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Deutsche Aolonialzeitung.
ein Einblick in das amtliche Material der Deutsch-
Ostafrikanischen Gesellschaft gestattet worden.
Soviel mir bekannt, beruhen seine Einzeich-
nunqen auf Privatmitteilungen einzelner Beamte
der Gesellschaft.
Der verehrliche Vorstand würde uns sehr ver¬
binden, wenn er in geeigneter Weise eine Rekti¬
fizierung obengenannter Besprechung in einer der
nächsten Nummern der Deutschen Kolonialzeitung
veranlassen wollte.
Für den Fall, daß es die Redaktion der Deutschen
Kolonialzeitung interessiert, von einer nach au¬
thentischem Material angefertigten Karte der Be¬
sitzungen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
Kenntnis zu nehmen, bitte ich, ihr die beifolgenden
umgearbeiteten Sektionen der Perthes'schen Karte
von Afrika zur gefälligen Einsicht zu überreichen.
Was die Bemerkungen der Redaktion über die
Küstenfrage anbelangt, so scheint es ihr in bezug
auf die Ergebnisse der Prüfungen der internationalen
Grenzregulierungskommission an der genügenden
Orientierung zu fehlen. Auf jeden Fall bin ich
schon jetzt in der Lage, ihr mitzuteilen, daß, ganz
abgesehen von der Somaliküste, welche sie in dem
letzten Passus des Artikels augenscheinlich zu er¬
wähnen vergeffen hat, ihre Annahme, die Deutsch-
Ostafrikanische Gesellschaft werde nicht die geringste
Küstenstrecke als Eigentum aufzuweisen haben, auf
einem außerordentlichen Irrtum beruht.
Ebenso würde sich die Redaktion der Äußerung
ihrer Bedenken über die Ausdehnung der Graf
Pfeil'schen Erwerbungen gewiß enthalten haben,
wenn ihr bekannt gewesen wäre, daß die betreffenden
Verträge mit eingeborenen Sultanen abgeschlossen
sind, deren Gebiete sich bis zum Rovuma und
Ryassa erstreckten.
Indem ich noch darauf hinzuweisen mir erlaube,
daß die beifolgenden Karten schon vor Schluß der
Thätigkeit der Grenzregulierungskommission ange¬
fertigt waren, zeichne ich
mit vorzüglicher Hochachtung
ganz ergebenst
A. Leue,
Generalsekretär
der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft."
Z'prechsaal.
18 ) R. M. Z. in Alexandrien. — Eine treffliche Wand¬
karte von Zentral-Europa ist die alljährlich in neuer
Auflage im Berliner Lithographischen Institut «Julius Moser)
erscheinende, welche vom Geheimen Rechnungsrat W. Liebenow,
Chef des Kartogi aphischen Bureaus im Königl. Preuß. Ministe¬
rium der öffentlichen Arbeiten, bearbeitet ist In vorzüglicher
klarer Ausführung gibt sie aufs zuverlässigste die Eisenbahnlinien
(auch die projektierten), sowie die Gewässer und hauptsächlichsten
Straßen. Der Preis für die 6 Blatt ist nur 6 M, auf Leinwand
gezogen mit Stäben 12 M. Wenden Sie sich direkt an die Ver¬
lagshandlung, Berlin W., Potsdamerstraße 110.
19) O. P. in Görlitz. — Die Verdeutschung der bisher ge¬
bräuchlichen Benennung des Hafens „Saiidrvich-Harbour" an un¬
serer südwestafrikanischen Küste in „Sand fisch Hafen", wie er
in unserer Zeitschrift zuerst im 14. Hefte in dem vn. Stapff'schen Be¬
richt (S. 437) angewandt ist, ist vollkommen begnmder. Jeden¬
falls ist Sandwich ebenso falsch, wie Walwich (die englische Post
an letzterem Ort schreibt übriaens richtig Walvich), denn hollän¬
disch heißt es „uisch" Der „Sandvisch" (holländisch) oder „Sand-
creeper" (englisch) wird nach jeder Flut in jenem Hafen, wie auch
bei Angra Vequena, auf den Sand geworfen. Die Nama
nennen den Sandfischhafen: Anixab.
Kurz vor Schluß der Redaktion
geht uns folgende wichtige Mitteilung zu:
Als im vorigen Jahre bekannt wurde, daß
die Deutsche 'Kolonialgesellschaft für
Südwestafrika ihren von Herrn F. A. E.
Lüderitz ursprünglich übernommenen Grund¬
besitz — das Küstengebiet vom Oraniefluß.
bis zum 22. Grad s. Br. — u. a. durch An¬
kauf des sogenannten Kaokofeldes erwei¬
tert habe, welches sich an den bisherigen Be¬
sitz nördlich anschließt und bis zur Portu¬
giesischen Grenze erstreckt, wurde von ver¬
schiedener Seite in der Tagespresse die Be¬
hauptung ausgestellt, daß das neu erworbene
Gebiet nicht den Verkäufern, den Zwartboois
von Otyitambi und den Topnaars von Zes-
sontein gehöre, sondern den Hereros, deren
Oberhänptling Maharero als Westgrenze feiner
Herrschaft den Atlantischen Ozean beansprucht.
Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren,
hat das Auswärtige Amt, nachdem die Kaiser¬
lichen Vertreter über ihre Ermittelungen an
Ort und Stelle berichtet haben, nunmehr an¬
erkannt, daß die Ansprüche Maharero's zu
weit gehen und daß das fragliche Küsten¬
gebiet in einer gewissen Ausdehnung nach dem
Innern als sicheres Eigentum der Gesellschaft
betrachtet werden könne. Letztere ist somit
jetzt im Besitz der ganzen Küste des
südwestafrikanischen Deutschen Schutz¬
gebietes zwischen der Englischen Kap-
kolonie im Süden und der Portugie¬
sischen Kolonie Angola im Norden,
mit alleiniger Ausnahme der Englischen Wal¬
fischbai, die ihrerseits landeinwärts vom Ge¬
biet der Gesellschaft umschlossen ist.
Verschiedene Reisende, welche in nächster
Zeit das Kaokofeld erforschen wollen, unter¬
stützt die Gesellschaft durch leihweise Hergabe
von Transportmitteln, Ausrüstungsgegen¬
ständen und wissenschaftlichen Instrumenten.
— Dieselbe ist auch, wie wir erfahren, gern
bereit, solchen Kapitalisten, welche gesonnen
find, in den Besitzungen der Gesellschaft die
von dem Reichskommissar Dr. Göring in
seinem in Heft 13 dieser Zeitung veröffent¬
lichten Bericht empfohlenen Export-Schläch¬
tereien, Fischguano- oder Düngerfabriken ein¬
zurichten, Faktoreien anzulegen oder sonstige
gewerbliche Anlagen zu machen, den erfordere
lichen Grund und Boden unter kulanten
Bedingungen abzutreten. Ebenso würden
Unternehmer, welche im Kaokofelde oder in
den zum größten Teil noch gar nicht unter¬
suchten Gebieten, für welche der Gesellschaft
Bergwerksgerechtsame zustehen, bergmännisch
untersuchen und ausbeuten wollen, das größte
Entgegenkommen finden.
Redaktionsschluß dieses Heftes am 9. August.
Veraniwortlicher Redakleur Michsrd Lesser, Skegtttz bei Berlin. Nachdruck, wenn nicht ausdrücklich untersagt,
mit Quellenangabe gern gestattet. — Druck von Julius Sittenfeld, Berlin.