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KOLONIE UND HEIMAT

Deutsch ■ Osiafrika im jtahre 1908.

Nr. 12

Im Hafen von Daressalam.

P ie kolonialen „Denkschriften“, wohl so genannt, weil sie den Volksvertretern, für die sie bestimmt sind, zu denken geben sollen, sind, wie bereits erwähnt, für das Rechnungsjahr 1907/08 erschienen. Die Aus­gabe, die auch für weitere Kreise käuflich ist, führt den Titel „Jahresbericht“, worunter man sich eher etwas denken kann. Wir wollen den sachlichen Inhalt dieser Jahresberichte unsern Lesern nicht vorenthalten, ergibt sich doch daraus ein recht erfreuliches Fortschreiten der wirtschaftlichen Entwicklung unsrer Kolonien. Und um unsere Leser nicht allzu sehr zu lang­weilen, wollen wir versuchen, „das nackte Ge­rippe nüchterner Zahlen und Aufzählungen mit dem blühenden Fleische wirtschaftlicher Pläne plastisch zu umkleiden“, wie früher einmal in einem Stimmungsbericht aus dem Reichstag so journalistisch schön und poetisch gesagt war. Wir wollen uns hinsichtlich der kalten Zahlen auf das äusserste beschränken und nur das anführen, was zum Verständnis des im Berichtsjahre Erreichten unbedingt nötig ist. Um den Lesern einen Begriff von der Grösse unsrer Kolonien zu geben, haben wir auf der Titelseite das Deutsche Reich und unsere afrikanischen Kolonien vergleichsweise neben­einandergestellt. Die „Denkschrift“

denn die Menschenleben, die er kostete, werden nicht so schnell ersetzt. Ein über­

aus Weibern. Daran wäre in Afrika, wo der Mann seine Weiber mit Vorliebe für sich arbeiten lässt, weiter nichts auffallendes. Aber diesmal sind die Weiber nicht durch ihre stärkeren Hälften zur Arbeit getrieben, sondern durch die Verhältnisse. Die Männer vieler arbeitsuchenden Weiber sind nämlich dem Auf­stand zum Opfer gefallen. Ueberhaupt ist das Land stark verwüstet, und diese an sich traurige Tatsache trägt mit dazu bei, dass das Arbeiterangebot ein ziemlich befriedigendes ist. Die Not ist eben ein guter Lehrmeister. Immer­hin lässt sich sagen, dass die eingeborene Be­völkerung sich langsam zu erholen beginnt.

Die Fürsorge für die schwarze Bevölkerung lässt sich die Verwaltung in hohem Masse an­gelegen sein. Und ganz mit Recht, denn sie bildet ein wichtiges „Aktivum“ in der Wirt­schaft der Kolonie. Nicht das wichtigste, wie wir betonen möchten. Das wichtigste Aktivum ist der Weisse, denn ohne seine Intelligenz, seine Tatkraft und — last not least — sein Geld, ist es mit dem wirtschaftlichen Wert der Eingeborenenarbeit nicht weit her. Darum

Transport von Hanfballen auf einer Sisalpflanzung der Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft.

grosser Prozent­satz der Arbeits­kräfte, die di

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Der Markt in Bukoba (Victoriasee).

reden, wobei wir uns allerdings einige Zwischen­bemerkungen nicht versagen können.

In Ostafrika ist im Berichtsjahr der Frieden völlig wiederner- gestellt worden.

Die letzten Auf­ständischen aus dem Jahre 1905 sind im Innern, in Ssongea und am Njassa, un­schädlich ge­macht worden.

Was allerdings nicht hinderte, dass im Sommer 1908 wieder zwei Putschversuche zu verzeichnen waren.

Die Folgen des Aufstandes werden ja zwar noch einige Zeit fühlbar bleiben,

Pflanzungen im Süden der Kolonie zur Ver­fügung stehen, besteht, wie uns ein Mitarbeiter aus eigener Anschauung mitteilt, gegenwärtig

Im Hafen von Tanga

meinen auch viele erfahrenen Leute, dass die Form der Fürsorge, wie sie gegenwärtig geübt wird, unpraktisch, ja gefährlich sei und gerade das Gegenteil von dem bewirke, was beabsichtigt war. Namentlich wird einleuchtend geltend gemacht, dass die Absicht des Gouvernements, die Eingeborenen an der Selbstverwaltung teil­nehmen zu lassen,

undiskutierbar sei. Sicherlich lässt sich nicht leugnen, dass die Eingeborenen sich in den zwanzig Jahren unsrer Herrschaft unmöglich dasjenige Mass von Fähigkeiten angeeignet haben können, zu dem wir tausend Jahre ge­braucht haben Doch genug von diesen Doktor­fragen, in denen das letzte Wort ja noch nicht gesprochen ist.

Denn mit der stetigen Zunahme der weissen Bevölkerung, die Jahr lür Jahr zu konstatieren ist, werden mancherlei Hindernisse, die einer alleinigen Selbstverwaltung der Weissen theoretisch ent­gegenstehen mögen, von selbst verschwinden. Zumal wir hoffen, dass das Ergebnis der gegen­wärtigen Erkundungkreise des Unterstaats-

Sekretärs von Lindequist die Einleitung einer planmässigen Besiedlung Ostafrikas mit Weissen sein wird. Es wird wohl nie­mand bestreiten, dass dies die beste Lösung seinwürde.Denn wenn erst im In­nern des Landes in den verschie­denen Hochlän­dern zahlreiche deutsche An­siedler wohnen, so ist die beste Gewähr für die