Aach die Untersuchung der drohenden Vertrustung in ein* seinen Kolonien würde Sache dieser Kommission sein.
4. Kontrolle aller Abmachungen des Kolonialamts, die Grund und Boden, Bergwerke, überhaupt Gerechtsame des Reiches in den Kolonien betreffen, durch den Reichstag, ins* besondere deijenigen, die sich auf Edelsteine, Gold usw. beziehen."
Die vorstehenden Forderungen des Verfassers sind uns vollkommen aus der Seele gesprochen. Gerade die Stärkung des deutschen Elements in unserer Kolonie ist eine 8ache, die unter dem Regime Dernburg- Rechenberg aus negrophilen Beweggründen leider bisher nicht im geringsten berücksichtigt wurde, und die notwendige stärkere Heranziehung der deutschen Bewohner der Kolonien zur Verwaltung dürfte unter dem eigenwilligen System des Herren von Rechenberg nur schwer zur Wirklichkeit werden.
Wünsche und Hoffnungen würden es also vorläufig nur bleiben, die wir Kolonisten in bezug auf unsere wirtschaftliche und politische Hebung durch Taten der Regierung hegen. Möge deshalb der Reichstag ein Einsehen haben und endlich energisch selbst das Heft mit unseren Wünschen in die Hand nehmen!
y Gefährliche Ratschläge.
Wir haben es in letzter Zeit mit Absicht unterlassen, den vom Reichskolonialamt gewählten Weg, den die verlängerte Usambarabahn nach dem Kilimandjaro-Gebiet nehmen soll, einer Kritik zu unterziehen, da die Bewilligung dieser neuen Bahnstrecke in der vom Reichskolonialamt einge- brachten Form, die sich in diesem Fall nicht allein auf theoretische Erwägungen, sondern auf die Berichte kolonialerfahrener Männer und die Wünsche deutscher Ansiedler stützt, fast gesichert ist, und erneute Kritiken der gewählten Bahnstrecke die Sicherheit der Bahn-Bewilligung durch den Reichstag überhaupt gefährden könnten.
In den „Hamburger Nachrichten" unterzieht nun Professor Dr. Samassa den Entwurf des Reichskolonialamtes für die Weiterführung der Usambarabahn zum Kilimandscharo einer Kritik und wendet sich energisch dagegen, dass Mosch i und nicht Aruscha als Endpunkt gewählt ist Grade die Strecke zwischen Moschi und Aruscha führe durch die Plantagenkulturen mit und ohne Bewässerung sowie für Ackerbau und Viehzucht in hohem Masse geeignetes Land, und wenn irgend ein Teil der Bahn durch seine nächste Umgebung sich ohne weiteres rentabel machen würde, dann wäre e9 dieser Teil zwischen Moschi und Aruscha. Aber Moschi hätte auch noch andere Bedenken als Endstatiou: der Rauwald, in dessen Nähe die Endstation erbaut werden soll, sei ein berüchtigter Tsetseherd und wenn auch die Umgebung der Station durch Abholzungen fliegenfrei gehalten werden könnte, Hesse sich doch nicht verhindern, dass an der Bahnstation die Fuhrwerke von der Ostseite des Berges sich mit denen von der Westseite träfen und dadurch die Tsetse nach Aruscha zu verschleppt würde."
Auch wir haben die Ueberzeugung, dass Aruscha und seine Umgebung es voll und ganz wert sind, ja, dass es als eine dringende Notwendigkeit erscheint, wenn Schienenstränge so schnell wie möglich dort hingeleitet werden, Moschi soll aber deshalb nicht—und vielleicht für immer — seitwärts liegen bleiben!
Es ist u. E. selbstverständlich, dass Aruscha, wenn erst Moschi erreicht ist, auch anschliessend sofort eine Bahn erhält, unwahrscheinlich dürfte es aber sein, dass Moschi noch bedacht wird, wenn der erste Schienenstrang direkt nach Aruscha geht.
Die Befürchtung des Prof. Samassa betr. die Verschleppung der Tsetse teilen wir nicht, die Erfahrungen, welche man bisher am Kilimandjaro in dieser Beziehung gemacht hat, geben zu dieser Befürchtung keinerlei Veranlassung.
In einer jetzt noch erfolgenden Kritik der gewählten Bahnstrecke nach Moschi liegt aber die Hauptgefahr darin, dass der Reichstag sagen könnte: „Da es noch nicht geklärt ist, welche Bahn-Strecke die beste ist, so wollen wir vorläufig noch garkeine bewilligen, sondern abwarten, bis darüber Klarheit und Einigkeit herrscht“ Und unter einem solchen Spruch würden dann Moschi und Aruscha sowie der ganze Norden leiden. —
Vermischtes.
Neuestes von der Schlafkrankheit. — Oberstabsarzt Meixner und Professor Kleine haben nun, wie gemeldet wird, die Untersuchung im Süden des Tanganika zwischen Udjidji und Bismarckbarg — rund 500 Kilometer beendet und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß die*e Küste nicht als verseucht angesehen werden kann, da sie in der Hauptseuche nicht besiedelt, auch nicht besiede- lungsfähig ist, und da das Wasser in der Nähe des Landes, wo die Glossina pal pal ia sitzt, zu tief ist, als daß ein Stak- verkehr von Fahrzeugen stattfinden könne. Die einzeln stehenden Hütten können an die größeren Ansiedlungen herangezogen und diese, wie es in der Nähe der Missionsstationen Karema und Kirando und auf der Insel Kirengi schon geschehen ist, so vom Busch gereinigt werden, daß ihnen keine Gefahr mehr droht. Ebenso sind die Stationen Udjidji und Bismarckbarg so vom Busch befreit, daß sich keine Glossine dort hält, und dort keine Ansteckung möglich erscheint. Dagegen ist der Strand an einigen Holzentnahmestationen noch nicht ausreichend ausgeholzt, sodaß das Dampferpersonal eine gewisse Vorsicht ausüben muß, wenn es dort an Land geht. Beide Herren hatten sich im November zum Nord-Tanganika begeben, um ihre Untersuchungen dort fortzusetzen.
Von den Bezirken am Viktoria See eingelaufene Nachrichten haben keine Neuigkeiten gebracht Nur haben die Ärzte in zwei Schlafkrankcnlagern, denen die neuen Arsenpräparate geliefert waren, die nach Experimenten in Deutschland großen Erfolg versprachen, bei der Verhandlung von trypanosomenkrauken Menschen die Hoffnung nicht bestätigen können, daß diese Mittel besser seien, als Atoxyl. Besonders das Arsenophenyglyzin hat 9ich nicht bewährt.
Vom Nyassa sind noch keine sicheren Nachrichten eingegangen, wo die Ansteckung der Missionarsfamilie, von der berichtet war, geschehen sein könnte« Es heißt, die Schlafkrankheitsherde seien wohl am Luangwa, am oberen Schire oder am Zambesi zu suchen, also fern vom deutschen Gebiet.
Aus den Etatsforderungen des Titels „Reichskolonialamt" ersieht man u. A., dass der Staatssekretär neben seinem Gehalt von 44 000 M (mit Einschluß von 14 000 M Repräsentationskosten) noch 20000 M Mietsentschädigung erhält, also zwei Drittel soviel wie sein Gehalt beträgt! — Ferner werden verlangt für „Möbel usw“ 7000 M, für „Reparaturen (anscheinend an Möbel, denn die Unterhaltungskosten des Hauses werden an anderer Stelle angefordert, mit rund 9000 M), Möbeltransport usw." 3000 M, für „Beleuchtung, Heizung, Wasser" 24 000 M und u. a. schließlich noch 32 200 M für — Reinmachefrauen, Hilfshausdiener, Nachtwächter, Hilfsboten.
Aufruf. — Eine Meile unterhalb Hamburg liegt die Elbinsel Finkenwärder. Hier wohnt seit Jahrhunderten eine Fischerbevölkerung, die vor allem deu Fischfang auf der Nordsee, also Hochseefischerei betreibt Dass dieser gefahre volle Beruf das allerbeste Material für unsere aufstrebend- Marine heranbildet, ist wohl jedem bekannt.
Ueber diese Insel ist nun in den letzten Stürmen grosses Elend hereingebrocheo. 27 Fischer sind ihrem schweren Beruf zum Opfer gefallen. Die Not unter den Witwen uni Waisen ist gross. Da die Bevölkung schon seit Jahren schwer um ihre Existenz hat kämpfen müssen, können die
