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Deutsche Aslsnlalzertuug.
Nr. 48
Ubangi-Zipfel, da er den Ubangi in einer Gegend berührt, die nach den vorliegenden Berichten fast immer überschwemmt und erst von dem französisch bleibenden Mongo- umba an für eine perennierende Schiffahrt geeignet ist. Der Kongozipfel bringt uns, was immerhin wertvoll ist, in den Besitz des ganzen SLromlauss des von Bania an schiffbaren Manga bis zur Einmündung in den Kongo.
Nachdrücklich st will ich darauf Hinweisen, daß mit der Kameruner Gebietserweiterung dem in bescheidenem Maße Genüge getan wird, worauf unsere afrikanische Politik in ihren Anfängen und natürlichen Grund- zügen eingestellt worden ist, die wir aber dann in der unseligen Zeit Caprivischer Kolonialmüdigkeit preisgegeben haben. Als 1884 die sogenannte „Große Teilung von Afrika" vor sich ging, mußte Frankreich auf das Kongodelta und Stanley Pool verzichten. Als wir von Kamerun nach dem Kongo zustrebten, kam uns Brazza, der Begründer von Französisch-Kongo, mit der Besitzergreifung des Sangamündungsgebietes zuvor. Noch einmal war uns die Gelegenheit zu einer großzügigen Verkehrs- und Machtpolitik gegeben, als die Engländer 1893 die Haussaländer gewannen und uns durch das Berlin-Londoner Abkommen 1893 die Ausdehnung nach dem Nilquellengebiet zugefichert wurde. Aber vor den französischen Ansprüchen wichen wir damals zaghaft Zurück und das Protokoll vom 15. März 1894 kapselte Kamerun in seiner bisherigen Form ein und unterband ihm die natürlichen, Fühlung mit dem Kongo suchenden Atmungsorgane. Jetzt werden die Fesseln wenigstens an zwei Stellen ourchbrochen, und Kamerun tritt aus seiner Isolierung heraus und gewinnt unmittelbare Fühlung mit dem Zukunftsreichen Kong obecken und mittelbare Fühlung mit Deut sch-Ostasrika. Der englischen Gefahr, zwischen unsere Besitzungen am Atlantischen und Indischen Ozean einen undurchdringlichen Keil vom Kap bis zum Nil zu treiben, ist die Spitze gebrochen.
Ein bedeutungsvoller Einsatz im afrikanischen Kampfspiel der Weltmächte, in dem es heute mehr denn je gilt, die Gewichte und Einflüsse der interkolonialen Bindungen, Funktionen und Korrelate zu werten und zu nützen, ist gewonnen: darin liegt gleichsam das Aufgeld des marokkanischen „ Ausgleich ge sch ästes", wie von Mackay sehr richtig sagt.
Unser harren in Neukamerun eine große Menge Aufgaben. Als Kolonisatoren stehen die Franzosen offenbar hinter Engländern und Deutschen zurück. Aus dem Kongogebiet hat Frankreich noch nichts Zu machen verstanden. Das ganze Kolonialgebiet ist rückständig. Alle Kulturen sind von den Franzosen vernachlässigt mit Ausnahme des Kautschuk-Raubbaues.
Das Erbe der mehr oder minder berüchtigten Konzess io ns gesell sch asten haben wir angetreten und damit für uns eine große wirtschaftliche Belastung übernommen. Das ist eine der Schattenseiten des neuen Abkommens, zu denen in gewissem Grade noch die Etappen- stratze, sodann die ausgedehnte Grenze und vor allem die Schlafkrankheit gehören. Wenn wir auch die berechtigte Hoffnung haben, mit unserer bewährten deutschen Zähigkeit durchznhalten und schließlich doch zu einem befriedigenden Ziel zu gelangen, so dürste uns doch die ganze Kultivierung eine bedeutende Summe an Zeit und Geld kosten, deren Abschätzung uns jetzt noch gar nicht möglich ist.
Das nächste, wohin wir zu steuern haben, ist die bessere Gestaltung des Eingeborenenlofes. Die Kameruner Greuznachbarn im Osten kennen unsere menschenwürdigere Behandlung der Eingeborenen; in Scharen sind die Eingeborenen über die deutsch - französische Grenze nach Kamerun eingewandert und früher stark bevölkerte und blühende Gegenden sind teilweise entvölkert, teilweise verödet; es sei nur an das Gebiet von Kunde erinnert. Unsere Eingeborenenpolitik ist nicht immer die richtigen Pfade gewandelt, aber sie hat doch schon mancherlei Gutes geschaffen. Dabei möchte ich im Hinblick auf Marokko bemerken, daß die Schwarzen sich immerhin noch besser regieren lassen, als Araber und Berber. Tie schwarze Raffe ist, um mit Nietzsche zu reden,- eine tragsame Eselin, wenn nicht immer, so doch noch auf lange hinaus zum Beherrschtsein durch Europäer aeboren.
Die Handelsfreiheit auf dem Kongo und seinen schiffbaren Nebenflüssen strikte durchzusühren, ist zunächst
unsere vornehmste Ausgabe und alsbald eine Kommission zu entsenden, die den Konzessionsgesellschaften in der Ausbeute an Kautschuk und Wild scharf auf die Finger sieht. Auch den Eingeborenen ist endlich die Handelsfreiheit zu gewähren, die allerdings mit kleinen aber humanen an Ort und Stelle gegebenen Einschränkungen zu handhaben ist. All diesen Wünschen gibt ja die Resolution des Ausschusses einen knappen, klaren und treffenden Ausdruck.
Am Schluß meiner Ausführungen angelangt muß ich als Geograph noch kurz der neuen Grenze gedenken. Schon beim ersten Anblick erkennt man, daß da weder ein Geograph noch ein Kartograph mitgeholfen hat. Ja, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als ob der Linienzug auf ganz veraltetem Karten material eingezeichnet sei, denn weder nimmt er auf natürliche Grenze noch auf die Völkerschaften Rücksicht, verwaltungstechnisch bietet die neue Grenze die größten Schwierigkeiten. Auch der Reichskanzler hat sich dem nicht verschlossen. Er erwidert aber in seiner bekannten Reichstagsrede: „Um diese Schwierigkeiten zu mildern, ist der Grenzkommission zur Absteckung der Grenze ein weiter Spielraum gelassen. Sie soll insbesondere auf die natürlichen Grenzen und die Zusammengehörigkeit der Eingeborenen Rücksicht nehmen. Sie soll zu diesem Zweck das Recht haben, bald zugunsten des einen, bald zugunsten des anderen Teils von der in großen Zügen vertraglich festgelegten Grenze abzuweichen. Sie hat nur daraus zu achten, daß im Gesamtergebnis die Abweichungen sich wieder ausgleichem" Meine Herren, mag dieser Spielraum nur ja recht weit sein, damit wir von dem wertvollsten Teil von Gabon recht viel erhalten und der Ubangi-Zipsel soweit wie möglich noch nach Süden verschoben wird. Der dritte Zipfel voll der Südostecke der spanischen Gebiete bis zur Mondabai bliebe nicht bloß ein Unikum, sondern in seiner jetzigen Gestalt ein total wirtschaftlich belangloses Glied. Selbst ein Durchgang von einigen Kilometern Breite an der spanischen Südostecke könnte nur wenig die von der politischen Grenze bedingte wirtschaftliche Schwäche beheben. Wir hoffen aber, daß es unser Diplomatie gelingen wird, dem Zipfel die nötige Abrundung und Erweiterung zu geben, wie es für die wirtschaftliche Entwicklung jenes Gebietes unerläßlich ist.
Als seinerzeit die deutsch-französische Grenzkommission, die deutscherseits unter der Leitung des Hauptmann von Seefried stand und französischerseits unter Major Moll, bei der Arbeit war, habe ich an einigen Stellen, so in unserer „Kolonialzeitung", in dem Jahrbuch über die deutschen Kolonien daraus aufmerksam gemacht, daß auf seiten der Franzosen sich noch der Forscher Brurreaux befand, der sich im Aufträge der geographischen Gesellschaft zu Paris mit geographischen und geologischen Studien befaßte. Auf deutscher Seite sahen wir unter den Mitgliedern der Expedition nur einen Topographen. Ich sagte damals: Es scheint sich diese Wahrnehmung allmählich zu einem Erbübel unsererseits auszuwachsen, daß den deutschen Grenzkommissionen kein Geograph vom Fach Zugesellt wird. Mag die neue Kameruner Grenzregulierung uns Gelegenheit geben, dieses alte Nebel auszurotten. Vielleicht kann auch von seiten unserer Gesellschaft nach dieser Richtung hin eine Anregung an die Regierung ergehen.
Meine Herren! Damit will ich schließen. Hoffentlich geben meine Darlegungen eine Basis, die unsere Verhandlungen hier erleichtern und schnell fördern. Der Ehre unseres Vaterlandes, dem Ansehen unserer Gesellschaft galten unsere Worte.
Wir sind es unserem Volk schuldig, als emporstrebende Weltmacht zu fordern, daß uns der nötige Raum der Entwicklung auf unserem Erdball gegeben wird, und das vorzüglich im Hinblick aus den sich gewaltig steigernden Handelsverkehr, der in wenigen Jahren den englischen überflügelt haben dürfte, und im Hinblick aus den gewaltigen Wachstums koeffiziZn Len unserer Bevölkerung, dem gegenüber der englische nur mäßig und der französische gleich Null ist. Wir müssen, wenn wir weiter existieren wollen, Ellenbogenfreiheit haben, und sollte Zuletzt auch heißen: Right or wrong, my country! ' Deutschland über alles! (Lebhafter Beifall.)

