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Deutsche Aolonialzeitung-
Nr. 37«
der Kolonie erwerben müssen? Wir haben noch nicht viele Beamte, die in den Kolonien erfahren sind. Nirgends ist man bedenklicher als in Deutschland, von dem gewohnten Dienstalter, von dem in der Heimat bewährten Schema abzusehen. Statt eine zu scharfe Kritik anzulegen, sollten wir unsere Landsleute draußen auf exponierten Posten nach Möglichkeit stützen, um ihre Stellung, ihr Selbstgefühl zu heben. In Deutschland sind erst wenige Leute so weit mit den Verhältnissen bekannt, daß sie den richtigen Maßstab für Männer, die draußen in den Kolonien arbeiten, anlegen können. Bismarcks Aeußerung, daß uns unser Rock noch zu weit sei, daß wir erst allmählich in ihn hineinwachsen müssen, findet auch hier einen Beleg. Niemandem, der unseren Kolonien, für sein Vaterland sein Bestes hergiebt, werden bittere Stunden durch harte Angriffe erspart. Doch weg mit diesen trüben Beobachtungen! Wir begrüßen den in seine Heimat zurückgekehrten Gouverneur oon Liebert als einen Landsmann, der mit aufopferndem Fleiß und Eifer für uns gearbeitet hat unter gewiß nicht leichten Verhältnissen. Wir begrüßen ihn, nämlich die, die ihn von früher kennen, als einen Mann, der auch für seine Untergebenen that, was in seinen Kräften stand. Wir begrüßen ihn als einen guten Kameraden. Daß viele, ja die meisten, die den Gouverneur von Liebert kennen- in diesen Gruß einstimmen, weiß ich. Dies und das Bewußtsein, seine volle Pflicht gethan zu haben, seine volle Kraft eingesetzt zu haben, wird und muß ihn erheben über Schweres, was ihm nicht erspart zu sein scheint. Sollte, aus irgend welchem Grunde der Gouverneur von Liebert nicht wieder hinausgehen in die Kolonie, in der er sich Erfahrungen gesammelt hat, so halte ich bange Umschau nach einem Ersatzmann. Möchten sich doch die Parteien, die mit der Amtsführung des zurückgekehrten Gouverneurs nicht voll einverstanden sind, mit ihm verständigen, möchten ihm des weitern Mittel gesichert werden, ohne die auch ein Halbgott in den Kolonien nichts zu schaffen imstande ist! Dann würde er gewiß mit dem Schatze seiner gesammelten Erfahrungen und mit frischem Mute seine Arbeit wieder aufnehmen. In diesem Sinne und mit diesen Wünschen: Willkommen!
Deutschlands Aufgabe in Südwestafrika.
Von Professor Th. Rehbock-Karlsruhe.
Deutsch - Südwestafrika, die einzige, ein gemäßigtes Klima aufweisende und daher für die dauernde Ansiedelung von Europäern geeignete Kolonie des Deutschen Reiches, ist an einem Wendepunkte seiner Entwickelung angelangt.
Das große südafrikanische Drama geht seinem Ende entgegen. Mögen auch die Buren noch imstande sein, durch energische Fortsetzung ihres zähen Widerstandes ihren Feinden schwere Opfer an Menschen und Geld aufzuerlegen, das Schicksal der Burenrepubliken scheint entschieden; trotz heldenhafter Verteidigung dürften die Buren ihre Unabhängigkeit gegen die überlegene Macht des britischen Reiches auf die Dauer nicht aufrecht erhalten können.
Damit werden die Verhältnisse Südafrikas von Grund auf nmgestaltet. Die britische Flagge wird uneingeschränkt über ganz Südafrika, vom Kap zum Sambesi, wehen, mit Ausnahme allein des östlichen Küstenstreifens, der sich in portugiesischem Besitz befindet, und des deutschen Schutzgebietes in Südwestafrika.
In denjenigen Teilen Südafrikas, die britischer Oberhoheit unterstehen, wird aber keines Bleibens für die große Zahl der Buren sein, die durch ihr Verhalten während des Krieges den Unwillen der englischen Behörden wachgerufen haben, sei es, indem sie als Kapländer und daher als britische Unterthanen sich ihren Stammesgenossen in den Republiken angeschloffen haben und als Hochverräter schwerer Strafe entgegensetzen, sei es, indem sie nach Ablegung des Nentralitätseides nochmals die Waffen gegen den Erbfeind ergriffen oder auch nur als unversöhnliche und gefährliche Gegner den Argwohn Englands auf sich gelenkt haben. Große Teile der südafrikanischen Burenbevölkerung werden daher das Bestreben haben, sich durch Auswanderung aus britischem Gebiete den drohenden Strafen, den Einschränkungen der persönlichen Freiheit und der Ueberwachung durch die englischen Behörden zu entziehen, wie die Buren es früher schon des öfteren gethan haben,
als sie aus den von England besetzten Gebieten auswandernd nach einander Natal, den Oranjefreistaat und Transvaal in schweren Kämpfen gegen die Eingeborenen der weißen Rasse erschlossen haben.
Wohin sollen aber die Buren heute ihre Schritte lenken? Es giebt kein herrenloses Gebiet mehr in Südafrika. Im Norden setzt das tropische Klima der Ansiedelung Weißer eine Grenze, im Osten, Süden und Westen das Meer, das der Bur niemals freiwillig überschreiten wird, da er mit den südafrikanischen Verhältnissen zu eng verwachsen ist und bei seinen Fähigkeiten und Gewohnheiten nur dort ein gedeihliches Fortkommen findet.
Es blieben ihm demnach nur die beiden erwähnten Gebiete Südafrikas, die der britischen Herrschaft nicht unterstehen, das portugiesische Ostafrika und Deusch-Südwestafrika, für die Niederlassung offen. Von diesen Ländern besitzt das portugiesische Ostafrika ein überwiegend tropisches Klima, das dem Buren die Niederlassung nur in beschränkten Teilen gestattet. Auch ist zu erwarten, daß sich die portugiesische Kolonie auf die Dauer englischem Einflüsse nicht wird entziehen können, daß die Buren dort über kurz oder lang doch wieder vor der Gefahr stehen würden, unter britische Botmäßigkeit zu kommen.
So können die Buren, die britisches Gebiet verlassen müssen oder wollen, auf südafrikanischem Boden nur noch Zuflucht in Deutsch-Südwestafrika finden, das dem Buren dafür aber auch in hervorragender Weise das bietet, was er für sein Fortkommen als Viehzüchter braucht, insofern kein anderer Teil Afrikas an Klima und Bodenbeschaffenheit so sehr seiner alten Heimat in der Kap- kolonie und in den Republiken gleicht.
Die Auswanderung von Buren nach Deutsch-Südwestafrika hat denn auch bald nach den ersten größeren Erfolgen der britischerr Waffen begonnen. Schon haben Hunderte die Grenzen überschritten, und Tausende dürften Nachfolgen, wenn der Krieg sein Ende er* reicht.
Während so vom Süden her der Strom der Buren sich in das deutsche Schutzgebiet ergießt, scheinen sich auch im Norden wichtige Ereignisse vorzubereitem
Seitens der Lontb West Africa Company an ge stellte bergmännische Untersuchungen haben ergeben, daß die schon lange bekannten Minen von Otavi reiche Kupfererze in bedeutenden Lagern enthalten. Eine große Expedition von Jngeniören und Bergleuten ist bereits im Schutzgebiete eingeiroffen, um durch weitere Aufschlüsse den Umfang der Erzlagerstätten genauer zu bestimmen und die Vorarbeiten einer Bahn von Otavi zur Tigerbai, welche die Ausnutzung der Minen ermöglichen soll, auszuführen.
Bei dem mit Bestimmtheit erwarteten günstigen Ausfall dieser Voruntersuchungen besteht die Absicht, in großem Stile mit der Ausbeute der Minen vorzugehen, wozu ein Kapital von 40 Millionen Mark gezeichnet wurde.
Sowohl die bergmännischen Untersuchungen als auch die Vorarbeiten zum Bahnbau liegen ausschließlich in englischen Händen. Da aber aus den Teilnehmern der entsandten Expedition, welche die Aussichten des Unternehmens seststellen und die Verantwortung für die Aufwendung so bedeutender Kapitalien übernehmen sollen, jedenfalls auch die Leiter des einstigen Berg- und Bahnbaues entnommen werden, ist trotz der Beteiligung großer deutscher Kapitalien mit einem vorwiegend von Engländern betriebenen Unternehmen zu rechnen. Werden doch englische Jngeniöre naturgemäß auch englisches Hülfspersonal und englisches Material bevorzugen.
Es steht demnach in Deutsch-Südwestafrika in allernächster Zeit im Süden eine starke Besiedelung mit Buren, im Norden ein ausgedehntes englisches Bergbauunternehmen zu erwarten.
Diese beiden neuen Faktoren, die plötzlich in die begonnene, langsame Entwickelung des Schutzgebietes hineingetragen werden, sind für die wirtschaftliche Erschließung Deutsch-Südwestafrikas von großer Bedeutung. Der Zustrom von Menschen nach dem Schutzgebiete wird sich in erster Linie durch die Steigerung des Boden- wertes, aus der den Besitzern von Land große Einahmen erwachsen, in günstiger Weise bemerkbar machen. Wenn auch das Deutsche Reich, das seither fast allein die Mittel für die Besetzung und Verwaltung des Schutzgebietes getragen hat, an dem durch das Anwachsen des Bodenpreises entstehenden Gewinn nur in bescheidener Weise ieilnimmh da fast das ganze Schutzgebiet sich im
