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Deutsche RokonLakzeitunH.

Nr, 17

zum Nun ziehende Tal des Mu-Baches herunter führt. Kurz vor der Paßhöhe gewinnen wir nach Süden noch einen Blick auf das dritte der im Osten des Nun liegenden Vulkanmassive, auf den 18 km entfernten Batpit, dessen einer Gipfel den kleinen Kratersee Mfu trägt.

Unter Führung eines uns von Joja mitgegebenen Jägers verlassen wir gleich hinter dem Nko-Gam die große nach Bagam-Bamenda führende Straße und biegen nach Nordost, nach der kleinen Landschaft Kugam ab, um hier in den wild­reichen Sümpfen des Nun einen Tag dem Waidwerk obzuliegen.

In dem Dörfchen Jitabo, das noch eine Stunde vom Nun entfernt liegt, quälen uns schon in der Hellen Mittagssonne die Moskitos in grausamer Weise und lassen uns schon einen kleinen Vorgeschmack von dem bekommen, was uns heute Abend erst noch am Flusse selbst bevorsteht. Um 1 Uhr stehen wir beim Dorfe Mba am linken Ufer des Nun. Der Strom ist hier nur 100 m breit, hat aber auf beiden Seiten einen 1 V 2 km breiten Sumpsstreifen, dessen dunkles sattes Grün in dem gewaltigen gelblichen Grasmeer der Ebene stromauf und stromab weithin sichtbar ist. Ein kleiner in den Sumpf hinein­ragender Hügel wird zum Lagerplatz bestimmt und schnell durch eine Soldatenkette in Brand gesteckt; gaben wir uns doch der stillen Hoffnung hin, daß der frische Brandgeruch uns die stechenden Quälgeister etwas vom Halse halten würde. Nach dem Verlöschen des Brandes lassen wir neben unseren Zelten nur noch eine kleine Hütte für unsere Jungen erbauen, Soldaten, Träger und auch die Pferde bleiben unten im Dorf, damit die Mücken nicht durch die große uns umgebende Menschenmenge besonders angelockt werden.

Mit besonderer Sorgfalt wird heute das Bett revidiert, und ich hänge über mein täglich im Gebrauch befindliches Moskitonetz, das schon einige Schlupflöcher aufweist, noch ein zweites zur Reserve mitgesührtes.

Mit dem Karabiner in der Hand waten wir etwa zehn Minuten durch knietiefen Morast bis zu einer Stelle, wo einige elende, aus Palmrippen in der Form eines Bootes zusammen­gebundene, etwa 4 m lange und 8 / 4 m breite Flöße liegen. Diese Flöße, die kerne Borde haben, so daß bei der geringsten Wellenbewegung das Wasser über das Fahrzeug hinwegspült, werden von zwei Leuten mit langen Palmrippen-Stangen vorwärts geschoben und können nur einen Passagier tragen, der am Ende des Floffes auf einer zwei Hände breiten, niedrigen, fußbankartigen Erhöhung Platz nehmen muß, und zwar so, daß Oberkörper und Beine einen rechten Winkel bilden. Mus diesen richtigen Seelenverkäufern werden wir IV 4 Stunde lang durch den Sumpf gestakt und kommen in dem Graslabyrinth wiederholt nur mit den allergrößten Anstrengungen voran. Auf dem offenen Fluß eingetroffen, bekommen wir sehr bald eine Flußpferdherde zu Gesicht, und unsere Bootsleute durch Zeichensprache zur Eile antreibend, nehmen wir schnell die Verfolgung der Tiere auf. Nach einer halbstündigen erfolgreichen Jagd, die wir, mit dem Hinterteil unserer Fahrzeuge voransahrend, im Wasser kniend durch­führen müssen, kehren wir um und treffen gegen Abend wie gerädert im Lager wieder ein.

Kaum ist die Sonne unter dem Horizont verschwunden, da machen Millionen von Moskitos mobil und fallen über uns her, wir müssen vom Eßtisch weg die Flucht ergreifen und retten uns in unser Bett. Die Nacht war fürchterlich, denn trotz des doppelten Moskitonetzes gelangten ständig einzelne Mücken in den Bettkäfig, so daß die Jagd auf die­selben während der ganzen Nacht kem Ende nahm und an Schlafen natürlich nicht zu denken war. Deutlich hörte ich, wie die Schwärme um das Zelt geigten, und mit Ungeduld und in Schweiß gebadet sah ich dem kommenden Morgen ent­gegen. Doch auch diese Nacht erreichte ihr Ende, und die Gewißheit, nun bald wieder erlöst zu sein, ließ uns beim Früh­stück die letzten Attacken unserer Peiniger resigniert ertragen. Die Jungen, deren weiße Hosen durch die aus ihnen tot ^ge­schlagenen Mücken rot gemustert erschienen, und unsere Leute unten im Dorf, die vor Angst in die rußigen Dachböden der Hütten geklettert waren, hatten gleichfalls in der Nacht kein Auge zugemacht und jammerten in einem fort:Massa, them eountry is bad too much! R Vor dem Zusammenlegen der Zelte müssen die Innenseiten der Zeltbahnen, an denen die er­schöpften Nachtschwärmer beim Tageslicht zu Tausenden wie angeklebt hockten, mit Tüchern abgekehrt werden, damit am nächsten Abend die Quälerei nicht wieder von neuem beginne.

Da wir noch eine Pürsche auf Büffel unternehmen wollten, die Soldaten aber erst noch das Flußpserdflersch im Wasser zerteilen sollten, trennten wir uns von unserer Kolonne, nach­dem wir als Treffpunkt die einzige im Zuge der Straße Fumban-Bagam über den Nun führende Brücke bestimmt hatten. Um zwei Uhr kommen wir, ohne einen Büffel gesehen zu haben, auf unseren Rendezvousplatz an und warten Stunde um Stunde mit hungrigem Magen auf unsere Leute. Wir fahren noch einmal auf den Nun hinaus, der hier, zwischen niedrigen Felsenufern eingeengt, keine Sümpfe mehr bilden kann und vertreiben uns die Langeweile auf jetzt zusammen­gebundenem, durch eine aufgelegte Eingeborenenbettstelle bequem gemachtem Doppelboot mit einer Jagd auf Waffervögel, während der ich noch auf ein großes Krokodil zu Schuß komme. Der Reichtum der auf und an dem Nun lebenden Vögel ist ein ungeheurer, und mit jedem Schuß erheben sich ganze Schwärme der verschiedensten Arten in die Luft. Um fünf Uhr endlich rücken unsere Köche und Jungen an, sie melden, daß die Soldaten wegen der Fleischverteilung mit dem Häuptling von Mbo in Differenzen geraten seien und dem­zufolge erst keine Flöße bekommen hätten, und daß sie erst nach einigen Stunden eintreffen könnten. Die Qualen der letzten Nacht bestimmen uns, auf jeden Fall noch weiter zu reiten und durch einen kleinen Nachtmarsch das moskitofreie Galim-Bagam zu erreichen. Schnell werden mitten auf der Straße die Frühstückskörbe geleert, und nach Zurücklassung eines Postens, der den Soldaten und Trägern den Befehl übermitteln soll, unverzüglich nach Galim-Bagam zu folgen, traben wir beim letzten Lichte des scheidenden Tages über die feste Nun-Brücke, unter welcher der aus etwa 12 m eingeengte Fluß, schöne Schnellen bildend, pfeilschnell dahinschießt. In Galim-Bagam wird die schon im Schlafe liegende Bevölkerung wieder mobil gemacht, um Wasser und Feuerholz herbei­zubringen, und bald sitzen wir, mit Pferdedecken um den Schultern und einem Glase Grog in der Hand, vor einem lodernden Feuer und warten in der bitterkalten, durch das klare, bleiche Mondlicht und die roten Flammen und den gelben Feuerschein der Grasbrände gespenstisch erleuchteten Nacht auf die Ankunft unserer Leute. Um Mitternacht meldet ein 'Gefreiter, alles zur Stelle, und eine Stunde später liegt Galim-Bagam wieder im festen Schlaf.

Unser Weitermarsch führt uns durch eine leicht gewellte, öde und unbewohnte Ebene, aus der hier und da wenige 150 bis 200 Meter hohe isolierte Bergkuppen hervorragen. In Bagam, einem großen, im Schatten prächtiger Laubbäume gelegenen Dorfe, sage ich Leutnant von der Planitz, der zu­sammen mit Hauptmann Glauning für den bequemen und angenehmen Verlauf meiner Reise im Bamendabezirk in der liebenswürdigsten Weise gesorgt hatte, Lebewohl und wende mich nach Süden.

Die hügeligen, reich bewässerten, dicht bevölkerten und vorzüglich angebauten herrlichen Parklandschaften Bamendjinda, Babete und Batscham durchziehend, stoße ich am Morgen des 15. Dezember in Bagangu auf die von mir beim Hinmarsch nach Bamenda verfolgte große Straße und reite gegen Mittag wieder in die Station Dschang ein, wo eine Stunde vorher Oberleutnant Menzel von seiner Reise nach Bare in Begleitung Dr. Eckhards eingetroffen war.

Nach drei wohligen Ruhetagen, die ich unter anderem zur gründlichen Heilung meiner von Sandflöhen arg mit­genommenen Füße benutze, marschiere ich auf altem Wege in anderthalb Tagen nach Sandschu und in einem weiteren Tage auf neuem Wege quer über die zehn Marschstunden breite Mboebene nach dem auf dem Südrande des gebirgigen Hochlands gelegenen, noch zum Militärbezirk Dschang gehörenden Posten Bare.

Da in der Mboebene Elefanten noch ziemlich zahlreich Vorkommen, war ich von Sandschu um ^5 Uhr in nebeliger, finsterer Nacht mit brennenden Laternen abgerückt, um am Nkamfluß beim Morgengrauen mein Jagdglück zu versuchen, doch mein Pürschgang war vergebens, mehrere mir in der dunklen Nacht entgegenkommende Trägerkolonnen hatten mit ihrem lauten Geschrei, das sie gegen die herumstreifenden Elefanten und Büffel schützen sollte, mit Erfolg jeden Schwanz aus der Nähe der Straße verscheucht.

Hinter dem kleinen Unterkunftsdorfe Mboedu, das halb­wegs Sandschu und Bare am Maflüßchen erbaut ist, wird der Boden durch die vielen vom Nordhange des Manenguba- gebirges herunterkommenden, steil eingeschnittenen und aus