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jetzt nicht länger zögern zu sollen mit dem Hervortreten dieser kleinen Schöpfung. Denn
es ist unsere Pflicht, unsere Freunde, die die deutsche Flagge in der Südfee zu Ehren
brachten, die mit erheblichen persönlichen und materiellen Opfern Deutschland politisch
und wirtschaftlich in der Südsee zu Ansehen brachten, nicht jetzt, in der Stunde ihrer höchsten
Not, treulos im Stich zu lassen. Gerade jetzt müssen wir uns furchtlos und treu zu ihnen
bekennen und mit ihnen den Versuch machen, einen Schritt zu verhindern, der Deutschlands
Ansehen in dem bedeutenden Wirtschaftsgebiet der Südsee einen Schlag versetzen würde,
der niemals wieder gut zu machen wäre.
Sollte es ihren und unseren Bemühungen nicht gelingen, die Aufgabe der deutschen
Südseebesitzungen zu verhindern, nun, so werden unsere Vereinszwecke überhaupt hinfällig.
Können wir aber durch Einsetzung unserer geringen Kräfte für die Sache unserer Südsee¬
freunde an unserem Teile dazu beitragen, daß unser wertvoller Südseebesitz in deutschen
Händen verbleibt, so wissen wir uns einig mit unseren Mitgliedern in dem Gedanken, daß
unverzüglich und ohne weitere Bedenken alle geisügen und finanziellen Mittel des Vereins
diesem erstrebenswerten Teile zuzuführen sind.
Unsere Mitglieder aber bitten wir, uns in diesem Bestreben kräftig durch ihre Mit¬
arbeit in der Presse, in den Vereinen, in der Öffentlichkeit und im Privatleben zu unter¬
stützen.
Leipzig, im April 1917. '
Der Vorstand.
Sols Deutschland seine Südseebesitzungen aufgeben?
Von Carl Strauß.
Bei Beginn des großen Weltkrieges besaß das Deutsche Reich in der Südsee ein
weitausgedehntes Kolonialgebiet von 245 050 qkm, ohne Einrechnung des Pachtgebietes
von Kiautschou, das in den folgenden Betrachtungen nicht berücksichtigt werden soll.
Dieser Besitz erreichte nach seiner Größe fast die Hälfte des Umfanges des Deutschen Reiches.
Es war ein aussichtsvolles Wirtschaftsgebiet für fleißige deutsche Arbeit, die schon früh¬
zeitig dort eingesetzt hatte.
Die Hamburger Firma Johann Cesar Godeffroy, die früher wegen ihres lebhaften
Handels mit Südamerika ihren Hauptsitz in Valparaiso hatte, führte nämlich schon um
die Mitte des vorigen Jahrhunderts von hier und von Hamburg aus zuerst in der östlichen,
später auch in der mittleren Südsee auf Hamburger Schiffen Handel. Im Jahre 1857
errichtete sie in Apia auf den Samoa-Inseln als Mittelpunkt ihres Südseegeschäftes eine
Faktorei, von der aus sie allmählich die ganze Südsee mit einem Netz von Handelsnieder¬
lassungen überspann. In der Südsee fuhren ihre etwa 100 kleinen Fahrzeuge als Ver¬
bindungsschiffe unter deutscher Flagge von Insel zu Insel, und nahezu Vg hundert eigene
Segelschiffe, zum Teil auf eigener Werft in Hamburg gebaut, vermittelten Anfang der
60er Jahre des vorigen Jahrhunderts den Verkehr jener fernen Inselwelt mit dem Mutter¬
lande.