1886
DeutM/e KownialZsUrrng
16 . Heft .
Deutscher Rotomalverein .
Für die 30 Sektionen der vom 18 . bis 24 . Sep¬
tember in Berlin tagenden 59 . Versammlung
deutscher Naturforscher und Ärzte sind
Sitzungsräume in der Universität und anderen wis¬
senschaftlichen Instituten ausgewählt worden und
wird die auf Anregung des Deutschen Kolonialver¬
eins gebildete 24 . Sektion , die für medi¬
zinische Geographie , Klimatologie und
Tropenhygieine , im Universitäts - Audito¬
rium Nr . 22 ihre Verhandlungen abhalten . Diese
finden an den Tagen , wo keine allgemeinen Sitzun¬
gen sind , zwischen 11 — 1 Uhr statt . Für jeden Vor¬
trag ist als höchste Zeitdauer eine Viertelstunde
festgesetzt . Die allgemeinen Sitzungen , für welche
die berufensten Kräfte zugesichert sind , werden im
Zirkus Renz stattfinden . Die gleichzeitig stattfin¬
dende Ausstellung , für welche die Akademie der
Künste und Wissenschaften ihre Räume zur Ver¬
fügung gestellt hat , gliedert sich in eine medizinische
und eine physikalisch - mechanische . Die Eröffnung
derselben findet schon am 16 . September statt . Der
Kultusminister v . Goßler hat zu dieser Gelegenheit
die Herausgabe einer Festschrift angeordnet , in wel¬
cher alle naturwissenschaftlichen und medizinischen
Staatsanstalten Berlins beschrieben werden sollen .
Ebenso bereitet die Stadtverwaltung eine Festschrift
vor , in welcher die städtischen Einrichtungen der
öffentlichen Gesundheitspflege , Krankenhäuser , Ka¬
nalisation , Wasserwerke , Desinfektionsanstalten u . s . w .
durch Pläne , erläutert werden . Von der Stadt wer¬
den ferner zur Besichtigung ihrer Anstalten Exkur¬
sionen veranstaltet , an welche sich die Bewirtung der
Gäste anschließt . Am 22 . September gedenkt die
Stadt im Ausstellungspark ein Fest zu veranstalten .
Zur Bestreitung der gesamten Ausgaben sind von
der städtischen Verwaltung 60 000 Ui bestimmt
worden .
GolomalpoMsche Vorgänge und
geographische Erforschungen .
Verordnung , betreffend den Erlaß von Verord¬
nungen auf dem Gebiet der allgemeinen Ver¬
waltung , des Zoll - und Steuerwesens für die west -
afrikanischen Schutzgebiete ,
Wir Wilhelm , von Gottes Gnaden Deutscher
Kaiser , König von Preußen rc . ,
verordnen auf Grund des Gesetzes , betreffend die
Rechtsverhältnisse der Deutschen Schutzgebiete vom
17 . April 1886 , im Namen des Reichs , was folgt :
§ . 1 . Der Gouverneur für das Kamerungebiet ,
der Kommissar für das Togogebiet und der Kom¬
missar für das südwestafrikanische Schutzgebiet
werden , jeder für den ihm unterstellten Amtsbezirk ,
ermächtigt , auf dem Gebiet der allgemeinen Ver¬
waltung , des Zoll - und Steuerwesens Verordnungen
zu erlassen . Dieselben sind sofort in Abschrift dem
Reichskanzler mitzuteilen , welcher befugt ist , die er¬
lassenen Verordnungen aufzuheben .
§ . 2 . Die Verkündigung der Verordnungen er¬
folgt in ortsüblicher Weise , jedenfalls durch An¬
heftung an die Tafel des Regierungsgebäudes .
§ . 3 . Gegen Strafbescheide , welche auf Grund
der in Gemäßheit des § . 1 erlassenen Verordnungen
ergehen , steht den Betroffenen Beschwerde an den
Reichskanzler ( Auswärtiges Amt ) zu .
Die Einlegung der Beschwerde hat keine auf¬
schiebende Wirkung , es kann jedoch von der Be¬
hörde , gegen deren Strafbescheid Beschwerde er¬
hoben wird , die vorläufige Einstellung der Voll¬
streckung verfügt werden .
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen
Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnsiegel .
Gegeben Salzburg , den 19 . Juli 1886 .
( L . S . ) Wilhelm .
von Bismarck .
Portugiesische Besitzergreifungen Ln Ostasrika .
Eine in Lissabon am 23 . Juli eingegangene De¬
pesche aus Mosambik meldet : „ daß der Portugiesische
Gouverneur von Mankca die zwischen Manica
und Tete am Sambesi gelegenen Territo¬
rien und Goldfelder , die von einem deutschen
Forscher entdeckt worden , den Portugiesischen Be¬
sitzungen in dieser Region einverleibt habe . " So
bedauerlich diese Thatsache für uns Deutsche ist , da
es der treffliche Karl Manch war , der diese Ge¬
genden zuerst geographisch erforschte und jene Gold¬
felder entdeckt und benannt hat , so läßt sich gegen
diese formelle Besitzergreifung des produktivreichen
Gebietes südlich vom Sambesi seitens der Portu¬
giesen als Besitzer dieses Stromes und der Küste
von lio fcfg 27o südl . Br . nichts einwenden . Im
Jahre 1872 war unser kühne Landsmann auf seiner
zweiten südafrikanischen Forschungsreise , nachdem er
den oberen Lauf des Sabi ( 320westl . L . von Green¬
wich ) verfolgt , in das Land der Batoka gekommen ,
wo er jene Goldfelder entdeckte ( 33 o westl . L .
und 170 südl . Br . ) , die er „ Kaiser Wilhelm -
Goldfelder " benannte , wie auf den deutschen
Karten heut vermerkt , gleich den in der Nähe gelegenen ,
von ihm benannten Höhen : „ Bismarck - Berg " und
„ Moltke - Berg . " Leider haben diese Erforschungen , wie
die 1866 von Karl Manch aufgefundenen Goldfelder
in der Nähe von Tete am Sambesi , ihrem Entdecker
nichts eingebracht . Ein unglücklicher Sturz machte
seinem Leben in Blaubeuren in Schwaben , wo er
1874 als Eisenbahnbeamter nach seinem letzten Weit¬
aus fluge ( nach Zentralamerika ) seinen Wohnsitz ge¬
nommen , ein plötzliches Ende .
DelagoaLai - Bahn .
Im Gegensatz zu der von uns im vorigen Heft
gebrachten Nachricht , daß die Südafrikanische Republik
einen Ausschuß niedergesetzt habe , welche ermitteln
soll , ob die Konzession zum Bau der Delagoabai -
Bahn erloschen sei , wird zuverlässig gemeldet , daß
am 2 . Juni vom Portugiesischen Gouverneur
der erste Spatenstich zu der nach Transvaal
bereits seit dem Jahre 1876 projektierten Bahn in
Lorenzo Marquez an der Delagoabai vollzogen und
das Ereignis durch ein Bankett gefeiert wurde . Die
von Beamten der Obras publicas ( Kommission für
öffentliche Arbeiten ) geleiteten Arbeiten werden von
gedungenen Kaffern der Umgegend ausgeführt . Eine
Anzahl von etwa 300 solcher Kaffern war zu diesem