Organ der Deutschen Kolonialgesellschast.

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SchrLstleilung und Geschäftsstelle: Deutsche Rolonialgesellschuft, Berlin W Schellingstraße Nr.

Ur. 1. 20. Jahrgang. Berlin, 1. Januar 1903» Mer neuen Folge 16. Iahrg.

Inhalt.

Erster Teil. (Veröffentlichungen der Gesellschaft.) An die Abteilungen und Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellfchafl? Neue Abteilungen. Veränderungen in den Vorständen der Abteilungen. Zweiter Teil. (Unter Verantwortung des Schriftleiters.) Rückblick und Ausblick. Ausschließung und Entwicklung der Kolonie Kamerun in den Jabren 1901 und 1902. Unzufriedene Ansiedler auf Samoa. Zur Kenntnis der Marianen. Von H. Seidel, Berlin. Von den deutschen Kolonialgesellschaften: Westafrikanische Pflanzungs-GesellschastBibundi" Hamburg. Koloniale Bestrebungen fremder Völker. Frankreich: Die Neuordnung des General­gouvernements non~ Französisch-Weftafrika, Portugal: Eine große Kolonialbalm. Don Carl Singel mann. Litteratur. Besprechungen: Die Samoa-Inseln. Von Marinestabsarzt Dr. A. Krämer. Die Bagdadbahn und das Schwäbische Bauern- element in Transkaukasien und Palästina. Von Dr. jur. Hugo Grothe. Die wirtschaftliche Bedeutung Westasiens. Von Dr. Paul Rohrbach. Aus den Ab­teilungen. Die deutschen Kriegsschiffe und Ablösungstransportdampfer im. Auslande. Verkehrsnachrichten.

Bezrrgsbednrgmrgerr am Schluß des redaktionelle» Teils.

Erster Teil.

(Veröffentlichungen der Gesellschaft)

An die Abteilungen und Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschast!

Während des südafrikanischen Krieges und nach dessen Beendigung hat sich die Hülssbereitschast des deutschen Volkes zu Gunsten der verwundeten und notleidenden Buren in reichem Maße bethütigt. Zu Gunsten der deutschen Bauernkolonien in den früheren Burensreistaaten regt sich erst seit kurzem die deutsche Hülssthätigkeit. Diese deutschen Kolonisten haben im Kriege heldenmütig und unter schweren Berlusten an der Seite der Buren gekämpft, ihr LoS ist ungleich härter als das der letzteren, für welche sowohl von seiten der siegreichen Engländer als auch durch deutsche Hülssthätigkeit gesorgt wird» Ich bin daher überzeugt, daß auch die Abteilungen und Mitglieder der Deutschen Kolonialgesellschast gerne dazu beitragen werden, daß diesen Volksgenossen, die ihr Deutschtum treu bewahrt haben, die Möglichkeit, wirtschaftlich weiter zu bestehen, geboten werden kann.

Aber neben dieser Aufgabe giebt es in Südafrika noch eine andere, welche berechtigten Anspruch stellt an die Opfer­willigkeit der Kolonialsreunde. In dem so wichtigen Handels- Mittelpunkte Johannesburg nahm das Deutschtum bis zum Kriege eine wirtschaftlich bedeutsame und gesellschaftlich geachtete Stellung ein. Unsere Landsleute, die sich dort eine Existenz geschaffen hatten, und die Vertreter der großen deutschen Exportfirmen an diesem Platze hatten sich Geltung auch in wirtschaftlicher Hinsicht gerade dadurch errungen, daß sie nicht nur selbst ihr Volkstum nicht Preisgaben, sondern gleich­zeitig dafür sorgten, daß die ärmeren und schwächeren Volks­

genossen dem Deutschtum erhalten, wirtschaftlich gekräftigt und in Fällen der Krankheit und des Mangels unterstützt wurden. Zu diesem Zwecke schufen sie unter großen persönlichen Opfern zwei Einrichtungen, die sich vortrefflich bewährt haben: den deutschen Hülfsverein und die deutsche Schule. Nachdem der Krieg die, welche bisher in so hochherziger Weise Unter­stützungen gegeben hatten, selbst unterstützungsbedürftig gemacht hat, find Hülfsverein und Schule für letztere ist bereits vor einem Jahre von unserer Gesellschaft in Gemeinschaft mit dem befreundeten Allgemeinen Deutschen Schulverein gesammelt worden in einem Augenblick in ihrem Bestände gefährdet, in dem die Erfüllung der ihnen obliegenden Aufgaben not­wendiger ist als je zuvor. Solange das britische und nieder­ländische Element um die Herrschaft rangen, bedurften beide des deutschen, und letzteres war wirtschaftlich stark und dadurch unabhängiger und leichter in der Lage, auch feine idealen Güter zu wahren. Eine Unterstützung aus der Heimat ist nicht nur aus vaterländischen und allgemein menschlichen Rücksichten geboten, sondern auch aus der rein praktischen Erwägung der Förderung unserer weltwirtschaftlichen Interessen. Wenn wir die uns wirtschaftlich zukommende Stellung auf dem südafrikanischen Markte erringen wollen, so dürfen wir die Volksgenossen nicht preisgeben, welche dort bisher als Pioniere unseres Handels mit deutschem Fleiß und deutscher Intelligenz thäüg waren.

An die Abteilungen und Mitglieder der Deutschen Kolonial­gesellschast richte ich daher die herzliche Bittte, für die deutschen Bauernkolonien in Südafrika sowohl als auch für die Deutschen Johannesburgs selbst einen Beitrag zu gewahren und in weiteren Kreisen solche Beitrüge zu sammeln. Das Ergebnis der Sammlungen bitte ich der Hauptkasse der Gesellschaft, Berlin W. 9, Schellingstraße 4, zu übermitteln.

Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschüft.

Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg.

Neue Abteilungen»

Naumburg a. S. Gegründet 20. Dezember 1902. Tsingtau. Schriftführer: Dr. Krieger- _ ___

Veränderungen in den Vorständen der Abteilungen.

Arnstadt. Jetziger Vorstand: Vorsitzender: Mühlenbesitzer Joh. Woltersdorf; Schriftführer: Kaufmann Rich. Krapp; Schatzmeister: Fabrikbesitzer Kolbe. Bruchsal. Der Vorsitzende, Oberleutnant