Deutsche Rolonialzeitung .
Nr .
Grüner
Jagersfonteiu
54,97 8102
1,50 A1 2 0 *
4,71 FeO
21,52 CaO
14,30 MgO
= 2,08 C ! r 2 0 3 = =
Diopsid
Gibeon
52,65 SiO 2
4,90 A1 2 0 3
1,32 Fe 2 0 3
2,11 FeO
19,27 CaO
17,13 MgO
1,62 Alkali + H 2 0
= 1,20 Gr 2 0 3 - - - -
99,08 100,20
( Knop ) ( Klüß )
Titanwiseuerz
Kimberley ( Dutoitspan ) Gibeon
53,79 HO - 48,76 TiO 2
7,05 Fe 2 0 3 21,91 ■ Fe 2 0 3
27,05 FeO 17,37 FeO
= 12,10 MgO = = 11 . 59 MgO =
99,99
( Cohen )
99,63
( Lindner )
Bei dieser innigen Uebereinstimnmng des bbte ground vor :
Gibeon mit demjenigen von Kimberley mag es auffällig erscheinen ,
daß in ersterem noch keine Diamanten gefunden worden sind .
Die Frage erscheint berechtigt , wie das kommt , und ob denn
überhaupt Grund zur Annahme oder Hoffnung vorliegt , daß
in ihm Diamanten Zu finden feien . Nun , das Letztere ist durch¬
aus der Fall . Die Meinung , daß der Gibeoner blue ground
Diamanten führen kann , ist so lange berechtigt , als nicht durch
eine umfassende , sachgemäße Untersuchung des Vorkommens im
Großen das Gegenteil erwiesen ist .
Wenn man in irgend einen : Gesteine Diamanten ver¬
muten kann , so doch iu erster Linie im blue ground , dem so
charakteristischen , bis jetzt einzig in seiner Art dastehenden
Muttergesteine des Diamanten in Südafrika . Man muß be¬
rücksichtigen , daß der Diamant ein der Menge nach kaum
nennenswerter Mineralbestandteil des blue ground ist und
eigentlich nur durch seinen Wert Beachtung erlangt . In der
Krmberley - Grube , der reichsten Südafrikas , sind im Kubikmeter
geförderten blue ground durchschnittlich höchstens 4 — 5 Karat ,
also höchstens 1 g Diamant enthalten , und im Kimberley -
Distrikte wie im übrigen Südafrika werden Diamantgruben
mit wesentlich geringerem Ertrage an Diamanten betrieben .
Bei der Premier - Mine z . B . ist der Gehalt im Kubikmeter nur
etwa ein Drittel des in der Kimberley - und Debeers - Mine
gewonnenen ; noch niedriger ist er in Jagerssontein und in
Kosfisontein . Um bei solch geringen Mengen ein entscheidendes
Urteil über ihr Dasein zu . gewinnen , bedarf es der
Verarbeitung großer Massen des Gesteins und zwar aus
allen Teilen des Vorkommens . Letzteres ist notwendig ; denn
selbst in der Kimberley - Grube kommen stellenweise an Diamanten
so arme Partien vor , daß sie nicht mit abgebaut werden .
Auch in anderen . Teilen der Kapkolonie sind blue ground -
Stöcke vorhanden , die wegen Mangel oder Armut an Diamant
nicht abbauwürdig erscheinen . Treten aber dort an Diamant
arme und reiche blue grounä - Massen neben einander ans , so liegt
die Annahme nahe , daß es in Deutsch - Südwestasrika ebenso
sein kann .
Es erscheint daher eine ulnfassende Untersuchung der
Gibeoner blue ground - Vorkommnisse im kolonialen wie wissen¬
schaftlichen Interesse nicht nur sehr erwünscht , sondern sie
bietet auch Aussichten , die nicht minder hoffnungsvoll sind ,
als die , welche bei vielen im Zechstein Deutschlands auf Kali¬
salze niedergebrachten Bohrungen bestanden haben .
Die Entdeckung der KenntzqneUen .
In dem Bericht der Deutschen Niger - Benue - Tschadsee - Expedition
findet sich u . et . eine Stelle , die folgendermaßen lautet : „ Man gelangte
in die Nahe der Benuequellen , dis nun kartographisch festgelegt fhtix
Der Venne seht sich aus 2 kleinen Quellflüßchen zusaturnen , die sidt
sehr bald vereinigen it . s . w ° „ Demgegenüber muß daran erinnert
werden , daß die Bennöquellen schon vor ca . 20 Jahren entdeckt llnd
kartographisch festgelegt sind und zwar von Rob . Ed . Flegel , der
als der eigentliche Entdecker der Benuequellen bezeichnet werden
must . Flegel hatte iu den Jahren 1882 — 84 Reisen unternommen ,
die u . a . speziell die Erforschung des oberen Latlfes des Benne und
seiner Quellflüsse zum Ziele hatten . Es war ihm auch gelungen , einen
nördlicheren , mittleren und südlicheren Quellfluß des Benutz zu finden ,
sowie die Wasserscheide zwischen Benne und Logone ( also auch Niger¬
flußgebiet und Schari - Tschadseegebiet ) an dieser Stelle zu erkunden .
Ngaundere , daß seitdem häufiger von Europäern berührt und auch
einige Male erobert worden ist , besuchte er auch damals . Sein
Kartenmaterial wurde allerdings erst nach seinem Tode von
Hernr . Kiepert in den Mitteilungen der Afrikanischen Gesellschaft
irr Deutschland veröffentlicht . Wie weit sich nun der Lauf des Benuö
wirklich nach Westen verschiebt , welche Punkte der Route die Niger -
Benue - Tschadsee - Expedition neu sestgelegt hat , kann man erst dann
beurteilen , wenn genaueres kartographisches Material vorliegt . Hier
soll nur die Priorität Flegels auf biefem Gebiete gewahrt werden .
Paul Staudinger .
Von den deutschen Kolonialgesellschasten .
Westafrikamsche Pflanzungs - Gesellschaft „ Äibnndi " ,
Hamburg .
Am 15 . Mai hat in Hamburg die ordentliche Generalversammlung
der Aktionäre stattgefunden , in welcher der Bericht über das 6 . Ge¬
schäftsjahr ( vorn 1 . Juli bis 31 . Dezember 1902 ) zur Vorlage gelangte .
Die Kakao - Ernte hat im Vergleich zu dem selben Zeitraum des
Vorjahres um 113 Sack ( ä 1 Zentner ) zugenommen und betrug ins¬
gesamt 2803 Sack , von denen 1914 Sack auf der Pflanzung Bibundi ,
509 Sack auf Jsongo und 380 Sack auf Mokundange geerntet
wurden . Der Mehrertrag ist eine Folge des Heranwachsens jüngerer
Bestände . Der Bestand an Kakaobäumen beträgt 273 680 , von denen
auf Bibundi 139 OOO , auf Iso bi 17 620 , auf Jsongo 67 400 und auf
Mokundange 49 OOO Bäume stehen . Hebet das Alter der einzelnen
Bestände ist nichts bemerkt . Der Kakao wurde , abzüglich Fracht ,
Assekuranz und Spesen für ca . 52,40 M per Zentner im Durchschnitt
verkauft . Nach bent Bericht war der Absatz im verflossenen Jahre
häufig zu den Marktnotierungen nicht möglich ; die Gesellschaft beab «
sichtigt daher auch ausländische Märkte , namentlich London , für ihre
Produkte zu interessieren . Deutschland führt jährlich Kakao im
Werte von rund 25 Millionen Mart vom Auslande ein , und dabei
ist es heute bei einer Einfuhr von Kakao aus Kamerun im Werte von
noch nicht 1 Million Mark schon nicht mehr möglich , den Kamerun -
Kakao am deutschen Markt zu den reellen Marktnotierurtgen ab¬
zusetzen , trotzdem von allen Seiten , namentlich in den Kreisen der
Deutschen Kolonialgese llschaft . für die Verrvendung deutscher Kolonial -
erzeugnisse Propaganda gemacht wird . Der Katnerun - Kakao wird
heute bereits nahezu reit : verwertet , da sich der ihm früher an¬
haftende eigentümliche Charakter durch bessere Erntebereitungstuethoden
verloren hat .
Die auf Anregung Dr . Preust in Kamerun allgemein eingesührte
Kakaotrockenmaschine „ Guardwlas Patent " bewährt sich auch auf der
Pflanzung Bibundi seit Jahren ausgezeichnet . Diese Kakaotrocken¬
vorrichtung wurde von Dr . Preust gelegentlich seiner im Aufträge
des Kolonial - Wirtschaftlichen Komitees ausgeführten Studienreise nach
Zentral - und Südamerika als die beste aller benutzten Einrichtungen
zum Kakaotrocknen bezeichttet .
Das Konto für Tabakbau schließt nunmehr endgiltig mit einem
Verlust von 234 878 M ab , welcher Betrag auf Gewinn - und Verlust -
Konto überschrieben wird . Das für Tabatkultur vorbereitete Gelände
voll 104 ha wird nunmehr für Kakao - und Bananenattpflanzungett
Verwendung finden . Der Bestand an Bananen beträgt bereits
70 000 Pflartzen , die Erträge werden zur Arbeiterernährung ver¬
wandt werden .
Die Leitung der Pflanzung hat Herr R . Schoepke , unter
welchem bis zu 11 weißen Angestellten in den Pflanzungerl . ein
Lazaretgehilfe , ein Arbeiteranwerber und ein Faktorist beschäftigt
rvaren . Der Bestand an Arbeitern betrug im Berichtsjahr durch¬
schnittlich 717 , womit der Bedarf zur Bewirtschaftung der Pflanzungen
genügend gedeckt war .
Das Gewinn - und Verlust - Konto schließt , in folge des erheblichen
Verlustes des Tabakbau - Kontos , mit einem Verlust von 151 720 M ab .
Zur Verfügung stehen für das lausende Jahr noch die letzten 25 %
des Vorzugskapitäls von 600 OOO M , welche inzwischen eingefordert
sind . Bei günstiger Fortentwickelung der Kakaopflanzungen und
steigenden Eruten dürfte die Gesellschaft iu diesem Jahr einen
Ueberschuß aus den Ernteerträgtlissen über die Ernte - uub Betriebs¬
kosten erzielen .
Die Versammlung genehmigte den Bericht und wählte die satzungs -
gemüß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrats , die Herren
M . Retz lass . Dr . Scharlach und H . Up mann , einstimmig wieder .
Ws .