1801 .
Deutsche A o l o ni al ; e i t u ng .
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Aussichten - es Tabakbaues in Deutsch - Neuguinea .
Aus dem Schreiben eines deutschen Pflanzers auf Sumatra -
Vor einigen Tagen habe ich hier einen Herrn M . . . . aus
Muguinea kennen gelernt und mit ihm über Neuguinea gesprochen .
Derselbe bestätigte , was man hier ahnt , nämlich , daß Neuguinea
Kr die Tabakskultur ein vorzügliches Land sein muß .
Ich selbst habe eine 15 jährige Praxis hinter mir und kann
sagen , daß ich von der Tabakskultur Ziemlich was verstehe , und
auch ich bin der festen Ueberzeugung , daß „ in Neuguinea mit Tabak
Schätze zu verdienen sind , wenn sachverständig wie in Deli ge¬
arbeitet wird " . Ich habe mehrere Jahre hier Tabak auf altem ,
ganz ausgepflanztem Lande „ aus Keuguinea - Saat " gezogen und
ein geradezu wunderbares Produkt , dem allerbesten Deliblatt eben¬
bürtig , erhalten . Woran liegt es nun . daß Neuguinea selbst nicht
vorwärts kommt ?
Die großen Maatschappyen hier suchen immer und überall
nach neuem Lande , und in Neuguinea liegt der beste Boden brach .
Das ist ja traurig !
Sind denn in Neuguinea tüchtige , erfahrene Pflanzer ?
Keine Kunstgärtner , sondern Leute , die pflanzen , fermentieren
mh sortieren können auf Deli - Manier .
Sind dort Leute , die mit Chinesen und Javanen arbeiten
können ?
Arbeiten die Leute dort mit Berücksichtigung der Verhältnisse
oder erhalten sie ihre Ordres aus Berlin ?
Hier in Deli schüttelt man nur den Kopf und findet „ Alles "
unbegreiflich . Neuguinea könnte eine sogenannte Goldgrube sein
und statt dessen wird ein Heidengeld verschlampampt .
Z . B . höre ich , daß Attap aus Spore bezogen wird »
Warum nimmt man nicht Malayer zum machen ?
Javanen sind dazu weniger geschickt .
Warum nimmt man nicht gute chinesische Tandils und einen
kleinen „ Stamm " chinesischer Kulis von hier ?
Soviel ich mir zurecht mache , scheint die Ursache aller Mi߬
erfolge zu sein : „ Man kann in Neuguinea mit den Chinesen und
Javanen nicht umgehen ; man arbeitet nach Modell F aus Berlin ;
mb die Europäer in Neuguinea haben keinen Schimmer vom Tabak¬
pflanzen und Abarbeiten . "
Habe ich recht ?
Was nützt denn ein schönes Plantagchen mit hübschen Weg -
chen und . alles rechtwinklig und 4 . la Oolonne nach der . Mitte
„ bieder , fromm und stark " , wenn ich nicht billig erzeugten Tabak
teuer verkaufen kann und dazu viel von diesem guten Tabak auf
den Markt bringe ?
Herr M . . . der nicht weiß , daß ich diesen Brief schreibe ,
scheint ein tüchtiger Mann zu sein , der ordentlich aus seinen Augen
geguckt hat ; fragen Sie doch den , wo es fehlt !
Ich möchte gern auf eigene Kosten , ohne jede Vergütung nach
Neuguinea gehen , um mir die Sache anzusehen . Aber würde es
etwas nützen ? d . h . würde man sich in Berlin dazu verstehen können ,
nach Deli - Manier zu pflanzen ?
Es ist ja ewig schade um das Land !
Und der letzte Satz ist die Ursache , warum ich an Sie schreibe .
Es würde mich freuen , wenn sich jemand bemühte , mir Ant¬
wort zu geben . Angenehm wäre es mir , wenn diese Antwort durch
das Kaiserlich deutsche Konsulat in Med an an mich gelangte .
Wollen Sie einen kleinen Teil Ihrer Zeit dazu opfern ? Ich
glaube ein zukünftiges Resultat würde auch Ihnen Genugthuung
und Freude machen .
Der Handel Sansibars Mit dem deutsch -
osiafrikanrschrn Schutzgebiet .
Mach dem Handelsbericht des Kaiserlichen Konsulats für das Jahr 1899 . )
( Fortsetzung aus Nr . 16 . )
II . ,
Der afrikanische , aus dem Saft einer wildwachsenden Liane
( Landolphia ) gewonnene Kautschuk erlangt eine immer größere Be¬
deutung . Von dem besten , im Hinterlands von Kilwa - Kiwindje ge¬
wonnenen Erzeugnis kommt jedoch nur wenig nach Sansibar ; auch von
anderen deutschen Küstenplätzen wird viel unmittelbar nach Europa
verschifft , zumeist nach Hamburg , welches London , den früher be¬
deutendsten Ausfuhrplatz , überflügelt . Immerhin wurden nach San¬
sibar ein geführt :
überhaupt »
aus Deutsch - Ostafrika . .
aus Vritisch - Ostasrika
aus Portugiestsch - Ostafrika
1898 1899
Menge in
englischen Pfunden
249 823 322 521
188 373 242 643
24 515 63 289
86 945 16 589
1898 1899
Wert :
Rupien
459 707 606 474
349 900 465 256
43 202 113 862
66 605 27 356 .
Die Preise sind gestiegen und betragen für Donde - Kautschuk aus
dem Hinterland von Kilwa 36 bis 88 , für Nyuru - Kautschuk aus dem
Hinterland von Bagamoyo 36 , für Kautschuk aus Usaramo 33 bis 34 ,
für solchen aus den Nordbezirken und Vritisch - Ostasrika 29 bis 31 Dollars
für das Frafilah . Im Jahre 1900 ist indes ein erheblicher Aus¬
fall gegen früher zu erwarten .
An Kopal wurde für 257 617 ( im Vorjahre 265 838 ) Rupien von
Deutsch - Ostafrika nach Sansibar ausgeführt .
Schlachtvieh , Rinder , Schafe und Ziegen wurden für 227 246
Rupien nach Sansibar eingesührt ; zwei Drittel davon stammt von der
deutschen Küste , ebenso Häute im Werte von 67 802 Rupien .
Während die Menge und der Wert des eingeführten Elfenbeins
beinahe unverändert blieben , gewann infolge des FortschreitenS
der Ügandabahn der Anteil Vritifch - Ostafrikas eine erhöhte Be¬
deutung und kam dem der deutschen Kolonie , welche einen entsprechenden
Ausfall zeigt , beinahe gleich . An der Einfuhr waren beteiligt :
1898 1899 1898 1899
Englische Pfund nach Prozenten :
Deutsch - Ostafrika . . . , « . 188 094 133146 67,s 48,s
Vritisch - Ostafrika . . 68 558 116 814 22,9 42,6 .
Von dem Gesammiwert der Einfuhr entfielen auf Deutsch - Ostafrika
797 568 , auf BriLisch - Ostafrika 760 403 Rupien , und es ist anzunehmen ,
daß sich der britische Anteil mit dem Vordringen der
Ugandabahn noch erhöhen und den deutschen alsbald über¬
steigen wird .
Flußpferdzähne wurden für 35 339 ( im Vorjahre 34 776 )
Rupien , Rhinoceroshörner für 40 292 ( im Vorjahre 41 573 ) Rupien
aus Deutsch - Ostafrika nach Sansibar eingeführt ; Schildpatt im Werte
von 25 217 ( im Vorjahre 18 803 ) Rupien und Wachs im Werte von
9 511 ( im Vorjahre 69 030 ) Rupien .
An Geweben wurden nur geringe Mengen von der Küste nach
Sansibar eingesührt , dagegen ausgeführt von Sansibar nach der Küste
von :
1893 1899
Wert : Rupien
Deutsch - Ostafrika . . . . . 3063 400 2 886 886
Vritisch - Ostafrika . . . . . 686 618 612 275 .
Die Ausfuhr nach Vritisch - Ostafrika ist nicht unbeträchtlich zurückgegangen
und wrrd wohl noch mehr abnehmen , da die nach diesem Gebiete be
stimmten Waren zum großen Teil unmittelbar nach Mombassa , dem
Ausgangspunkte der Ugandabahn , befördert wurden . Voraussichtlich
wird sich der Handel Vritifch - Ostafrikas immer mehr von Sansibar un¬
abhängig machen und Mombassa , wo schon jetzt viele Firmen Nieder¬
lassungen begründet haben , der alleinige Mittelpunkt des brrtisch - ost -
afrikanischen Geschäfts werden .
Von Glasperlen wurden große Mengen aus Italien ( Venedig )
und Deutschland angebracht und nach Vritisch - Ostafrika und durch di ,
deutsche Kolonie nach Uganda befördert . Ausgeführt wurden ?
1898 1899
Rupien
überhaupt . . < 241 929 293 849
nach Deutsch - Ostafrika . . . 147 525 197 455
nach Vritisch - Ostasrika . . . 80 659 64 791
Das Geschäft ist in letzter Zeit zurückgegangen , da bei der Ugandabahn
die Bezahlung der Arbeiter in Geld eingeführt wurde und auch \ m
Innern Afrikas , besonders in Uganda , der Geldverkehr sich immer niHr
einbürgert . ( Schu tz folgte