Organ -er Deutschen " ' ' ' *"
Geschäftsstelle der Deutschen Kolonial- Schriftlertung und Geschäftsstelle:
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rlnnoncen-Lxjie-ition Nn-olf Mosse
Berlin 19, u. sämtliche Filialen
Nr. 10. Lerlin, 2«. Oktober M5. _ 32. Jahrgang.
Von unseren Kolonien. Kdt. — Auf den Marshallinseln während der Japanerherrschaft. Schwester Luise Loleit — Weshalb
Englands Angriff auf Deutsch-Ostafrika fehlschlug. — Die Deutschen in BrLtisch-Ostafrika. — Vom Nyassasee. — Die Neuwahlen
^ Südafrika. K. — Vom Kongostaat. P. Dehn. — Einfluß der Missionen auf die Entwicklungsmöglichkeiten Angolas.
Singelmann. (Schluß ) — Die Japaner in der Südsee. — Vom ostasiatischen Markt. L. — Die Bagdadbahn. Dr. E. Huber.
(Schluß folgt.) — Zum Artikel des Herrn Paul Leutwein: „Können unsere Kolonien in Europa verteidigt werden?^,
v. Bornhaupt. — Maritz. Dr. Karstedt. — Aegypten. — Neue koloniale Bücher und Aufsätze.
Von unseren Kolonien.
(Abgeschlossen am 17. Oktober 1915.)
Es ist merkwürdig still in der feindlichen Presse geworden!
Weder in den Pariser noch in den Londoner Zeitungen, die sich
noch vor zwei Monaten nicht genug an der Freude tun konnten,
daß nunmehr in allerkürzester Zelt der Moment zu erwarten
sei, in dem auch von den letzten Fetzen deutschen Kolonialgebiets
die schwarzweißrote -Flagge verschwinden würde, findet man
jetzt noch ernen der früheren Triumphergüsse. Langsam scheint
es auch in England zu dämmern, daß man sich mit dem Kolo¬
nialkrieg und seinem Drum und Drall eine böse Suppeeingebrockt
hat. Die Eroberung Togos hat 60 Millionen gekostet, die Süd¬
wests 360, der Feldzug, gegen Ostafrika kostet einer englischen
Provinzzeitung zufolge bis jetzt 300 Millionen und viel billiger
dürste auch Kamerun bisher nicht zu stehen gekommen sein.
Ueber die Kosten der Expeditionen nach Neuguinea und Samoa
sind Nachrichten bisher nicht bekannt geworden. Immerhin ge¬
nügen aber die genannten Zahlen, um darzutun, daß ein Grund
zur Freude über'die Ergebnisse der kolonialen Abenteuer nicht
gegeben' ist. Das jetzige Ermatten des Interesses im Gegensatz
zu der ursprünglichen Begeisterung, die die . Londoner Draht¬
zieher alles vergessen ließ, was- in der Kongoakte und sonstwo
über die Wege zur Zivilisterung Afrikas gesagt und für richtig
befunden- ist, läßt wohl den Schluß zu, daß man in das koloniale
Abenteuer nur deshalb ging, weil man ernsthaft daran glaubte,
ohne sonderliche Mühe und in kürzester Zeit die deutschen
Kolonien von der Karte fortwischen zu können. In diesem Zu¬
sammenhang sei erwähnt, daß schon wieder einmal berichtet
wird, es seien neue Schritte zur Neutralisierung Zentralafrikas
-unternommen. Am 1. Oktober schrieb die Londoner „Daily
Chronicle": „Es verlautet andeutungsweise, daß die nieder¬
ländische Regierung ernstlich die Frage erwäge, den. Krieg-
führenden ihre Vermittlung anzubieten, um Zentralafrika unter
Die Neutralitätsklausel zu bringen. Der Artikel der „Daily
Chronicle" schließt: England hat vollständig genug an seinen
Kronkolonien in Afrika und suchtkeine Neuen Gebiete. Es hat
sich auch verpflichtet, das Völkerrecht streng zu achten, so daß, u
wenn Holland eine Konferenz über Zentralafrika -vorschlägt, es
sich nicht weigern werde, daran teilzunehmen. Man glaubt, der .
holländische Vorschlag werde in einem Zirkularschreiben allen
Großmächten, die die Berliner Akte unterschrieben haben, ferner
den Verewigten Staaten vorgelegt werden." .
*' > Einige Tage darauf behauptete allerdings der „Nieuwe Rötter-
damsche Courant" in der Lage zu sein, die Mitteilung, als erwäge
die niederländische Regierung ernsthaft die Frage, Mittelafrika
der Wirkung der Neutralitätsklausel der Kongoakte zu unterstellen,
als vollständig aus der Lust gegriffen erklären zu können. Im
Auswärtigen Amt im Haag habe man selbst keine Vermutung
darüber, was zu diesem Gerücht Anlaß gegeben hat.
Auffällig bleibt aber die Angelegenheit um so mehr, als, wie
hier auch mitgeteilt wurde, schon vor einigen Wochen eine solche
Notiz durch die Presse lief.
Die Chauvinisten in England werden dem Neutralisations¬
gedanken allerdings wohl fern stehen; denn sie, Herr Johnston
an. der Spitze, reden sich in um so größere Wut, je länger der
Krieg dauert und je weiter ihnen die Felle wegschwimmen. „Das
Anathema für uns ist Potsdam und das Hohenzollernsche Ge¬
habe!" Diesen Herren ist das Ideal ein Deutschland, das sich
jeder eigenen Betätigung in Uebersee zu enthalten hat, dafür
aber das Recht haben-soll, wie früher den Kulturd öliger für
England herzugeben. Ganz rührend schreibt dieser politische
Kasper kürzlich: -
„Die deutsche Methode der aggressiven Eroberungspolitik ist
eine derartige Gefahr für die Menschheit, daß sie, soweit, irgend
möglich, aus der ganzen Welt Vertrieben werden muß. Für den
zukünftigen Weltfrieden ist es eine selbstverständliche.Voraus-,
setzung, daß Deutschland nirgends in der Welt eine Kolonie be¬
hält, in der es seine Gewaltpolitik fortsetzen kann.
Wenn aber auch die Gerechtigkeit es. verlangt, daß Deutsch¬
land für den Bruch seiner Verträge bestraft wird, so darf doch
nicht vergessen werden, daß die-moralische Erneuerung Deutsch¬
lands um so. schneller vor sich gehen wird, je mehr man der
deutschen Rasse etwas Nützliches zu tun gibt. Man kann keine
Seite'englischer Kolonialgeschichte schreiben, ohne deutsche Namen
zu erwähnen. Deutschland hat zusammen mit Oesterreich die
besten Kolonisten geliefert, die England in Australien, Neu-
Seeland, Südafrika, den Falklandsinseln. Westindien.und Ost¬
indienbesitzt. An der. Zukunft soll es den Deutschen unbenommen
bleiben, in die.englischen Kolonien einzuwandern. Die Ver¬
bündeten werden, wenn sie siegreich, sind, den Deutschen ihre
2 Millionen Quadratmeilen Kolonien abnehmen, aber England
bietet den Deutschen, dafür 13 Millionen Quadratmeilen eng¬
lisches Territorium, bei dessen Entwicklung die Deutschen helfen
können und in denen sie sich sicherlich zu patriotischen Ange¬
hörigen, des britischen Weltreiches entwickeln werden." .
-. Dieser Unfug ist aber, selbst den Engländern zu viel ge¬
worden, und Herr Johnston hat sich von dem bekannten C. D.
Morel eine tüchtige Abfuhr beibringen lassen müssen.
Aus den Kolonien liegen nur wenige neuere Nachrichten vor.
In Kamerun scheinen Veränderungen zugunsten der Eng¬
länder und Franzosen nicht eingetreten zu fein. Aus S ü d -
w estafrika liegen übereinstimmende Nachrichten vor, wonach
die sortgeschleppten Einwohner die Erlaubnis zur Rückkehr und
Wiederaufnahme der Arbeit erhalten haben.
- Aus O st a f r i k a lauten die Nachrichten weiter gut. Mehr¬
fach haben erfolgreiche Patrouillenvorstöße gegen die Uganda¬
bahn stattgefunden, bei denen es wiederum gelang, Brücken und
sonstige Kunstbauten zu zerstören. Auch im Südwesten gegen
Rhodesia scheinen die deutschen Truppen erfolgreiche Unter-