■ Bezugrsieller
EeschSstSflTlle der Deutschen Kolonial«
Gesellschaft, Berlin W 35, Afrikahaus
Grgan der Deutschen rkoloniatgesellschast
Schristleitung und Geschäftsstelle:
Deutsche Kolomalgesellschafh Berk» V 35 - Am Karlsbad 19 «
Alleinige 2lttzßigen-Attnahm^
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Berlin^ 20 . Juli WW.
Zh» Jahrgang»
Ernst Vohsen f. — Allen Gewalten zum Trotz. BezirksamLmomn Dr.KarstedL (Steglitz). - Kundgebung der Abteilung München. --
Festhalten! Prof. Dr. Augustin Krämer (Stuttgart). — Ernst Vohsen f° S. Passarge. — Kolonialbesitz und Friedensrati-
fikation. — Die belgische Kongo-Eisenbahn Matadi—Leopoldville; Zwanzig Jahre Betrieb. F. Balzer- Geh. Oberbaurat im Reichs¬
ministerium der Kolonien. — Ein Franzose über Lettow-Vorbeck. . Hans- Zache. Wie Duala kämpste und fiel. Kapitän«
Leutnant d. R. Wendling. — Aus den Abteilungen. — Literatur.
Watt
Für die Rückgabe unverlangter Beiträge, -denen genügendes Porto nicht beiliegt, wird keine Gewähr übernomnlen. Nachdruck der
Originalaussätze nur mit genauer Quellenangabe gestattet. .
Ernst Vohsen f
Am 20. Juni ist Konsul Vohsen in Bad Nauheim dahingegangen.
In jungen Jahren ging er nach Westafrika, und hier wurde der Keim in ihm für sein: spätere Tätigkeit
gelegt, der seinen Namen für immer mit der Geschichte der deutschen Kolonialpolitik verbindet.
Viel, unermeßlich viel verliert die Deutsche Kolonialgefellschast an dem Verstorbenen, der ihrem Ausschuß
seit 26 Jahren angehörte. Der Ernst, mit dem er alles betrieb, was er anfaßte, und die großen kolonialen und
politischen Erfahrungen, über die er verfügte, gäben ihm ein Rüstzeug, das er unermüdlich und selbstlos dein
Dienst des Ganzen weihte. Sein lauterer und vornehmer Charakter, seine sachliche Art der Arbeit und sein
unerschütterlicher Idealismus im Verein mit seinen überragenden Geistesgaben stempelten ihn zu einer Persön¬
lichkeit im edelsten Sinne des Wortes. Wenn er das Wort ergriff, so gab er, und unerschöpflich war der
Reichtum seines Wissens.
Als Mitarbeiter und Freund werden wir ihn schwer vermissen. Sem ewiges Denkmal hat er sich in
unseren Leezen gesetzt.
Er war der Besten einer! - -
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HUen Gewalten zum Crotz.
Bon Vezirksamtmann Dr. K a r st e-d L (Steglitz).
'Hoch oben in Finnland, am Kajan-asee, sah ich--auf meinen
nordischen Wanderungen vor sechzehn, siebzehn Jahren einmal
eine Tanne, deren Bild sich mir tief eingeprägt hat« Aus einem
schmalen Spalt an steiler Felswand war sie hervorgesprossen
und, zu einem Stamm geworden, der korkenzieherförrnig durch
die Winde gedreht war. Ihre Wurzeln, die über das' nackte
Gestein liefen, hatten sich in den Fels eingebohr-L und ein¬
gesprengt; dann hatte der Frost in einem harten Winter alle
Wurzeln bis auf eine zerstört, an der der Stamm halb nach
unten hing. Wer schon machten sich Anzeichen bemerkbar, daß
die Lebenskraft in ihm siegte. Neue Wurzeln schufen ihm neuen
Halt, und frische Triebe strebten nach oben, dem Licht entgegen.
Ein wundervolles, nie vergessenes Bild der Lebenskraft, des
Sieges des Tüchtigen über Tod und Vernichtung! . . .
Deutschland ist entwurzelt, seine Lebensadern abgeschnitten.
Und wo ist der Boden, der ihm neue Kraft Zusührt?'
Hub mit Deutschlands Bestem ging das dahin, dessen Wert
leider bis zum Ausbruch des Krieges so wenige erfaßt hatten:
fein aussichtsreicher Kolonialbesitz.
. Neuer die Gründe des Zusammenbruchs heute etwas End¬
gültiges zu sagen, wäre Anmaßung. Nur auf eines wag cm
dieser Stelle'-verwiesen werden: die spießbürgerlich engherzige
Beurteilung, die fast während des' ganzen Krieges vielfach ge¬
rade in den Kreisen, die sich als Schildhalter des Nationalis-
tmtl' fühlten, die Bewertung von Kolonialbesitz fand. Das
einseitige Hinstarren aus Flandern, das töricht-gefährliche
Wort von hmi kolonialen Zurmietewohnen bei England (wenn
Deutschland nicht die Hand aus Flandern legte), was waren diese
Tatsachen andres als ein Ausdruck der weltpolitischen Unreife
weitester Schichten, einer Unreife, die dadurch nicht besser,
wurde, -daß sie sich mit -abstrusen Welteroberungs- und -be*
glückungsplänen paarte? Ewer Unreife, dre ihr Gegenstück in
der soeben zum Beschluß erhobenen Prok'lamierung von
Schwarz-Rot-Gold (Schwarz-Weiß-Rot war Parteiflagge, sagt
Herr Preuß) zur Landesflagge dokumentiert!