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Deutsche Ro lonralzer tu na .
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Staaten , nach Sierra Leone entsandt . Im übrigen wird aus West¬
afrika in englischen Blättern von großen Erfolgen beim Baumwollbau
berichtet . Eine vom Gouverneur von Gambia nach England gesandte
Baumwollprobe soll den besten amerikanischen Sorten nicht nachstehen .
Äon den Behörden im englischen Nachbargebiete unserer Togokolonie
und im übrigen englischen Westafrika wird der Baumwollbau eifrig
befördert ; man ist voll Hoffnung und sieht nur in der Arbeiterfrage
Schwierigkeiten . Indessen glaubt man , wenn die Eingeborenen West¬
afrikas nicht zur Arbeit zu bringen seien , diese Schwierigkeit leicht
dadurch beseitigen zu können , daß man farbige Arbeiter aus den
Vereinigten Staaten in großer Zahl nach Westafrika einführen könne .
Genannte Vereinigung beschränkt sich übrigens nicht auf Westafrika ,
sondern unternimmt auch Baumwollbauversuche in West - Indien .
Baumwollbau uud andere Kulturen in Togo .
Auf die große Wichtigkeit der Baumwollkultur für unsere Kolonien
muß wieder und immer wieder hingewiesen werden . Jetzt liefert
Amerika etwa 2 / s des Gesamt - und etwa 3 / 4 des deutschen Baumwoll -
bedarfs . Im Jahre 1901 bezog Deutschland aus den Vereinigten
Staaten für 288 Millionen Mark Baumwolle .
Die „ Deutsche Togo - Gesellschaft " wird neben dem Kolonial - Wirt¬
schaftlichen Komitee der Baumwollkultur ihre besondere Aufmerksamkeit
zuwenden und festzustellen suchen , ob die Baumwollkultur für euro¬
päische Gesellschaften rentabel genug sein wird ; daneben aber wird sie
sich der Kakao - und Kautschukkultur sowie dem Anbau von
Kolanüsse n zuwenden . Was die Palmenkultur anbetrifft , so besitzt
die Plantage Kpeme 136 000 Palmen und rechnet für das Jahr 1905
schon auf 85 000 tragende Palmen .
Professor Marburg äußert sich tu dem dort uns bereits erwähnten
Neujahrsartikel dahin , er sei der festen Ueberzengung , daß gerade die
Kolakultur ein sehr wichtiger Zweig der zukünftigen Landwirtschaft
Togos zu werden berufen sei . Auch die Fortführung der Tabak¬
bauversuche sowie die Auspflanzung guter Varietäten der Oelpalme
wird ins Auge gefaßt werden .
Karnerntü ^
1 Kakao bau ttt Kamerun .
lieber die Fortschritte im Anbau des Kakaos äußert sich der
„ Tropenpflanzer " sehr günstig : „ Die ganze Kultur - und Erntemelhode
hat sich sichtlich und bedeutend verbessert , die Frage der Schatten -
büitme und der richtigen Gärung ist so gut wie gelöst , die Arbeiter¬
frage hat ihre Schrecken verloren und scheint gleichfalls einer desim -
tiven Lösung entgegenzugehen , die Ernährung der Arbeiter ist be¬
deutend besser und dabei billiger geworden , und auch die für die
von der Küste entfernter gelegenen Pflanzungen so wichtige Trans¬
portfrage ist durch den Beginn des Eisenbahnbaues nach Buea einer
befriedigenden Lösung näher geführt worden . Wenn in dieser Saison
schon über 10 000 Sack ( Zentner ) Kakao geerntet sind , so werden die
nächsten Jahre zweifellos weit bedeutendere Quantitäten bringen .
Man darf wohl eine Verdreifachung der Ernten in wenigen Jahrerl
erwarten , da . von den zwei Millionerl aus gepflanzt er Kakaobäume
die meisten schon in wenigen Jahren ihr tragfähiges Alter erreichen ,
in dem sie im Durchschnitt 1 kg Kakao per Baum geben . "
Ein neuer Kataoschädling .
Bei der Schätzung des zukünftigen Ertrages der Kakaopflanzungen
in Kamerun bemerkt Professor Marburg , es sei bei dieser günstigen
Schätzung freilich die Hauptsache , daß die jetzt in beängstigender
Weise auftretende Rindenwanze keinen Strich durch die Rechnung
macht ; dieser ganz neue Kakaoschädliug hat sich nämlich schon in
mehreren Pflanzungen eingenistet , nicht nur in einjährigen , sondern
auch in zweijährigen und älteren Bestall den , und behindert nicht nur
die Fruchtreife , sondern schädigt die Pflanzen derart , daß Tausende
von Bäumen auf den Stämluen gekappt werden mußten . Glücklicher¬
weise hat man in dem Bestreichen der Stämme mit Kalk wenigstens
für die Trockenzeit ein brauchbares Bekämpfungsmittel des Schäd¬
lings gefunden .
Es ist dies zwar der gefährlichste , aber nicht der einzige Schädling ;
so z . B . befallt auf einigen Plantagen ein Pilz die Früchte vom Stengel
her , auch sind hier und da Wurzelpilze in geringerem Maße , schädlich .
Immerhin erfreut sich der Kameruner Kakao im Vergleich zu den
südasiatischen Pflanzungen einer recht guten Gesundheit .
Sudwestnfrrka . I und Telephon .
An die zu Weihnachten in Windhuk eröffnete Fernsprecheinrichtung
find bereits 30 ' Teilnehmer angeschloffen .
Die von der Eisenbahnstation Karibib über Omaruru nach Ontjo
führende Fahrpost hat in letzterem Orte Anschluß an die Botenpost
nach Otavi . Auf der über 200 km langen Strecke Karibib — Ontjo
verkehrt die Karrenpost vierzehntägig und daneben noch eine Botenpost ,
ebenfalls vierzehntägig . Die Verbindung zwischen Swakopmund und
dem nördlichen Teile des Schutzgebietes ( Otavi und Grootfontein ) hat
durch diese Einrichtung eine bedeutende Verbesserung erfahren .
Osta frika j Hanfknttnren in Ostafrika .
lieber Mauritiushanf und die Sisalagave . die hauptsächlich in
den tief gelegenen ostafrikanischen Pflanzungen seit einigen Jahren ,
in Masse kultiviert werden , berichtet der „ Tropenpflanzer " , daß die .
Westdeutsche Handels - und Plantagengesellschaft 220000 Mauritius -
und 70 000 Sisalagaven besitzt . Die D e u i s ch - O sta fri ka ni s ch e Gesellschaft
hatte am 1 . Juni 1902 sogar schon 1 600 000 Sisalagaven auf der
Pflanzung Kikogwe - Mwera stehen , von denen ein Teil seit 1901 schon
das erntefähige Alter erreicht hatte ; auch die Deutsch - Ostafrikanische
Plantagengesellschaft wirst sich in Lewa immer mehr auf den Agaven¬
ban , während die Deutsche Agavengesellschaft sich in Buschirihof fast
ausschließlich mit dieser Kultur befaßt .
Kokospalmen in Ostafrika .
In einem Ausblick auf das neue Jahr äußert sich Professor
Marburg im Tropenpflanzer dahin , daß die Kultur der Kokospalme
sich zwar nur unbedeutend vergrößert , daß aber jetzt bald die ältesten
Pflanzungen in die Periode der Tragfähigkeit treten ; so erwartet die
Westdeutsche Handels - und Plantagengesellschaft schon in diesem Jahre ,
eine Ernte Kopra von ihrer Pflanzung Kiomoni , und die Deutsch -
Ostafrikanische Gesellschaft , die in Muoa über 200000 Kokospalmen
stehen hat , davon drei Viertel schon vierjährig oder älter , dürfte
gleichfalls bald Erträge erzielen .
Katttschrrkkultrrren in Ostafrika .
Die Kautschukkultur bürgert sich , wie Professor Marburg im .
Tropenpflanzer aus führt , in Deutsch - Ostasrika nur sehr langsam ein »
Es liegt dies daran , daß man noch keine recht paffende Kautschuk¬
pflanze für dieses Land kennt ; die Kaffeepflanzungen der Gebirge von
Handei sind für Castillo a und Hevea zu hoch gelegen , die tief
liegenden Pflanzungen , wie man befürchtet , für diese Pflanze zu
trocken ; dem Cearaka utschuk traute man bisher in bezug
auf Ergiebigkeit nicht - Mascarenhasia verlangt in dem re¬
lativ trockenen Klinta Ostafrikas int Gegensatz zu Kamerun fenchtett
Boden , ist also dort für große Pflanzungen nicht geeignet
und die Kickxia kennt man in Bezug auf ihre Ansprüche
in trockenen Gegenden noch nicht ; die Landolph ia arten wachsen
natürlich gut , doch bezweifelt man mit Recht die Rentabilität ihrer
Kultur . Daß die Ficus elastica in den tieferen Gegenden wegen
der langen Trockenzeit keine befriedigenden Resultate geben
wird , ist anzunehmen ; in der Zone des arabischen Kaffees
gedeiht dieser Kautschukbaum ohne Zweifel gut , doch wird
er vermutlich dort nicht schnell wachsen ; immerhin sollte man
die Versuche sowohl mit ihm als auch mit Kickxia in den
Kaffeepflanzungen weiter ausdehnen , während für die tief liegenden
Gegenden doch nach den neuerdings in der Regierungspflanzung
Donde Li Wale erzielten Resultate die Chance auf Rentabilität der
Kultur von Manihot Glaziovli gewachsen ist : die Sigipflanzungs -
gesellschaft hat denn auch schon im letzten Jahre 6000 Ceara -
kautschukbäume angepflanzt , ebenso hat die Westdeutsche Handels¬
und Plantagengesellschast den Anbau dieser Kautschukpflanze fort »
gesetzt ; auch die . Deutsch - Ostafrikanische Plantagengesellschaft besitzt
eine nicht unbeträchtliche Ceara - Kautschukpflanzung in Lewa , die .
schon die erste Ernte gegeben hat .
Samoa . ! Born Vulkanausbruch auf . Savaii .
Nach einem amtlichen Bericht des Gouverneurs von Samoa vom
22 . Novetnber 1902 , veröffentlicht im amtlichen Kolonialblatt , war über
dem Vulkan auf Savaii seit einiger Zeit nur noch Rauch sichtbar .
Der letzte Feuerausbruch wurde in der Nacht vom 11 . November
beobachtet . Am 21 . November gegen 4 Uhr früh machte sich in
Safotu an der Nordküste Savaiis ein heftiges Erdbeben bemerkbar ,
das etwa 30 Sekunden dauerte , ohne Schaden anzurichten . Zehn
Minuten später folgte ein zweiter , leichterer Stoß und daun noch
ein leichtes , kaum merkliches Beben .
Ki aut schou . s
Besuch des Gouverneurs Chonfn .
Die „ Deutsch - Asiatische Warte " uud der „ Ostasiatische Lloyd " be¬
richten eingehend über den Besuch des chinesischen Gouverneurs der
Provinz Schantung , Ch o ufu , in Tsingtau . Nach der Deutsch - Asiatischen
Warte traf Choufu am 7 . Dezember mit dem Kreuzer Hai - Tschen in
Tsingtau ein und wurde mit aller Förmlichkeit durch Vertreter des
Gouverneurs ( Korvettenkapitän Funke und Oberleutnant Schell ) cm
Bord des Schiffes begrüßt und unter den üblichen Ehren von unfern
Gouverneur empfangen und bewirtet . Cho ufu besichtigte mit lebhaftem