Was schert's mich heut', 6h morgen ich gestorben, Nichts soll mir trüben heat' den Sinn. Wem morgens schon die Sorg' den Tag verdorben, Der geh* nicht hin."

So sollte ein Jeder denken, der zu einem Ausflüge nach Suellaba den Fuss auf die Barkasse setzt. Alle Alltagssorgen hinter sich lassend, muss eine Stimmung vorherrschend sein, wie sie etwa in der Heimat ausgelöst wird, wenn man zu einerPfingsttour" die ersten Schritte ia den jungen Maientag tut.

Wie auch die Jahr« dahineilen, wie auch das Leben in unserer Kolonie merklich an­dere Formin annimmt und andere, meinet­wegen, auch bessere Anschauungen Platz greifen, der ältere Kameruner, der Schritt Jv-rU» is& Jsa4wickelung miterlebt hat und sich derselben freut, kann doch kaum ein leises Bedauern unterdrücken, wenn er an diealten Zeiten" zurückdenkt.

Wie etwa in der*Heimat die alten Leute 4ie rückliegende Zeit als die unbedingt bes­sere betrachten (ausgenommen natürlich den Söhnen und Töchtern gegenüber, denen die Sorgen der eigenen Jugendjahre möglichst nahe an das Gewissen gerückt werden und denen es nie genug erzählt werden kann, wie gut sie es heute haben und wie schlecht es damals für solch' junges Volk war) ähn­lich wird auch wohl Jeder, der hier längere .Zeit tätig war und dem die Zeit bei der sprunghaften, allüberall zugleich einsetzen­den kolonialen Kulturarbeit wie im Fluge dahingegangen, der rückliegenden Jahre ge­denken, die an sich in nebelhafte Ferne ge­rückt, meist nur die z. T. lustigen z. T. tra­gischen Erlebnisse als etwas Wesentliches hervortreten lassen.

Erinnerungen und besonders lustige Er­örterungen sind erworbenes Qut, von dem der Mensch gerne zehrt und von dein er

ferne Anderen mitteilt. Und ein besonderer lerkstein solcher Erinnerungen wird für Viele, denen Gelegenheit hiezu geboten war, der Aufenthalt in Suellaba sein. Kann doch hier wie nirgends anderswo die Sorglosigkeit und der Uebermut sich breit machen. Völlig abgeschlossen von dem treibenden und drän­genden Strom , rastloser Arbeit unserer Grosstadt" kann hier ein Jeder seinen Neigungen leben, vorausgesetzt, dass seine Ansprüche nicht über den Rahmen afrikani­scher DurchschnittsmÖglichkeit hinausgehen.

Er findet herrlichste Gelegenheit zum Baden, zur Jagd und zum Fischfang. Schat­tige Waldwege gestatten ausgiebige Spazier­gänge. Dem Sammler bietet sich genügend Gelegenheit, seine Sammlungen durch präch­tige Stücke aus dem afrikanischen Tier- und Pflanzenreich zu bereichern. Kanu- und Segelfahrten sind oft und gern von den Pensionären des Sanatoriums unternommen worden.

Wenn auch die landschaftlichen Schön­heiten Suellaba's an sich nicht gerade über­wältigend sind, so gibt es dort doch auch Stimmungsbilder von packendem Reiz; so z. B. wenn in den Uebergangszeiten in den Spätnachmittagstunden die Sonne wie ein glühender Ball am Himmel hängt, die Rie­senkuppen des Kamerunberges mit unbe­schreiblicher Farbenglut überstrahlend. Zit­ternde, rotglühende, in der Brandung sieh zu Flammengarben verdichtende Reflexe liegen über dem weiten Meer. Aus blaugrauem Dunst drängt sich das Bergmassiv Fernan­do Poo's in das Bild Nach und nach er­blassen die Farben, bis die Sonne, seine Kon­turen in hellem Feuer zeichnend, langsam hinter der Kuppe des grossen Kamerun- berges verschwindet. Aach in. den Morgen­

stunden, wenn die Natur rings erwacht und damit das Leben und Weben des afrikani­schen Urwaldes einsetzt, wenn. Scharen schwatzender und lärmender Papageien über die Landzunge hinziehen und riesige Fisch­adler, auf Beute ausgehend, durch die stille, klare Luft streichen, ist es schön in Suel­laba.

In den Morgenstunden ist das Seebad, das dem Sanatorium seinen charakteristischen eigenen Reiz verleiht und ohne das die ganze Anlage überhaupt nicht denkbar wäre, besonders angenehm und wohltuend, zumal da die Temperatur des Wassers dann die Aussentemperatur meist um einige Grade übersteigt. Freilig ziehen viele Pensionäre es vor, die für afrikanische Küstenplätze verhältnismässig kühlen Morgenstunden im warmen Bett zu verbringen: chacun ä son göut!

Wie mancher Rekonvalescent nach schwe­rer -Krankheit fand in Suellaba endgültige Genesung, wie manchem gereichte es zur Freude, selbst am eigenen Leibe konstatieren zu können, dass ihn das tückische Klima noch nicht ganz bezwungen, wenn die ver­lorenen Kräfte sichtlich mit jedem Tag zurückkehrten and mit ihnen die Freude am Leben und Weiterarbeiten. Und welche Won­ne war es für ihn, die neuen Kräfte ia den nervenstärkenden Wellen der immer branden­den See zu erproben. Man muss Rekonvales­cent gewesen sein, um den Wert Suellaba's richtig schätzen zti können.

Aber auch für die Gesunden ist ein Aus­flug nach dort ausserordentlich lohsend, besonders in angeregter, heiterer Gesell­schaft.

Welcher Teilnehmer könnte wohl die herr­lichen Stünden vergessen, die er als Mit­glied des Sportvereins bei dessen Ausflügen nach dort verlebt hat. Unzählige und z> T. recht drollige Streiche," die aufzuführen hier der Platz fehlt, sind dort ausgeführt, viele, das dortige Leben und Treiben recht gut illustrierende photographische Aufnahmen sind gemacht worden und wohl bei jedem früheren Besucher Suellaba's werden sich einige dieser Bildchen als Andenken vor­finden.

Alles in Allem genommen ist Suellaba wohl ein Platz, den man Gesunden wie Kranken empfehlen kann. Trotzdem lässt die Frequenz zu wünschen übrig. Wenn dies nun auch recht bedauerlich ist, so gibt es doch auch wiederum einige recht erklärliche Gründe hierfür. Da ist z. B. in erster Linie wohl die früher nur einmal vorhandene, in letzter Zeit Dank einem Entgegenkommen des Gouvernements sich jedoch zweimal wöchent­lich bietende Fahrgelegenheit nach dort, die Manchen zurückhält. Der Fahrpreis mit pro Person 5 Mk hin und 5 Mk zurück er­scheint recht reichlich bemessen und ist besonders für Familien eine fühlbare Ausgabe. Hinzu kommt wohl noch, dass eine drei­stündige Barkassfahrt nicht Jedermanns Sache ist. Auch in Suellaba selbst wär noch Manches zu tun, um den Aufenthalt dort angenehmer und vielseitiger zu gestalten. Es fehlt fast ganz an Gelegenheit zur Unter­haltung, wenn, wie es das hiesige Klima nun einmal mit sich bringt, der oft tagelang strömende Regen die Bewohner an das Haus gefesselt hält. Die Schaffung einer einiger- massen modernen Bibliothek, die Anlage einer Kegelbahn, vielleicht auch die Auf­stellung eines Billards, sowie das Anbringen von Turngeräten wären wohl geeignet, die sonst dort gar zu leicht gastierende Lange­weile zu verbannen. Auch die Aufstellung bequemer Liegestühle gehört zu den wün­schenswerten Verbesserungen des Sanato­riums. An der Seeseite könnten Halteleinen

angebracht werden, die auch ängstlichen Gemütern gestatteten, sich etwas weiter in die Brandung hinein zu wagen.

Man sage nicht: ja ! wenn die Frequenz grösser wäre, würde es auch möglich sein, den Komfort zu steigern, nein, man schaffe erst möglichst komfortable Zustände, dann steigt die Frequenz von selbst.

Da das Sanatorium in Suellaba vom Gouvernement unterhalten und verwaltet wird, wäre es wohl recht wünschenswert, wenn von einflussreicher Seite eine Lanze für dies leider noch viel zu wenig gewürdigte, gesundheitlich wertvoll« 1 Institut gebrochen würde.

Möchten doch diese Zeilen hierzu ein Ansporn sein.

Vermischtes. - .

Drei Anekdoten aus dem Jahre 181&

Auch in Frankreich geöt-esikt man dieser Tage öfter der Zeit vor Hundert Jahren r wenn auch nicht mit ganz so festlichen Ge­fühlen wie in Deutschland. So brachte vor einiger Zeit eine Pariser Zeitung ein paar Anekdoten, die wohl weniger bekannt sein dürften, un<$ auch bei uns von Interresse sein werden;

Napoleon L war trotz seiner Kriegsnatur ein Gegner des Duells, litt es am wenigsten unter den Herren seiner Umgebung und pflegie zu sageis:Man kann sein Blut für wertvollere Dinge gebrauchen L" Eines Tages nun bemerkte er an der Stirn eines seiner Hofleute eine neue Narbe und erriet sofort, wo dieselbe herrühre. Der Kaiser sah den Beamten mit zürnenden Augen an und fragte ihn:Was haben Sie denn da.? 4

Eine Narbe l* lautete die Antwort.

Das sehe ich selbst; und wo haben Sie diese Narbe bekommen?" fragte der Kaiser weiter.

An der Stink, Majestät Skatete unerschüt­terlich die Antwort. Der Kaiser musste im Stillen wohl erfreut sein über den Mut dieses Mannes, und kümmerte sich diesmal nicht weiter um die Duellaffäre.

Bei Abhaltung einer Truppenrevue kam Napoleon die Front absehreitend an einem alten Offizier vorbei, dessen Tüchtigkeit und Tapferkeit ihm bekannt war. Allein der ge­nannte Offizier hatte es, vielleicht weil ihm äussere Vorzüge fehlten, vielleicht auch die Sonne der Protektion nie über ihm geschienen» erst bis »um Hauptmann gebracht. Mit auf­fallend langsamen Schritten ging der Kaiser vorbei. Da blickte ihn der Offizier scharf an und sagte laut ohne mit einer Wimper zu zucken:Fünfzehn Feldzügel Elf Wun­den! Hauptmann!" Der Kaiser wandte nicht einmal den Kopf, ging langsam weiter und sagte im selben Tonfall wie der Offizier: Oberst! Brigadier! Baron 1" Am nächsten Tage erhielt der wirklich Glück­liche sein Patent zugestellt.

Eine österreichische Prinzessin fragte einst den Herzog von Wellington:Woher kommt es nur, dass wir Wiener so viel besser Fran­zösisch sprechen als Ihr Engländer?" Prompt erwiderte der Gefragte:

Ja, Kaiserliche Hoheit, die Sache liegt doch klar zu Tage. Hätte Napoleon mit sei­nen Armeen auch London, wie er es mitWien zweimal getan, so nachwirkend besucht, so hätten wir sicher auch besser Französisch gelernt!"

In der Sommerfrische, In einem Badeorte kommt ein Gast zum Hotelwiri Ich muss mich beschweren ..." »»Aber was ist denn?" antwortete der Wirt zuvor­kommend.Mein Zimmer ist ja lehr schöa, and das Bett ist weich. . .Ja, lieber neu