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Deutsche Aolonialzeirung.
Nr. 2
weltpolitische Bildung des deutschen Volkes — oder wenigstens
großer Teile — hat," Nicht Zum ersten Male in der Geschichte,
sich als unüberwinickarer Gegner gezeigt«
And ähnlich in wirtschaftlichen Fragen. Rohstoffe waren
das Schlagwort. Ader dieselbe Presse, die durch die Ver¬
quickung von Flandern mit dey Kolonien der Oeffentlichkeit den
Blick trübte, beliebte die Sache so darzustellen, als'handle es sich
bei „Rohstoff" wesentlich um die Erzbecken von Briest Wir
wollen auf die Einzelheiten dieser Fragen hier nicht weiter
eingehen. da sie den meisten noch in Erinnerung sein dürften«
Es waren die Erscheinungen, die das deutsche Volk so unheil¬
voll spalteten.
Weshalb wir diese Frage anschneidend
Einfach gesagt: zur Vermeidung von Legendenbildungen und
Zur Steuer'der'Wahrheit! In der letzten Zeit hat die Grün¬
dung einer Reihe kolonialer Einrichtungen die Veranlassung
.dazu gegeben, daß in Versammlungen usw. Vorwürfe gegen
die Kolomalgesellschaft erhoben worden sind. Sie habe wicht
genug für die Erhaltung des kolonialen Gedankens getan, habe
geschlafen, usw. 'Ohne' weiteres können, wie manche Aus¬
führungen bewiesen haben, diese Behauptungen zur Haupt¬
sache auf die Tatsache geschoben worden, daß ihre Vertreter sich
gar nicht erst der Mühe unterzogen/hatten f-estzustellen, was
überhaupt geschehen war. Mit anderen Worten: es wurde
reichlich leichtfertig behauptet.
■ Wie lagen die Dinge denn?
Mach Ausbruch des Krieges schwieg die gesamte deutsche
Presse sich über die Kolonien aus, voran die Berliner» Das
mochte hingehen, solange dadurch kein Schaden erstand, d. st,
solange es einen Kriegszielstreit noch nicht gab. 'Anders wurde
es um die Wende 1915/16. Da wurde ein Eingreifen im Sinne
der Belebung des kolonialen Interesses notwendig, wenn unsere
Ziele nicht unter die Räder kommen sollten. Nach Lage der
Dinge hieß das: Beeinflussung der Presse. Daß das bei der
politisch einseitigen Orientierung der nationalen Messe m
Sachen der Kriegsziele nicht, leicht war, lag auf der Hand, um
so 'mehr, als jeder Mann vom Bau weiß, wie die Zeitunas--
dienste aller möglichen Interessengruppen damals ins Kst-m
schossen» Zwei Organisationen waren es damals, die die An-
Gelegenheit in die Hand nabmen, und' zwar gleichzeitig: die
Kolonialgesellschaft und das Koloni-alpolitische -Komitee, erstere
durch ihre'zweimal im Monat erscheinende, den Zeitungen un¬
entgeltlich zugehende Korrespondenz „Deutsch-Uebersee".' Wenn
seitdem die deutsche Presse — die große Berliner kam dabei
natürlich weniger in Betracht — dauernd koloniale Am'Me
und Notizen gebracht hat. so ist es zu 90 % das Verdienst der
genannten beiden Organisationen. Sie sind damit — mittel«
bar >und unmittelbar — zum Neuwecker des kolonialen Ge¬
dankens geworden, und ihnen ist es zu verdanken, wenn heute
das deutsche Volk „koloniale eist ist. Ihnen allein ist es' zur
danken, daß der koloniale Gedanke nicht längst verkümmert ist
Sie haben die Saat gelegt, aus der das Interesse aufgegangen
ist, das heute in seiner Gei-Mo ssenheit die einzige'Waffe
Deutschlands im Kampf für seine Kolonialgeltung' darstellt.
Und kein wichtigtuerisches Gerede kleiner Gernegroße'wird-diele
Tatsache hrnwegleuguen können. Wir verkennen nicht, daß sie
eine wesentliche Unterstützung durch die ihnen parallel laufende
selbständige^ aufklärend publizistische Tätigkeit von Männern
wie: ^ Lenationsrat Ziwmermann, Leutwein, Oloff, Lensest
Ouessel, Kran old, E. Zünmermunn, Karstedt, Tobler und Ws
Kolonialwirtschaftliche Komitee usw., gehabt haben. Das Rück¬
grat aber bildeten fiel
.. ,Wer war es weiter,' der durch Hunderte von Vorträgen vor
Arbeitern,. Lazaretttnsassen usw., in Vereinen und Abteilungen
immer wieder gmahnend und auftlävend gewirkt hat? Die
Kolonialgesellschaftk Wer hat den Vorträgen So Iss und der
Parlamentarier den Rahmen geschaffen? 'Die Ko'lonialgeselst
schast! Wer versorgte die Feldzeitungen mit kolonialem Stoff?.
Die __ Kolo ni algesells cha ft ! Wer bat neben dem Kolonialwirt-
schaftlilchKn Komitee Zehntausende von Broschüren hin aus-
geschickt? Die KoloniaLgesellschaftt
ES ist wahrhaftig nicht Eigenlob, wenn wir das alles hier
aufwärmen. Aber Win haben auch keinen Anlaß, die Wahrheit,
verdunkeln und törichte Legenden am Leben zu lassen, deren
Entstehungsursache vielfach nur ein propter üivickimn und
Unkenntnis bildete.
, In diesem Zusammenhänge müssen wir leider auch persöm
lich werten. In der Morgenausgabe der „Magdeburgischen
Zeitung" vom 2. s^ebruar beschäftigt sich Herr Emil Zimmer^
ruann unter der Ueberschrift „Kolonialer Aufschwung" auch mit
der Kolomalgesellschaft. Nachdem er mit Recht auf'den wahn«
witzigen Fehler hingewiesen hat, den Phantasten mit der Aus¬
malung von Zukunftsmöglichkeiten in Mesopotamien, mit der -
Ausnutzung heimischer Gespinstfasern usw. an gerichtet haben,
wodurch sie das koloniale Interesse ertöteten (wobei er-reue¬
voll seine begeisterten Schilderungen des Bialowescher Waldes
und feine daran geknüpften Folgerungen bezüglich der afrika¬
nischen Wälder - verschweigt), führt er die Neugründung Mi>
nialer Veeemigungen' folgendermaßen ein:
„Wir haben ja während des Krieges die Deutsche Kolonial-
gesellschaft gehabt; die Führung dieser Körperschaft aber hat
nicht den Weitblick besessen, entschlossen denjenigen beizu-
pflichten, die seit 1915 das große Mittelafrikareich unter Ver¬
werfung aller kontinentalen Eroberungspläne gefordert hatten.
.Die Verbindung 'der obersten Spitze dieser'Gesellschaft mit
Tirpitz und seinem Kreise ist bekannt genug: es soll daran nicht
weiter gerübrt werden. Es soll" daran nur erinnert
sein, um zu erklären, weshalb die Rettung 'nicht von der Deut¬
schen KolonmLgesellschast ausgehen konnte. Sie hatte die Kraft
zu einer großen Aktion verloren/'
Herr Zlmmermann hat schon-vor einiger Zeit einmal in
seiner eigenen Korrespondenz versucht, sich an der Kolonial-
gesellschaft zu reiben. Es blieb beim Versuch, weil die Presse
von seinen Ausführungen keine Notiz nahm. Wir haben föie-
Angel-eg-enbei't deshalb auch dalstn gelegt., wohin sie gehörst:'st
den Papierkorst Den neuen Vorstoß aber Möchten wir doch nicht
' ganz unwidersprochen lassen, sei es auch nur, um in Herrn
Zimmermann den Est'^uck rnstt zu lallen, als
Wären wir geneigt, ausgerechnet i h n als Richter hinzunehmen.
Er stellt — sebr tapfer und geftnnungstüchtig — m An¬
spielung ans die Stellung des PräMenstn der Kolonialgesell¬
schaft ?u der schmaens' io za aha st,
Herr Z.? — dm Dinge so dar, als hatte die Kolonialgesellschaft
ein koloniales Programm nicht besessen. Sind Sie so wenig unter-
| ricktet Herr Zimmermann, oder'war Ihnen in einem 'Augen-.
blick rior-überqehender Vergeßlichkeit entfallen, daß die Kolonial-
gesellschaft in Versammlungen, in ihrer Zeitung und ihrer Kor¬
respondenz ein Programm verfochten hat, das mit Ihren
Kongo-Iltovien allerdmgs nicht ganz übereinstimmte, das aber
doch, um Ihre Worte zu gebrauchen, die Kraft besaß, auch für
die NNckaewmnuna unsirer Südseekolonren einzutreten?
^ Aber Weiter: In unserem Programm vom 80. Juni 1917
beißt es- ©nie f olche E r w e ist e r u n g ist' in erster
L iu i e i n M i tiel afr tk a — F e st land un d I u sein —
a n z u st rede n. Das e r m ö n l i d> t b e n Z u f a m m e n«
' ? ck l u ß der bisherigen deutschen K o t o n i e n —
Haben Sie das wirklich vergessen Herr Zimmermannd Es
wird uns angesichts Ihres demagogischen Hinweises auf die
Stellung unsres Präsidenten zur Vaterlandspartei — neben¬
bei seine ganz persönliche, unsere Gesellschaft nicht berührende'
Angelegenheit — schwer. Ihnen ein Vergessen zugute zu halten.
Um so mehr, als es knapp ein Jahr her ist. daß Sie noch, wenn
auch vergeblich, Fühlung mit der jetzt von Ihnen perhorre-
szierten Gesellschaft suchten. Sie besinnen sich? Oder wünschen
Sie Einzelheiten ^
Herrn Zimmermanns Aufsatz beginnt: „Durch unser Ge¬
baren während des Krieges haben mir unsere koloniale Zu-'
kunft verschleudert/' Soweit er die leidige Überschätzung der
Kontinental Politik zuungunsten der Weltvoliti! im Auge hat,
unterschreiben wir leine Behauptung. Wenn er abest im
Gegensatz zu der kraftlosen Kolonialgesellschast sich und Herrn
Dr. Rohrbach als Initiatoren des kolonialen Programms
feiert, so möchten wir die hierin zutage tretende „Vergeßlich¬
keit" doch nickt ungerügt lassen. Die Schriftleitung tzder
„M-a gvebnrgischen Zeitung" hat diese freilich schon insofern
^ sofort richtig gestellt, als sie von sich ans auf die gleich¬
lautenden, von ihr seinerzeit veröffentlichten kolonialen For¬
derungen Du Karstedts hinweist. Bei den engen Beziehungen
dieses.' Herrn zur Kolonialgesellschaft ein weiterer Beweis für
den Wert der Zimmer-mannsch-en BehauPtmMnI
Und damit dürfen wir ihn 6 tutti qiianti der moralischen
Einschätzung durch unsere Leser überlassen.
protestiert gegen den Raub der dcutfdben
Kolonien I
Das war der Ruf, mit dem die Deutsche Kolonialgesellschaft,
der Reichsverband der Kolonialdeutschen, der Deutschen Frauen¬
verein vom Roten Kreuz für die Kolonien, der Frauenbund der
Deutschen Kolon ialges ells cha st, die Deutsche evangelische
Missionshilfe und der Vertreter der katholischen Mission zu
Massenkundgebungen am 2. Februar st I. in Berlin eingw
laden hatten. Lange vor Beginn der Versammlung war der