrni-
phmtage in Deutsch Ost-Afrika und zwar von geringem Werte gelangt Da derselbe nun einen Bericht über diese Plantage haben musste, nm eine Gesellschaft zu gründen, so fragte er bei der Firma H. A Co. an, ob sie erlaube, dass ihr Expert, der damals in Deutsch Ost-Afrika sich aufhielt, jene Plantage besuchen und einen Bericht über dieselbe machen könne. K. vergass jedoch zn bemerken, dass es sich hierbei darum handelte, einen möglichtst guten Bericht zu machen und nicht einen richtigen Bericht Das Resultat war, dass nach einem erfolglosen Versuche von Seiten des K., den Experten Mr. L. zu veranlassen, den von ihm gemachten ungünstigen Bericht nach vorgeschriebenen Details abzuändern, die Sache in Loudo.i vor Gericht gebracht wurde, da K. sich weigerte, der Firma des Experteo den für den Bericht festgesetzten Betrag zu zahlen.
Nun fand sich jedoch ein anderer Expert für K. A Genossen bereit, einen guten Bericht unter möglichst günstiger Bewertung der Plantage zu erstatten. Aus dem Bericht sei folgendes mitgeteilt:
The Kamna Rubber Estate Ltd.
Office II Ironmonger Lane, London E. C.
Kapital: Pfd. 110,000.—, Pfd. 1 Aktien mit einer Pra- m.e während des Gummi-Booms. Verkaufspreis Pfd. 65,000.— (von den ursprünglichen Besitzern waren die Pflanzungen für nur circa Pfd 10,000.— gekauft — die Red.) in Kassa und nur Pfd. 1000.— in Aktien. (Das Verhältnis des Baarbe- trages zu den Aktien im Kaufpreise ist hierbei besonders bemerkenswert): Als weitere Kaufkommission wurden Pfd. 10,000.-- in Aktieu gegeben, von denen K. Pfd. 2600.— zugeteilt wurden.
Die Basis des Berichts des neuen Experten Mr. T. H. R. war folgende: Geschätzte Produktion in:
1910 . . . 100,000 Pfund engl. Netto Profit Pfd. 15,000.—
1911 . . . 200,000 .: 25,000.-
1912 . . . 300,000 . 30.000.—
1913 . . . 400,000 . 40,000 —
Der geschätzte Wert der Plantage ist Pfd. 80,000.— Hie-
gegen steht der Bericht des ersten Experten Mr. L., wonach der geschätzte Netto-Profifc für 1910 Pfd. 1500.—, für 1911 Pfd. 2000.— und für 1912 Pfd. 3250.— beträgt
Mr. L. sagte in seinem Bericht, dass die Bäume der Pflanzung überzapft und die Plantage in sehr schlechtem Zustande sei und dass es einer sehr guten Verwaltung bedürfe, um die vou ihm geschätzten Profite zu erzielen. Von Mr. L. wurde der Wert der Plautage auf Pfd. 7750.— geschätzt. Nachdem Mr. L. diesen Bericht telegraphisch na.h Hause gesandt hatte, erhielt er folgendes Telegram:
„Folgendes ist streng privat haben mit den Käufern ar- rangirt, dass Sie Bericht widerrufen und wie folgt sagen: Habe wiederholt geprüft mit folgendem geändertem Resultat: 600,000 Bäume, ich schätze die Produktion auf 150,000 Pfd. nächstes Jahr, jährlich steigend zu 300,000 nnd 450,000 Pfd. Boden- und Aibeiterv^rhältnisse zufriedenstellend. Ich taxiere den Wert nicht weniger als 3/— per Baum. Es sind keine Schwierigkeiten.“
Dieses Telegramm hatte jedoch nicht den gewünschten Erfolg, da Mr. L. sich weigerte, seinen Bericht zu ändern, und so kam denn der neue Expert Mr. R. mit seinem Bericht an die Reihe, wonach die Pflanzung auf Pfd 80,000. Wert geschätzt wird, gegen die Pfd 7750. des Mr. L.“
Das Blatt „The Investor“ bemerkt nuo unter anderm noch folgendes: „Wir möchten deu Direktoren der Kamna Co. den Rat geben, noch folgende Punkte in zufriedenstellender Weise zu erklären, um ihre Gründung in der erfolgten Weise rechtfertigten zu können:
1. Bei weichem System von Guinmibau würde es möglich sein“, jene arithmetische Progression von 100000 steigend zu 200,000 und 300,000 Pfund zu erzielen.
2. In Berücksichtigung der Lage der betreffenden Pflanzungen hat der Expert R. seine Kalkulation auf folgende Profite basirt?:
