KOLONIE UND HEIMAT.

Nr. 7

Der Fans von Hilden Tieren mit Grube, Schlinge und Fülle.

P a eine Reihe jagdbarer Tiere unserer Kolonien, darunter besonders die Raub­tiere, ein vorwiegend nächtliches Leben führen und am Tage trotz der grössten An­strengungen im Nachspüren und Aufsuchen nur in besonderen Glücksfällen erbeutet zu werden pflegen, so hat sich dort beim europäischen Jäger sehr bald die Methode des Fallenstellens eingebürgert, welche bei Sorgfalt und Sach­kenntnis in ihrer Anwendung ausgezeichnete Resultate ergibt.

Der Europäer stellt mit seinen eisernen Fallen in der Hauptsache den grossen Raub­tieren nach. Bevor wir hierauf zurück­kommen, dürfte es nicht ohne Interesse sein, einen Blick auf die Tierfangmethoden der Neger zu werfen. Die Eingeborenen selber sind bei der Entwicklung ihrer Jagdmethoden eben­falls seit Urväter Zei­ten dazu gekommen, denFang dervon ihnen begehrten Beutetiere vermittels Gruben,

Schlingen, Fallen, Net­zen, Reusen, Vogelleim usw. zu betreiben. Vor­wiegend ist es ihnen dabei um die Gewin­nung des Fleisches als Nahrungsmittel zu tun.

Anderen Tieren wieder wird des Felles, des Pelzwerks, der Zähne, der Haut wegen nach­gestellt und wir finden überall Fangmethoden ausgebildet, welche auf Grund genauer Beob­achtung der Lebens­gewohnheiten der be­treffenden Tiere, für welche sie angewandt werden sollen, berech­net sind.

Ursprünglich und primitiv sind die Fall­gruben, in welchen alle möglichen Tiere vom Schwein bis zum Büffel, Flusspferd und Elefanten gefangen werden. Diese Gruben werden in der Regel so angelegt, dass ein seinen gewohnten Wechsel sorglos daher­ziehendes Tier auf das der Umgebung täuschend angepasste Dach der Grube tritt, sofort durch­bricht, in die Grube stürzt und sich nicht wieder befreien kann. Häufig sind die tiefen Fallgruben mit spitzen Pfählen ausgestattet, damit sich das fallende Tier aufspiesst und verletzt, um die

Von H. Fonck.

Möglichkeit einer Selbstbefreiung tunlichst zu verringern. Oft befinden sich die Gruben auch etwas abseits des gewöhnlichen Wildwechsels, welcher dann durch Dornbüsche und dergleichen verriegelt wird, um das Tier zu veranlassen, seitlich auszubiegen und die Richtung auf das hinterlistige Loch in der Natur zu nehmen. Gewisse Gegenden Ostafrikas waren früher wegen ihrer zahllosen Wildgruben direkt be­rüchtigt und gefährlich für den Reisenden. Dieser tat wohl daran, niemals als vorderster Mann an der Spitze der Karawane zu mar­schieren, wenn anders er nicht Gefahr laufen wollte, beim geringsten Abweichen vom schmalen oft nur dem Negerauge genau erkennbaren Pfade plötzlich in einer solchen Grube zu ver­schwinden. Während des letzten Aufstandes

Nachdruck verboten.

weilen geradezu raffiniert ausgeklügelt sind und erkennen lassen, dass es denErfindern an einer guten Dosis Intelligenz und Scharf­sinn nicht gebrach. Besonders bewandert ist der Neger im Schlingenstellen. Vermittels solcher Schlingen fängt er die verschiedensten Vögel sowohl wie Säugetiere von der Grösse einer Maus oder Ratte, eines Stachelschweins, Honigdachses, Servals, einer Ginsterkatze usw. bis hinauf zu grossen Antilopen. Häufig wird die Schlinge so an den Wechseln angebracht, dass ein Tier leicht mit einem Lauf hineingerät und beim Zuziehen der Schlinge einen Mecha­nismus auslöst, welcher einen stark gebogenen Ast oder jungen Baum von grosser Federkraft, an dem die Schlinge befestigt ist, in seine ur­sprüngliche Lage zurückschnellen lässt. Auf diese rohe Weise wer-

Gefleckte Hyänen schneiden ein gefallenes Tier an. (Kamerun.)

stürzte ein Offizier der Schutztruppe in eine Wildgrube auf einen spitzen Pfahl und trug eine schwere Verletzung davon.

Mit Fallgruben werden heute noch fast alle lebend zum Export nach Europa kommenden Flusspferde erbeutet. Sonst kommt diese Jagd­art in den schon mehr kultivierten Gegenden Deutsch-Ostafrikas wenigstens allmählich aus der Mode, da sie verboten ist. Es gibt nun noch eine ganze Reihe von durch Einge­borene erdachten Tierfangvorrichtungen, die zum Teil höchst sinnreich konstruiert, bis-

den selbst Zebras er­beutet, nachdem ihnen mit grosser Gewalt ein Lauf sozusagen in die Luft gerissen wurde. Die eigentlichenFallen der Neger verfolgen meist das Prinzip, die in dieselben hineinge­ratenen Tiere durch einen auf sie nieder­fallenden schweren Holzklotz oder Baum zu erschlagen, zer­drücken, einzuklem­men, oder doch so schwer zu verletzen, dass sie nicht mehr entkommen können. Gewisse Tiere (Aas­fresser z. B.) werden durch Köder angelockt und bringen durch Zu­fassen nach demselben oder sonstiges Berüh­ren der Auslösevor­richtung den Klotz zum Fallen. Andern wieder wird der Weg zum Wasser durch Dornbüsche abgesperrt, so dass sie gezwungen sind, einen schmalen Gang, über welchem der fallbereite Baumstamm schwebt, zu passieren.

Auf dem gleichen Prinzip beruhen z. B. die Büffelfallen im Bugoiewalde am Kiwusee, bei welchen nach entsprechender Berührung durch das Tier eine Art schräg gestelltes, mit schweren Steinen belastetes Dach niederstürzt. Geräumige Fallen aus starken Pflöcken und Stangen mit Falltüren zu dem Zwecke, be-

Phot. Kolonialkriegerdank, Photozentrale.

Junger im Tellereisen gefangener Löwe (Ostafrika).

Schutztruppler in Südwest beim Fallenstellen.