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Usambora-Posf

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Bekanntmachungen der Kaiserlichen Behörden«

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Handlung u. -Drudcaru«, K. Wlnddar,

Berlin SW. 68, Alexandrinenstr. 110. b Femspr.: Moritzplatz, 1784 und 14084.

Nr. 23.

TANGA, den 6. Juni 1914. Jahrgang 13.

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Verlag und Expedition der Usambara-Post.

Erklärungen des Wirtschaftlichen Verbandes vom Kllimanjaro aus Anlass der diesjährigen Beratung des Kolonialetats Im Reichstage.

Der Wirtschaftliche Verband vom Kilimanjaro, der den grössten Teil der am Kilimanjaro ansässi­gen deutschen Ansiedler und Pflanzer zu seinen Mit­gliedern zählt, hat Kenntnis geau.nmcn von den stenographischen Berichten über die Sitzungen 230 232 des Reichstages, in denen zumGehalte des Staatssekretärs* 4 gesprochen wurde. Er beklagt auf das Tiefste das bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck gebrachte Misstrauen in die lautere Tätigkeit der ostafrikanischen Pflanzer im allge­meinen und das mangelhafte Vertrauen in die wirt­schaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten der ost­afrikanischen Pflanzungen. Den Vorwurfeiner empörenden Behandlung der schwarzen Arbeiter, ebenso den dessystematischen Betruges der Ein­geborenen (Erzberger, S. 7910 u. 7911), weist er als durchaus unwahr mit der grössten Entschieden­heit zurück und lehnt es ab, Ausschreitungen, die irgendwo in den deutschen Kolonien vorgekom­men sein mögen, als charakteristisch für ost.itrika- nisclie Pflanzer sich unterstellen zu lassen. Auf (imnd der am Kilimanjaro seit Jahren gemachten Erfahrungen macht, im Gegensatz zu geäusserten Anschauungen einzelner Reichstagsmitglieder, der Verband folgende Ausführungen:

1. Es kann am Kilimanjaro von einer zu - nehmenden Sterblichkeit der Eingeborenen gar keine Rede sein, obwohl das Land mit Pflanzungen der Europäer, unterhalb der alten Eingehorencn- sitze, dicht besetzt ist. Eine Statistik darüber gibt cs nicht, wie oft auch schon, gerade von den Pflanzern selbst, eine genaue Feststellung der Bevölkerung sowie der Gehurten- und Sterbe­ziffern der Regierung nahe gelegt worden ist m der Erkenntnis, dass viele Verwaltungsmass- regtln eine solche Statistik als Grundlage benötigen. Der von den Pflanzern im Jahre 1913 dringend geforderte und nunmehr bewilligte Arbeiter­kommissar (Eingeborenenkommissar) hat erst neuerdings mit einer Statistik der arbeitsfähigen

Männer begonnen. Es sind aber keinerlei Mass­nahmen, wie einfacher Natur sie auch sind, in Angriff genommen, um eine Volkszählung, Geburts­und Sterbeziffer zu ermöglichen. Trotzdem darf aus dem Zeugnis der älteren Missionare und älteren Ansiedler mit Sicherheit geschlossen wer­den, dass die Bevölkerung stark zugenommen hat. Der Wegfall der gegenseitigen Raubzüge der Eingeborenen untereinander und der Musai- einfälle erklärt diese Erscheinung als natürlich. Hinzu kommt der weniger gefährliche Charakter periodisch eintretender Hungersnöte als Folge der Geld- gegenüber der früheren Naturalwirtschaft, die Erwerbsmöglichkeit auf den Pflanzungen und die allgemeine Hebung des Kulturzustandes durch bessere Kleidung, Schule und Gesundheitspflege. Die ständig zunehmenden Fälle von Krankheits­behandlung im Hospital zu Moschi, weit davon entfernt ein Beleg zunehmender Krankheit zu sein, ist vielmehr der Verband fordert hierüber das Zeugnis des hiesigen Stabsarztes ein erfreulicher Beweis für das zunehmende Vertrauen der Ein­geborenen in die Behandlung seitens der deutschen Aerzte und dem sich mehrenden Misstrauen in Zauberei und Volksheilmittel. Es soll nur hin­gewiesen werden auf die fast völlig verschwin­denden früheren Pockenkrankheiten, die ständig abnehmenden Fälle von schweren Beinwunden, der hier seit Alters her endemischen Syphilis usw. Weit entfernt davon, diesen Dingen gleichgültig gegen­über zu stehen, haben die Pflanzer wiederholt drin­gend die Errichtung einer Kette von Sanitätsposten über die gesamten Landschaften gefordert. Die Regierung hat diesem Wunsche aus Mangel an Mitteln keine Folge geben können, wie ausserordentlich dringend auch, gerade mit Bezug aut die Kinder­sterblichkeit (80" 0 ), eine solche Massnahme wäre. Es ist eine öffentlich bekannte Tatsache, dass diese Kindersterblichkeit die Folge uralter, übler Gewohnheiten der Eingeborenen ist, die freilich ihre begründete Ursache in zeitweiligen Hungers­nöten halte, und in erster Linie eine Folge völlig verkehrter Säuglingsernährung. Der Forderung der hiesigen Ansiedler für diese wirtschaftlich un­bedingt nötigen Massregeln jegliche ethische Motive abzusprechen, erklärt der Verband hiesiger Pilanzer für eine Anmassung und gestattet sich die Bemerkung, dass kein Stand, welcher es auch immer sei, weder in der deutschen Heimat noch hier, die sittliche Weltanschauung in Pacht hat, sondern dass diese der Menschheit eingeboren ist.

2. Die Annahme, dass die hiesigen Ein­geborenen durch unmittelbaren Zwang in die Pflan­zungen der Europäer getrieben würden, ist eine irrige. Es besteht hierzulande nur der freie Arbeits­kontrakt zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, meist von 30 Eigen, der auf mehrere Monate ausgedehnt werden kann, wenn er vor dem Kaiserlichen Bezirks­amt abgeschlossen wird. Die Art, wie der eingegan­gene Arbeitskontrakt zu erfüllen ist, ob in

30 Tagen hintereinander (Sonntage ausgenommen), oder in Absätzen mit je 3 oder 6 oder 12 oder 18 Tagen Pause, liegt im freien Ermessen der Parteien. Jedenfalls kommt es nie vor (oder äusserst selten), dass der Arbeiter hintereinander etwa 30 Tage beim Pflanzer tätig ist, zumeist arbeitet er 6 Tage mit 6 Tagen Pause bis sein 30 Tage­kontrakt erledigt ist. Hingegen sind Fälle des Kontraktbruches der Eingeborenen sehr häufig und würden ohne Ahndung von Seiten der Behörde noch viel häufiger sein. Der auf den hiesigen Pflanzungen tätige Eingeborene geniesst minde­stens die Vergünstigung zu öffentlichen Arbeiten nicht so herangezogen zu werden wie Leute, die sich der Lohnarbeit völlig entziehen. Gewerbetrei­bende und Handwerker, ebenso natürlich alle nicht arbeitsfähigen Leute und der nicht eigentliche Arbeiterstand leisten überhaupt keine öffentlichen Arbeiten.

3. Es gibt am Kilimanjaro so gut wie gar keine sogenannten Eingeborenenkulturen, obwohl seit mehr als einem Jahrzehnt die Eingeborenen an den Pflanzungen der Katholischen Mission (denen ja Erzberger besonders den Charakter von Musteranlagen und Musterlandwirtschafts­schulen für seine theoretischenfreienchrist­lichen,deutschdenkenden" Negerbauem, zuweist,) an vielen Europäerpflanzungen ein Beispiel sich hätten nehmen können. Der Neger hierzulande geht aus freiem Willen, trotz wohlmeinendem Vorbilde, Anregung und Anleitung, zu keiner anderen Kulturarbeit über als der, sich Essen zu schaffen und die allernötigsten Lebensbedürfnisse. Deshalb ist ihm die Gartenhackkuitur gelegen, nicht die Exportkultur, die nur die Gefahr man­gelhafter Nahrungserzeugung heraufbeschwören würde. Für eine solche Gartenkultur bieten wieder die Pflanzungpn und deren Arbeitskräfte günstige Absatzmärkte. Ein Zwang zur Export­kultur der Eingeborenen ist hierzulande nicht geübt worden und die Ueberredung hat versagt, obwohl oft angewandt. Es ist allgemein bekannt, dass die sogenannten Eingeborenenkulturen freier Negerbauern anderer Bezirke die Folge des liefehls der Verwaltung sind, der durch die Häuptlinge usw. unter fühlbarem Druck weiter­gegeben wird. Es läuft also die Forderung gewisser Parteimänner im Reichstage, den Pflan­zungen das Leben unmöglich zu machen, da­rauf hinaus, an Stelle von Privatunternehmern besoldete Beamte zu setzen bezw. die katholischen Missionen. Es wird bestritten und zwar auf das Energischste, dass damit das Los der Eingeborenen ein besseres würde, ganz abgesehen von der Tatsache, das der Gedanke einer rein staatlichen bezw. kirchlichen Produktion nicht bis zu seinem Ende durchgedacht ist d. h. bis zum Vertrieb der Negerprodukte, bezw. der unvermeidlichen Rücksichtnahme auf die Mitkon­kurrenten der Produktion im Weltmärkte.