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Deutsche Kolonial zeitung .
Nr . 17 .
Er beabsichtigt , die hier geerntete Baumwolle auf Karren nach dort
zu schaffen und daselbst Zu reinigen . Die Straße vom Agu nach
Lome ist gut und ermöglicht einen leichten Transport nach der
Küste .
Außer dem Hause der Pflanzung wurden einige Wohnungen
für eingeborene Arbeiter und ein Pferdestall erbaut fowie ein
Ochsenkraal angelegt .
Die Erpedition befand sich anfangs März im Besitze sämtlicher
von ihr mitgeführten Güter , außer den Wagen und der Vaumwoll -
entsamungsmaschine . Diese sollten im März und April nachgebracht
werden .
Man beabsichtigte , bis zur . Regenzeit eine möglichst große
Fläche zu klären . Ein englischer Morgen sollte mit in Togo
heimischer Baumwolle bepflanzt werden , um deren Brauchbarkeit
festzustellen . E . Prager .
Kolomalsparkassen .
( Fortsetzung Ms Nr . 16 . )
Die Rechtsform der Kolonialsparkasse ist die der eingetragenen
Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht ; die Einheit des Geschäfts¬
anteils beträgt 100 dl f die daneben kraft Gesetzes bestehende Haft -
pflrchteinheit ebenfalls 100 di . Der Geschäftsanteil wird nach und
nach gebildet . Sofort beim Erwerb der Mitgliedschaft soll jedoch
der zehnte Teil davon eingezahll werden .
Im Jahre 1899 hatte das Mitglied monatlich mindestens .
1 dl auf den Geschäftsanteil zu zahlen ; daneben war ein Geschäfts - j
unkostenbeitrag von prozentual bestimmter Höhe zu entrichten , der
die Unkosten zu decken hatte . Statutengemäß muß jährlich eine
weitere Kapitaleinzahlung von 12 dl erfolgen . Wenn ein Anteil
von 100 di vollgezahlt ist , soll ein Weiter angefangen werden ,
dann ein dritter , und so fort . Solange jemand Mitglied ist , soll
er auch einzahlen . Das ist der Sparzwang .
Das Gesetz schreibt eine HöchstZahl der Anteile vor , die der
einzelne erwerben darf . Deshalb sind für den Anfang zehn Anteile
als Höchstzahl angesetzt . Es ist dabei erwogen , daß die Kolonial¬
sparkassen zunächst nur als Unterorgane eines größeren Vereins
wirken sollen , daß sie ihr Geld nicht selbst in Unternehmungen
außerhalb Deutschlands stecken , sondern bei dem Oberorgan , d . h .
einer lmMchaftlichen Kolonialkasse , entlegen und sich deshalb mit
einem 1000 ^ - Anteil dort beteiligen müssen . Deshalb werden in
der Regel 10 Teilnehmer nötig sein , um eine Kolonialsparkasse zu
bilden , die den Anschluß an eine obere Kasse nimmt . Es muß
jedoch ein angemeffes Verhältnis zwischen der jeweiligen Mitglieder¬
zahl und der jeweilig zulässigen Höchstzahl der Anteile bestehen ,
damit nicht durch den Austritt eines einzigen Mitgliedes die Kasse
in Frage gestellt werden kann . Eine Beteiligung über zehn Anteile
hinaus ist auch bei den Unierorganen nicht nötig . Wer mehr
entlegen will , kann es bei einer Verbandskasse thun , die 1000 dl
als Einheitssatz der Anteile vorsieht . Auch Uebertragungen werden
zulässig sein , aber nur an vorhandene oder an neue Mitglieder .
Damit Kapital und Zinsabwurf möglichst ganz von den Ver¬
waltungskosten unberührt bleiben können , sind neben den Ein¬
zahlungen auf das Anteilkapital noch Zuschüsse vorgesehen , die in
den ersten beiden Jahren der Mitgliedschaft 10 Prozent , in den
nächsten drei Jahren 5 Prozent des eingezahlten Anteils betragen .
Eine besondere Treupflicht der Genossen ist satzungsgemäß fest¬
gesetzt .
Die Anlegung der Gelder , die besonderen größeren Kassen zu¬
gewiesen wird , soll möglichst verteilt sein , nicht bloß örtlich und
länderweise , sondern auch nach Erwerbszweigen und Anlageart .
Je größere Kapitalmaffm mit der Zeit sich sammeln , desto sicherer
werden die Anlagen werden .
Es ist nicht daran gedacht , sich an beliebigen neuen Unter¬
nehmungen zu beteiligen , sondern es sollen von möglichst gut
fundierten älteren Unternehmungen ertragsfähige Anteile erworben
werden ; Anlagewerte aus unseren Kolonien kommen dabei vorerst
noch weniger in Betracht als ältere Plantagen - oder Handels -
gebiete des Südens und Ostens . Ein Teil der Anlagemittel wird
indessen auch den langsam oder gering rentierenden Unternehmungen
mit der Zeit zugewendet werden müssen .
Langsam steigende , gleichmäßige Rente soll das Ziel der
Kolonialsparkasse sein . Deshalb darf nicht auf rasche , hohe
Dividenden hingestrebt , sondern der Dividendeneifer muß gezügelt
werden . Die Generalversammlung hat gesetzlich das Recht , die
durch die Wirtschaft der Genossenschaft erzielten Gewinne auch
verteilen zu können ; um den Genossen die Möglichkeit eines Ein¬
flusses zu gewähren , soll statutengemäß von fünf zu fünf Jahren
auf Gewinnverteilung ganz oder teilweise verzichtet werden .
Da die Bildung einer größeren Zahl gleichartiger Kolonial¬
sparkassen in allen Teilen Deutschlands , mit der Zeit erstrebt
werden soll , so erscheint es rötlich , einen Verein festzuhalten , der
die Gleichartigkeit der Entwicklung verbürgt . Weimar , als erster
derartiger Verein , hat die Pflicht , eine solche einheitliche Entwick¬
lung zu sichern , und bezeichnet sich deshalb als Stammverein , der
satzungsgemäß besondere Rechte und Pflichten hat .
3 . Im Vorstehenden ist versucht worden , eine Darstellung der
Organisation und der Entwicklung der KolomalsparkafsL zu geben ;
es bleibt noch übrig , die Gedanken wiederzugeben , aus denen heraus
diese Entwicklung erfolgt ist .
Aus nationalen Interessen und uw unserer Kleinkapitalisten
willen ist es notwendig , den kleineren Geldmitteln den Zutritt zu
Geldanlagen in ausländischen und besonders in deutschkolonialen
Unternehmungen zu öffnen . Hierfür bedarf es eines Mittelgliedes ,
da die binnenländischen Erfahrungen und Kräfte der Kleinkapitalisten
auf diesem Gebiete zu gering sind . Außerdem ist ein gesunder
Uebergang notwendig und Schutz vor kapitalistischen Anzapfungen
des Auslandes . Aus diesem Grunde ist die Einführung von
20 dl ^ ntülm nicht zu empfehlen ; bei dem wechselnden Besitz von
20 ^ - Anteilen ist schon die Frage der Gewinnauszahlung an den
wirklichen Besitzer schwierig zu beantworten .
Ein großes Hindernis für koloniale Unternehmungen ist bisher
die Schwierigkeit gewesen , einmal genügende Kapitalien aufzu¬
bringen , sodann die rechten Leiter für den Verwaltungsdienst der
Gesellschaften iw Inland und Ausland zu finden { ? ) . Daher
müssen an einer Stelle die gewonnenen Verwaltungserfahrungen
der einzelnen Unternehmungen verglichen und planmäßig für die
Besitzer der Anlagewerte gegenüber den einzelnen Verwaltungen zur
Geltung gebracht werden . Das setzt aber eine ganz besondere Art
Besitz - oder Berwaltungsgemeinschaft voraus , die sich mit der Ver¬
waltung von Beteiligungen in einer größeren Mehrzahl von Unter¬
nehmungen befaßt , und die z . B . den Engländern für Inland - wie
Auslandwerte längst in den Investment ; tröste bekannt ist .
Der Aufbringung des Kapitals steht naturgemäß das er -
fahrungsmäßig hohe Verlustrisiko aller überseeischen Unternehmungen
abschreckend entgegen , das den einzelnen nach Ausgleichungen und
Selbstversicherung förmlich drängt . Dazu tritt noch die Langsam¬
keit und unberechenbare Schwankung in der Ertragsentwicklung .
Abhülfe wäre hier zu schaffen durch Gewährung von Zinsen für
die ertraglose Zeit vor der Gewinnerzielung ; dies ist im deutschen
Aktienrecht ja unter gewissen Bedingungen gestattet und im kolo¬
nialen Gesellschaftsrechte nicht verboten . Und ob die Gelder draußen
in ungeschickten Händen , durch Unglück oder in zu kühnen Wag¬
nissen zerfließen , oder ob ein Teil davon als Vergütung ( Bauzins )
für Kapitalüberlassung in die Hände der Kapitalisten zurückfließt ,
bleibt sich für scheiternde Unternehmungen völlig gleich ; erfolgreiche
dagegen können in der Regel den Bauzins recht wohl vertragen .
Wirtschaftlich ist es völlig korrekt , diese Zinsen dem veranlagten
Kapital hinzuzurechnen , und die Gesellschaftsleiter werden umsomehr
angespornt , bald Ertrag zu schaffen . Die Zahlung von solchen
Zinsen würde jedoch manchen Kapitalisten ängstlich machen und
bei neuen Gesellschaftsbildungen ohne Anlehnung an vorhandene
Finanzerfahrungen eine nicht sachgemäße Berechnung der Vor¬
bereitungskosten herbeiführen . Eben deshalb würden sich Sammel¬
punkte von kapitalistischer Interessenvertretung sehr heilsam er¬
weisen , die für eine Berechnung durch berufsmäßige Fachleute be¬
müht sind .
( Fortsetzung folgt . )