Uüiißs und einziges argan tir die
\
Erscheint wöchentlich zweimal und zwar Mittwoch und
Sonnabend . Abonnernentspreis beim Bezüge durch die
deutschen Postanstaiten vierteljährlich 5 ML , bei direk¬
tem Bezüge per Kreuzband durch die Ausgabestelle in
Duala 6 . 50 Mk .
Druck , Verlag und Expedition der
Kameruner Druckerei - Gesellschaft
Otto Franz & Co . , Duala .
ite Silzgii Kaisen ibU Ist
Anzeigen : Einspaltige Petitzeile oder deren Raum 50
Pfg . , Reklamen pro Zeile 1 ML Bei Wiederholungen
und größeren Aufträgen entsprechender Rabatt .
Inseratenannahme für Europa :
Georg König , Halle a . S . , Hohenzollernstrasse 3 .
Verantwortlicher Redakteur : Ph . Waizmann .
Telegramm - Adresse : Kamerunpost .
Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet .
Nr . 4
Randbemerkungen mm Kolonialetat .
Gleiches gilt von
Togo .
Die eigenen Einnahmen stiegen auch dem
Voranschläge von 2 876 200 M . im jähre
1911 auf 3 384 600 M . 1913 . Die Ablösung
der Steuerarbeit brachte 1909 rund 390 000
M . , 1911 schon 649 554 M . Wenn in den
Etat für 1913 nur 554000 M . in Ansatz
gebracht worden sind , so beruht diese
Schätzung auf dem Durchschnittsertrage der
letzten Jahre , der bei gutem Wetter und
entsprechender Ernte überschritten werden
dürfte . Die Spirituosensteuer ( Schank - und
Verkaufssteuer ) ist von 3Ö00Ö auf 60 000
M . erhöht angenommen worden . Auch die
Zolleinnahmen sind ständig im Steigen be¬
griffen . An einmaligen Einnahmen sind
Ueberschüsse aus dem Rechnungsjahre 1910
in Höhe von 672 536 M . zu nennen , sodass
die Gesamteinnahmen 4 057 136 - . M . betragen .
Den 27 Beamten der Zentralverwaltung
standen 1910 nur 24 gegenüber . Es wurden
zwei neue Referentenstellen , eine Rektorstelle
und eine neue Sekretärstelle geschaffen . In
der Lokalverwaltung wurde ein vierter Be¬
zirksamtmann , ein vierter Regierungsarzt ,
ein Leiter der Versuchsanstalt in Nuatjä ,
und ein vierter landwirtschaftlicher Gehilfe
neu angestellt . In Fortfall kommt ein Be¬
zirksleiter und ein Stationsleiter .
Zur Justizverwaltung ist zu bemerken ,
dass Togo an den Kosten für den Oberrichter
von Kamerun einen Beitrag zahlt . Die 416
Köpfe starke Polizei , welche gleichzeitig die
Funktionen der Schutztruppe versieht , ist
sehr schwach . An ihrer Spitze steht der
Polizeiinspekteur , dann ein Oberleutnant und
fünf Polizeimeister . An die Stelle des gestriche¬
nen sechsten Polizeimeisters ist ein Assistent
2 . Klasse getreten . Auch in Togo breitet sich
die Verwaltung ständig weiter aus , so dass
die Ausgaben für weisse und farbige Hilfs¬
kräfte ebenfalls anwachsen , und zwar von
186000 auf 221 000 M . bei Weissen und
von 176 C00 auf 194 000 M . bei Farbigen .
Die öffentliche Gesundheitspflege verlangt
nur 54 000 M . gegenüber 65 000 M . im
Jahre 1910 , während das Schulbildungs -
wescn 2800 M . mehr , nämlich 43 800 M .
erfordert . Dabei ist der Posten für Ausbildung
farbiger Handwerker in Fortfall gekommen .
Diese haben die Missionen übernommen .
Die Druckerei , in welcher das Amtsblatt
hergestellt wurde , ist von der katholischen
Mission angekauft worden .
Bedeutend vermehrt werden sollen die
Ausgaben für Land - und Forstwirtschaft . An
sächlichen Ausgaben waren 1911 nur 38 500
M . in Aussicht genommen , für 1913 werden
Duala , Mittwoch , den 15 . Januar
115 000 gefordert . Das hängt mit den sehr
intensiven Bestrebungen , die Pflugkultur
einzuführen und durch Aufforstung den Witte -
rungsschwankungen entgegenzuwirken , zu¬
sammen . Für Unterhaltung von Wegen ,
Brücken usw . sind 23 500 M . gefordert ,
15 000 M . für die Förderung der Viehzucht ,
32 540 M . für die Unterhaltung der Landes¬
kulturanstalt Nuatjä , 31 000 M . werden an
das Kolonialamt abgeführt .
Der Verkehr der Eingeborenen auf den
Eisenbahnen hat ein solche Zunahme erfahren ,
dass ausser den Personenwagen ständig 10
Güterwagen benutzt werden mussten . In¬
folgedessen sind Neuanschaffungen notwendig
geworden . Zu diesem Zwecke wird die Er¬
höhung des 1912 bereits um 50 000 M . ver -
O
stärkten Reservebaufonds um weitere 20 000
M . beantragt . Auch werden die Kosten für
ein neues Dienstgebäude ( 157 000 M . gefor¬
dert , in der Tat spotten die Zustände im
alten Gebäude jeder Beschreibung , denn es
ist nicht nur nicht ausreichend für die Unter¬
bringung der Beamten , sondern sogar der
Akten . Ebenfalls dringlich erscheint der
Bau eines Krankenhauses , da das alte nur
acht Zimm er aufweist . Die Kosten sollen
zur Hälfte vom Frauenverein vom Roten
Kreuz und von der Regierung aufgebracht
werden , insgesamt 88 000 M .
119 000 M . sollen dem Strassenbau und
der Wassererschliessung dienen . Bemerkens¬
wert ist dabei der Posten von 33 000 M .
• für den einem Lastautomobilverkehr ge¬
genügenden Ausbau der Strasse Jo — Kpan -
du . Der Posten „ Bekämpfung der Schlaf¬
krankheit " zeigt zwar eine Kürzung von
100 000 auf 80 000 M . , doch darf hieraus
nicht auf eine Verminderung der Seuche
geschlossen werden . Die Lagerbehandlung
hat sich nur nicht bewährt , und daher soll
eine ambulante Behandlung eintreten . Dadurch
vermindern sich die Verpflegungsgelder für
die Kranken und es kann ein Arzt in Weg -
fdl kommen . Im ganzen sollen 4 Aerzte , 4
Heilgehilfen , 6 Soldaten und 8 Arbeiter be¬
schäftigt werden . Die Pockenbekämpfung
beansprucht 2 Impfärzte , 2 Heilgehilfen und
2 Soldaten .
Kamerun rad die weisse ftu .
Die deutsche Kolonialliteratur , namentlich
die über die sogenannte koloniale Belletristik
hinausgehenden Darstellungen wirtschaftlichen
Geschehens und wissenschaftlicher Forschung ,
hat in der Weltkblonialliteratur eine trotz
ihrer Jugend anerkannt gute Stellung . Ange¬
sichts dieser Tatsache und der ihr zugrunde
liegenden Fortschritte kolonialer Entwicklung
ist es auffallend , wie schief und ohne inneres
_ 1913
Verhältnis in der Mehrzahl der Fälle über
und von Kamerun gesprochen und geurteilt
wird .
Kamerun ist unstreitig eine mit natürlichen
Schätzen und wirtschaftlichen Hilfsmitteln ,
wie auch mit einer kauf - und arbeitskräftigen
Eingeborenen - Bevölkerung gut ausgestattete
Kolonie . Und die Arbeit des in Kamerun wirt¬
schaftenden Europäers , dessen Einzelstreben
auf die Begründung eines bescheidenen Wohl¬
standes gerichtet ist , läuft im Effekt doch
darauf hinaus , diese Kolonie zu einem im
Rahmen der nationalen Wirtschaft nicht zu
unterschätzenden Faktor zu gestalten . Die Ar¬
beitsleistung des Einzelnen ist wahrlich keine
geringe ; wirtschaftlich gewertet — zunächst un¬
ter Zurückstellung der klimatischen Hemmungen
— lässt sich beispielshalber die Tätigkeit eines
Kaufmannes in Kamerun nicht vergleichen mit
der Leistung eines heimischen Geschäftsmannes .
Berücksichtigt man , welche Werte in Kamerun
einem kaufmännischen Angestelltenan vertraut
werden , welche Anforderungen an Organi¬
sationsgabe und Dispositionsvermögen ge¬
stellt werden , so ist es unverständlich , dass
in heimischen Wirtschaftskreisen vielfach ein
so grosses Misstrauen gegen die „ Kameruner "
besteht . Zur Bewertung der Arbeitsleistung
treten dann noch die besonderen Anforderungen
hinzu , die einerseits das Tropenklima , zum
anderen das Leben im Busch , besser gesagt
im Innern , fern von der Küste mit sich bringen .
Ich kann mir in keinem anderen deutschen
Schutzgebiet mit relativ gleich starker wirt¬
schaftlicher Betätigung europäischer Kräfte
ähnliche Entbehrungen und Beeinträchtigungen
des leiblichen und seelischen Wohlbefindens
denken , wie in Kamerun . Aus dieser Anschau¬
ung heraus wirkt es so schmerzlich , ja er¬
bitternd , wenn über all ' diese Stille , in ihrem
Einzel verlauf nicht mess - und wägbare wirt¬
schaftliche und seelische Tätigkeit und Bean¬
spruchung in der öffentlichen Meinung der
Heimat so unrichtige Anschauungen verbreitet
sind .
Wo mögen die Gründe hierfür zu suchen
sein ? Gewiss , eshatZeitengegebenin Kamerun ,
in denen dieses Gebietes mit gemischtenGefühlen
gedacht wurde . So gewiss aber die Bezeichnung
der westafrikanischen Küste durch die englische
Marine als „ des Seemanns Sarg " im Küsten¬
gebiet und noch mehr im Binnen - Bergland
hinfällig geworden ist , so sicher ist auch erkenn¬
bar , dass das europäische Menschenmaterial
eine wesentliche Metamorphose durchgemacht
hat . Es soll nicht beschön igt werden , was früher
von nicht immer gerade hochwertigen Ver¬
tretern der europäischen Rasse in Kamerun
an Land und Leuten gesündigt worden ist .
Sünden , an denen die Kolonie zum Teil heute
noch trägt . Solche Erscheinungen treten aber