1901 .
Deut s che A o I o n i a l ; eiLu n g .
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wurde vom Auswärtigen Amte Zur Beratung kolonialhygienischer
Fragen herangezogen .
Als 1892 die Cholera Deutschland bedrohte , wirkte er bei
dem Überwachungsdienste der deutschen Wasserstraßen als Reichs¬
kommissar für das Stromgebiet der Elbe mit , kehrte dann nach
Abnahme der Seuchengefahr zum Kolonialdienst zurück und wurde
als Stabsarzt a la suite des preußischen Sanitätskorps zum Aus¬
wärtigen Amt kommandiert .
Als Ko hl stock 1896 dann wieder den dunklen Erdteil auf¬
suchte, , da galt , es nicht , Menschen vor Krankheit zu bewahren ,
sondern wertvollen Besitz zu erhalten und große Landstriche vor
drohendem Mangel an Fleischnahrung und unentbehrlichen Zug¬
tieren zu schützen . Robert Koch erwählte ihn zum Assistenten auf
seiner Studienreise nach dem Kaplande zur Erforschung und Be¬
kämpfung der Rinderpest . Tn den erfolgreichen Versuchen , ' durch
Impfung mit der Gallenflüssigkeit von Rindern , welche der Seuche
erlegen waren , gesunde Tiere vor der Ansteckung zu bewahren ,
hatte Kohlstock großen Anteil und setzte nach Heimkehr des großen
Meisters der Bakteriologie nach Deutschland in unserem südwest -
afrikanischem SchutzgMetedas > begonneneWerk RnM " selbständiger
Ausbildung der Einzelheiten des Verfahrens segensreich fort . ! In
den verschiedensten Gegenden , dep ausgedehnten Kolonie wurden -
von ihm JmpfstatiVneü errichtet, ' den Ansiedlern Unterricht in der
Technik der Schutzimpfung erteilt und das Schutzmittel bereitwilligst
an die Besitzer der bedrohten Viehherden versandt . Daß der
Viehbestand des Landes anstatt einer völligen Vernichtung anhenn -
zufallen nur von der Pest dezimiert wurde , ist zum großen Teile
das Verdienst Kohlstocks , und . seine Veröffentlichungen auf diesem
Gebiete werden in der Litteratur dauernd einen hervorragenden
Platz einnehmen .
Nach der Lösung dieser Aufgabe nahm der Verstorbene seine
Thätigkeit als Lehrer der tropischen Gesundheitslehre am Orienta¬
lischen Seminar und als Dezernent für Medizinalangelegenheiten in
der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin wieder auf
und widmete sich mit großem Eifer den Fragen der Ausrüstung
für Tropenländer , der Auswahl der Beamten und Militärpersonen
für die Kolonien und der Einrichtung eines geordneten ärztlichen
Dienstes in den neuerworbenen Gebieten . Seine amtliche Thätigkeit
hat ihn jedoch nie verhindert , die draußen gemachten Erfahrungen
und Beobachtungen , z . B . über die Malaria - Behandlung , über das
Schwarzwasserficber u . a . wissenschaftlich auszuarbeiten .
Als 1900 die Expedition nach China nötig wurde , verließ
Kohlstock , inzwischen zum Oberstabsarzt und Professor ernannt ,
nochmals Deutschland , um an die Spitze des Lazarcttpersonals zu
treten — aber leider auch nicht wiederzukehren . Sein einziges
Söhnchen , welches vor vier Jahren die Mutter verlor , ist nun zur
Waise geworden . Wie kurz und kalt das Kabel meldet , ist der
verdienstvolle und stets so rüstige Mann einer Alutvergjftung in¬
folge eines Unlcrfchenkelbrüchs , nach anderer Lesart dem Unterleibs¬
typhus zum Opfer gefallen .
! 1 Die junge deutsche Tropenmedizin und über den Kreis der ' !
Aerzte hinaus alle Kolonialfreunde trauern an seiner Bahre . Das
gesamte Vaterland aber wird düs Andenken des Verblichenen Hoch -
Halten !
Die SanmwoUcrpeditioii nach Togo .
Ueber das für die wirtschaftliche . Zukunft unserer afrikanischen
Kolonien überaus wichtige , von dem Kolonial - Wirtschaftlichen
Komitee mit Unterstützung der : Deutschen Kolonialgesellschaft , des :
Verwaltnngsrats der Wohlfahrtslotterie/Hd ^ . Meise - / der deutschen <
Baumwollindustrie und ■ ■ des deutschenMaumwollhandels in dankens¬
werter Weise ins Leben geruftne . un . d von > der Kaiserlichen Regierung
nachhaltig geförderte Unteruchrnen einer Baumwollexpedjtion nach :
Togo liegt der erste , von dem Leiter I . N . Calloway verfaßte .
Berichtsvor . , ; ; h
Durch Neisestrapazen
die Bxpeditivnsmitglieder /
landeten ihr . Gepäck, . . währende ein - Teil ' der . notwendigen - Getät -
und ; Zeitverlust sehr angestrengt , trafen
am Ä0 ^ Dezember in Lome ein m \ b
schäften mit dem nächsten Dampfer folgte . Die Aufnahme in der
Hauptstadt des Schutzgebietes war eine überaus freundliche : der
Gouverneur und die Leiter der Faktoreien erwiesen sich sehr ent¬
gegenkommend .
Am 31 . Dezember wurde der Marsch nach Misahöhe an¬
getreten . Hier besuchte der Expeditionsführer die beiden
Pflanzungen des Herrn Thienemann und besichtigte den
Stand der Baumwollstauden . Unter ihnen hat der Sturm und
Regen arge Verwüstungen angerichtet , und zum Einbringen der
Ernte erwies sich die Hülfe der Expedition nicht als erforderlich .
Die geringe Menge Baumwolle würde , wie * ein Schreiben aus
Misahöhe vom 11 . Januar feststellt , ohne Schwierigkeit in der
Reinig ungsmaschine der Expedition von ihrem Samen befreit werden
können . '
Bei Misahöhe wurde der Platz für die Pflanzung der Ex¬
pedition ausgewählt . Man entschied sich , dieselbe versuchsweise in
Tove anzulegen . Für seine Wahl sprachen erstens seine geringe
Entfernung von Tafte und dem Agu , zweitens die Nachbarschaft
' ' der Station ' Misahöhe ^ , welche der Expedition den Vorteil der Hülfe -
leistung seitens des Stationsleiters I ) r . Grünerbietet , drittens
seine Läge an der Straße nach Lome , welche , falls die Pflanzung
fortkommen sollte , einen bequemen Transport der Baumwolle nach
Lome ermöglicht ?
In Tove wurde gleichzeitig der Bau einer Missionsstation in
Angrstf genommen . Die Expedition begrüßte diese Anlage als eine
: Förderung ihres Werkes , vr . Grüner erwies sich entgegenkommend
und hülfsbcreit : er sowohl wie Herr Thienemann hielten ebenfalls
- Tove für die geeignetste Stelle . Sobald der Platz für die Pflanzung
feststand , wurden Pferde und junge Ochsen verschrieben , damit mit
ihrer Abrichtung für die Arbeit baldmöglichst begonnen werden
' könne .
Am 12 . Januar wurde mit der Klärung des Landes für die
Errichtung der Baulichkeiten begonnen und gleichzeitig eines der
Expeditionsmitglieder mit hundert Trägern zur Herbeischaffüng des
Gepäcks nach Lome gesandt . Die Entsamungs - und die Süemaschine
sollten noch einige Wochen an der Küste bleiben .
Brücken und Wege wurden auf ihre Passierbarkeit durch mit
elektrischer Kraft betriebene Fahrzeuge geprüft . Sie erwiesen sich
aber als zu eng , und die Expedition hatte für ihre Güter kein
anderes Beförderungsmittel als die Köpfe der Eingeborenen .
Im Laufe des Januar wurde die Farm geklärt und ungefähr
30 englische Morgen von Gras und Bäumen befreit . Bei dieser
Arbeit sowie bei dem Bau des Hauses zeigte sich die Einwohner¬
schaft des Ortes verwendbar . Das Ausroden der Wurzeln geschah
durch die Mitglieder der Expedition selbst , welche anfangs Februar
ihre Farm beziehen konnten , nachdem sie bis dahin in Ein -
gebornenHütten gelebt hatten .
Dem Eintreffen der Pferde wurde während des Januar mit
Sehnsucht entgegeUgesehen . Der stellvertretende Gouverneur Horn
stellte eine Erweiterung der Straße behufs der Ermöglichung ihrer
Benutzung durch Wagen in Aussicht . Infolgedessen wurde das
Hinaufbringen der schweren Gepäckteile noch verschoben . Ungefähr
die Hälfte der mitgeführten Güter lagerte zu Anfang Februar noch
, in Lome . Der Bericht der Expedition vom 3 . Februar spricht den
Wunsch aus , 400 engl . Pfund Kainit und 600 engl . Pfund Phos¬
phoroxyd für ihre Anbauversuche mit Baumwolle zu erhalten .
Am 23 . Februar langten die bestellten Pferde an . Während
die jungen Ochsen groß und stark waren , waren die Rosst von
kleinem Körperbau und machten den Eindruck , als ob sie nur für
geringe Arbeitsleistungen : fähig wären . Ein Ochse starb zwei Tage
nach seiner Ankunft , ein Pferd nach Ablauf einer Woche Die
: übrigen Tiere waren bis zum Abgang des letzten Berichts ( 3 März )
gesund . Noch in der ersten Märzwoche sollte mit ihrer Heran¬
ziehung zur Arbeit begonnen werden . Die Anlage der Farm nahm
einen raschen und netten Fortgang . Die Expeditivnsmitglieder
' blieben gesund und kräftig . - -
. Leider war ' im Februar der Tod des Herrn Thienemann
zu beklagen . Daraus ergaben sich Schwierigkeiten/bezüglich eines
Platzes für die ' Aufstellung der Baumwvllentsüfttmlgsmaschine .
> . Der Expeditionsführer entschied sich für die Aufstellung in der Agu »
pflanzung , da die Anlage in Tove nur auf ein Jahr berechnet ist