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Deutsche - 2f o Ionial . ? ei tung ;
Nr . Z
' Präsident Wilson sehe sich einem ungeheuren Ansturm
gegenüber . Als „ Kreuzfahrer " - seien die Söhne der Vereinigten
Staaten , wie sie selbst sagen , über den Ozean gekommen , um
für Ideale $ u - kämpfen . Wenn in Paris der Friede der Ver¬
gewaltigung abgeschlossen würde und der Imperialismus
seinen Sieg feiere , dann würden die tapferen Amerikaner als
„ blamierte ' Europäer " nach Hause Zurückkehren . ■ Jedenfalls
haben die bisherigen Verhandlungen in Paris den Eindruck
Hervorrufen müssen , als ob Wilson wohl in der Theorie Sieger
bleiben solle , in der Praxis aber die Herren C - lemenceau und
Balfour , und daß Wilson wohl . Vater des Völkerbundes sei ,
Clemenceau und Balfour hingegen ausgesprochene
Imperialisten . Nach dem Wilfonschen Programm aber habe
Deutschland ein unveräußerliches Recht aus eigenen
s e l b st q rt d t g e n Kolonialbesitz , Die I n t e r n a i t o n a I i -
f t ex ii n g der Kolonialsrage sei k e i n Erfolg . ^ Etwas anderes
sei es , Afrika und die Kolonien zu neutralisieren , nachdem
eine gerechte Verteilung der Gebiete stattgefunden habe .
Deutschland wünsche keinesfalls , daß in Afrika wieder die
Kriegsfackel in das Land falle und seine Söhne , die Kinder
der Menschheit , vor das mörderische Maichinengewehrfeuer ge¬
trieben würden . Deutschland habe ein Recht auf Kolonialbesitz
und koloniale Betätigung , ein natürliches Recht , wie jedes
andere Volk , eine göttliche Pflicht an der Erziehung der Mensch¬
heit mitzuwirlen , ein von Wilson und allen seinen " Verbündeten
verbrieftes Recht , das nicht geschmälert werden dürfe ,
„ Aber man täusche sich nicht : Der Raub in Paris
b ? n g t f e In Glück für d i e Welt , e r I st d e t R a u b
des ' Leb en s des V ölker b u n d e s . D a t u m m u ß
u n s e r V o l k wie ein M a n n s t ch e r h e d e n u n b
eine n eher n e n P r o t e st e i n l e g e n , de n m a n a n
der Seine , an d e r The m f e 11 n d ? n W a f h i n g t . 0 n
o x t u n d b e l . ch t e 5 . Die Gere ck ) t i gleit f 0 r d e r t :
e 11 1 f ch l and v 0 m K 0 I 0 n i ' a l b e f i tz der W e 11 nt d ; i t
a b z 11 f ch 1 1 e % e n , sonder n t h m R a u m z u r e r f 0i g -
r e ul 1 e 11 k 0 l 0 ni a ! t n Betätlgun g z u g e b e n . Dt e t n .
M 0 h 11 . - u n d © 0 r 0 e n t u f i st :
Deutsches V 0 l k e r w a ch e , ehe es z u s p ä t ' i st ! "
Nachdem hierauf Öevr Gouverneur a . D . Wirklicher
Keimer ' Oderregrerungsr - at Dr . Dahl über „ Wirtschaftliche umd
Politische Bedeutung der Kolonien " , Herr Staatssekretär a . . D .
Dr . Dernburg über „ ' Deutsche Eingeborenenpolitik in Ver¬
gangenheit und Ankunft " , Herr Missionsdirektor Dr . Schreiber
über „ Die ethische Bedeutung d - er Kolonien für das Missionie¬
rende Volk " Herr Prälat Baumgarten über „ Die Bedeutung
unserer Besitzausübung für die Missionierten Völker " und Herr
Regierungs - und Baurat Laverrenz über „ Die nationale Be¬
deutung ' überseeischer Kolonialvolitik " eingehend gesprochen
hatten/zog Herr Direktor Hupfeid das Schlußergebnis aus der
bedeutsamen Protestversammlung und , begründete die ui
fassende Entschließung , indem er ' ' betonte , daß die Rückgabe
unserer Kolonien unser gutes Recht sei . Im Hinblick auf den
Punkt 5 des Wilsonprogramms müßten wir darauf hinweisen¬
daß die deutschen Kolonien durch unanfechtbare Rechtstitel
erworben und daß die Interessen der Eingeborenen von uns
gerecht und erfolgreich gewahrt worden seien . Der Besitz von
Kolonien lei für " Deutschland nicht etwa ein Lurus , sondern
eine unbedingte wirtschaftliche Notwendigkeit und mit vollem
Rechte dürften wir hervorheben , daß Deutschland auch einen
moralischen Anspruch darauf habe , an der groben weltaescknckt -
lichen Aufgabe , die das - Kolonialwerk allen Kulturvölkern stellt ,
mitzuwrrken . Ein Ausschluß Deutschlands von Kolon ml -
Betätigung sei ein • Bruch der vereinbarten ffriedensgrundlage
und eine Veraewaltigung des deutschen ' Volkes .
Er schlug vor . die nachstehende Entschließung anzunehmen ,
der die Versammlung durch allaememen Zuruf betfHmrme :
Das getarnte deutsche Volk fordert die Rückgabe
seiner Kolonien als sein weltkundiges Recht . Nie und nimmer
kann Deutschland um dieses Recht gebracht werden , wenn
anders Treu und Glauben ' bet Durchführung des 5 . Punktes
des Präsidenten Wilson maßgebend sind . Denn
1 . Deutschland hat seine Schutzgebiete durchweg auf friede
lichem Wege in v ölke r r e ch t l i ch ' t ? n a n f e ch t b a r e x
Weise erworben .
2 . Deutschland hat gerecht und fürsorglich die Interessen hm :
eingeborenen Bevölkerung wabrgenoMmen und mit wachsen¬
dem Erfolge - ihren wirtschaftlichen und sittlichen Aufstieg
gefördert .
3 . Deutschland kann den Besitz seiner Kolonien wirtschaft¬
lich nicht entbehren : sie sind bestimmt , in steigendem Maße
dem Mutterlande die Versorgung mit dringend notwendigen
Rohstoffen , seinem Handel und Gewerbe Absatzmärkte , seiner
überschüssigen . Volkskraft Siedelungsland , seinem Unter - -
nehmungsgeist Wirkungsfelder zu , fiebern .
_ 4 . Deutschland hat als großer Kulturstaat den morali¬
sche n Anbruch , an seinem Teile auch weiterhin an der welt¬
geschichtlichen Ausgabe der friedlichen Erschließung unentwickel¬
ter Länder und der Hebung ihrer Bevölkerung mitzuwirkea .
Der , Ausschluß Deutschlands von kolonialer Betätigung
wäre ein Bruch der vereinbarten Friedensgrundlage und " eine
Vergewaltigung des deutschen Volkes . ’
Tausende in der Philharmonie versammelte Männer und
Frauen erheben feierlichst Protest gegen die ' Absicht feindlicher
Mächte , Deutschland seiner Kolonien zu berauben .
; s W « dafrffta : nifcbe Chronik 1,914 bis 19 * 8 »
Von Geheimrat Dr - H i n i r a g e r .
( Schluß . )
1 918 .
18 . Januar 1918 :
Der englische G - eneralgouverneur Burton spricht in - seiner Par - '
lamentseröffnungsrede „ die ernste Hoffnung " aus , daß die / Stärke
des südafrikanischen Ueberseekontingent - s - nicht nur aufrechterhalten ,
sondern beträchtlich erhöht werden möge .
4, . Februar 1918 :
* Retrutierunaskonferenz in Kapstadt , um die . schon lange stockende
Anwerbung für die südafrikanische Brigade in Frankreich zu ver «
sieftern . Botha protestiert auf dieser Ko . U ' ferenz gog - eu den von eng -
lilcber Seite gestellten Antrag in Südafrika die zwangsweise
Dienstpflicht einzuführen , und ' sagt u . an „ Haben wir noch nicht
genug Schwierigkeiten , daß man sich noch bemüht , uns ' ' noch neue
u machen ? — Ilern , ick kann uns werde Konskription nicht eilt *
üb reu . Wenn Konskription eingeführt wird , dann werden wir nickt
nur keine Truppen nach Flandern senden können , sondern es wird
notwendig ftin , Truppen aus Flandern zurückzu rufen , um den dann
in Südafrika aus > b rechenden Ä - ufstan ! ) zu unterdrücken/ ' '
21 . März 1918 :
Bei der Beratung der Etatsposittzw „ Gehalt des - Premier -
^ Ministers ' " - M Parlament kommt es zu stürmischen Angriffen gegen
dir Regierung . General Hertzog sagt m einer Rede u . a . : „ Ich ' hasse
den Imperialismus . Darum habe Ach auch gesagt : Laßt Südafrika
ans dem Kriege herausbleiben . Trotz des Geschreis über die
„ Hunnen ^ schätze ick die Deutschen und ihre Menschlichkeit und Ge -
sittung n - ock ebenso hoch wie früher . Ich kenne diese Schimpfworte ,
denn sie wurden ebenso auf die Buren angewandt . Auf die Frage
. von Dr . Smartt erwidere ich , daß sich nicht glaube , daß wir Deutsch - -
Südwestafrika nehmen können . ' Zurzeit sieht es jedenfalls nicht
danach ails . . Aber selbst wenn dms der Fall wäre , so müßte dies
davon abhängig gemacht Werbern ob die Bevölkerung von Deutsch - -
Südwestakrikn — " natürlich die Deutschen , nicht die Emd - eborenen —
dies selbst will und ob das Volk der Union es wünscht . „ Keine
Wainxiarm 1 / ' ' ist meine Losung /
In derselben Parlament ' ssttzung sagt der nationalistische Ab¬
geordnete I . H . B . Wessels : „ Ich war zugegen , wie General Botha in
Ermelo sagte , er möckte den Tag erleben . ' da wir imstan . de wären ,
die Engländer beim Kragen zu nehmen und ohne Gerichtsverfahren
aus dem Lande zu entfernen . Aber im Parlament leugnete General
Botha diese A Sicherung ab / ( „ Volkstemft 22 . März 1918 . )
2ft März 1918 :
In ' derselben Parlawentssitzung rief der Unionistenführer
Smartt dem General Hertzog Zu , ob er die Rückgabe von Deutsch -
Süd ' wesiafrcka fordere . Darauf ' rief der Nationaliftenführer Firchardt
ein trüsiiges „ Ja " dazwischen . ( „ Nieuwe Nottedamsche Courant ' /
11 . Juni 1918 . )
28 . März 1618 :
Botha beantragt im IlmonsParlament eine Resolution für i > etr
Erfolg der britischen Waffen an der Westfront . Nach einer stür¬
mischen Sitzung stimmen von den 180 Parlamentsmitgliedern 63
dafür , 21 ( Nationalisten ) dagegen . Von den 63 sind 49 Engländer
( 40 Umvmsten und 9 Arbeiter und Unabhängige ) und die Stimmen
der Minister . Es haben also Lue meisten eigenen Parteianhänger
Bothos sich der Abstimmung enthüllen . — . Zahlreiche Nationalisten
führten eine sehr scharfe Sprache gegen England . Botha sagte ' t in
feiner Schlntzrede it , a . : „ Die ganze Opposition lief e i n e r Nich -
tzmg : England darf nicht gewiimest ! Kein Wort wurde gegen die
Deutschen ' gesagt . Nur die Engländer wurden angegriffen und die
Schuld auf ' Englaud geschoben, ' als ob England an der Fortdauer
des Krieges schuldig wäre . "
ftft April 1918 :
Jo einer Rede sin Stellenbosch erklärt sich Gen - eraft Hertzog offen
für aktive - republikanische Propaganda : „ In der Vergaug - enheit
traten wir nickt aktiv aus . ' Nun bin ich aber der Meinung , daß
weiteres Zögere ? unnütz ist . Ja , ich halte dafür , daß die Aeutze - - .
rungen von " Lloyd George und Präsident Wilson uns zwingen ,
unsere Stimme schnell und deutlrch hören Z . u lassen ^ JÄ k . munre
auch innner mehr zu der Ueverzeugung , daß wir in Südafrika auf
kein gesundes Natioualgefühl und teiue Einheit Zwischen den beiden
Teilen unserer Bevollerung xtcimm fömiei ! , solange der heutige