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Nr. 8
ein Menetekel bedenklichster Art war, wurde seinerzeit auch
an dieser Stelle geibracht-- Die Deutsche Kolonialgesellschaft
ließ -fie überdies als Lichtbild vervielfältigen. Das Menetekel
verhallte ungestört» Daß Diltes und Rh ödes' Plan eines eng¬
lischen Afrika vom Kap bis Kairo zur Tat geworden war, daß
eine englische Brücke sich vorn Nil über Arabien und Jemen
nach Indien wölbte, das alles ging an unserer Politik wie an
unserer Oeffentlichkeit ebenso spurlos vorüber wie die Tatsache,
daß. der Zusammenbruch Rußlands die englische Politik in
Sachen-Asiens von einem furchtbaren Mb befreite mch das
vollständig machte, was sich in diesen Tagen mit der Erklärung
des englischen Protektorats über Persien vollzog: die Angli-
sierun-g des gesamten südwestlichen Asiens!
Daß man in Deutschland — nicht in der deutschen Politik,
für die die Aufstellung von Richtlinien der auswärtigen Politik
im Augenblick wohl nicht gut möglich ist — aus den hier cm-
gedeuteten Fehlern der. Vergangenheit.gelernt hat, ist einst«
weilen nicht ersichtlich« Unsere „öffentliche Meinung" vielmehr
schwimmt einfach munter auf der Oberfläche weiter und geht
vielfach so weit, das Kind mit dem Bade auszuschütten, m-dem
sie sich in Sachen der überseeischen Fragen völligster Lethargie
hingiüt. Zwischen himmelhoch jauchzend und zum Tode be-'
trübt, zwischen rosenrotem Optimismus und absoluter Gleich¬
gültigkeit pendelt das hin und her, was man einmal deutsche
Volkskraft nannte, um bereit zu sein, jeden Schritt der Re¬
gierung unter ihre sachverständige Stimmungs« und Partei-
fniif zu nehmen. Ist diese Neigung zur ewigen Nörgelei bei
gleichzeitiger Abneigung zur. Mitarbeit —- wohlverstanden zur
ernsten, nicht zu der in Sitzungsbeschlüffen und papierenen
Protesten — eigentlich nicht tief beschämend d Wäre es nicht
gerade im ^ Zeitalter der parlamentarischen Regierung not¬
wendig, daß die Reform von unten kommt und das, was sich
amtliche auswärtige Politik nennt, nur zum Spiegelbild und
Niederschlag der Arbeit und des Wirkens der breitesten Schichten
und Kräfte des Volkes -wivdd Ich fürchte, daß andernfalls auch
hierin wieder die Sozialdemokratie den Wind i n i h r e n Segeln
fängt und damit dem Staatsschiff den naturgemäß einseitigen
Lauf gibt. Man lese die „Glocke", die „Sozialistischen Monats¬
hefte", um zu erkennen, daß diese Möglichkeit nicht so fern liegt.
Daß aber eine einseitig Parteipolitisch orientierte Ueberseepolitik
cin Fluch für unsere Neugestaltung wäre, braucht keines Beweises.
Praktisch bedeutet diese Erkenntnis die Ka-rrrpfansage gegen
die bequem-resignierte Auffassung, die da. sagt: Es ist ja doch
alles umsonst, daher möglichst bald Schluß mit aüem/was nach
Imperialismus, Üeberseepolitik usw. schmeckt!
Und zwar eine recht energische Kampfansage, die aus dem
Gefühl der Notwendigkeit' entspringt, alles zu unterstützen,
was den Blick von der Misere des Alltags abzieht und die
Grundlage für den Wiederaufbau stärkt.
^ Denn unser Wiederaufbau bleibt nun einmal untrennbar
mit der Frage verbunden, ob es uns gelingt, uns unfern An¬
teil an der Mitbewirtschaftun-g der Welk zu -schaffen oder nicht.
Ob wir Baumwolle aus Nordamerika oder Oelstoffe aus West-
afrika holen können, ob deutsche Eisenwerke ihre Brücken und
Maschinen, ihre Starkstromleitungen und Eisenbahnschienen
nach Südamerika und Südafrika äbsetzen können, ob der Zoll¬
tarif in Indien und A-ustvalion uns gleiche Rechte wie andern
gibt: \h a s sind die Fragen, von deren Beantwortung Sem und
Nichtsein für uns als Staat und Volk abhängt. Der englische
Arbeiter, mit weltpolitischem Instinkt trotz aller Minderbildung
bis an die Fingerspitzen voll, wußte, -daß'von Englands Sieg
oder Niederlage für ihn alles abhimp Die Frage, ob die
englische Textilware oder das deutsche Erzeugnis den Vorrang
haben ' sollte, war seine Politik, während in Deutschlands
Jdeologenköpfen abstvakte Weisheit sich als Politik gebärdete,
die höchst nebensächlicher Art war. Ob die So z-i a wer st cheru n g
in Deutschland am Gipfel ihrer Leistungen angelangt oder noch
verbefferungs-fähig ist, ob war sozialisieren oder nickst: das alles
verschwindet doch gegenüber der anderen,' größeren Frage:
Wie stehen wir zur Umwelt, gilt im Kauf, in Handel und
Wandel'Gleichberechtigung oder nationale Monopolwirtschaft ?
Gewiß: das mag in das Partetgetriebe nicht recht hinein-
passen, weil die Partei hier verschwindet, verschwinden mutz, da
>das Rationale einstweilen noch stärker als das Weltbürgerturn
ich Aber einmal Müssen wir doch zu dieser universaleren
Au ffa ff ung g ela nge-n f
Was zu tun ich ist in erster Linie Aufklärung und wieder
TufNäeung. Glänzende Vorarbeit ist geleistet irr Vereinen und
von Einzelpersonen. Wer sie muß tiefer-noch gehen als bisher.
Daß unsere Jugend in d-er Schule mit großem Wissen ungefüllt
wird, ist gut und schön. Wichtiger aber ich daß fie lernt und
erfahrt, daß alles Wissen Ballast bleibt, solange sie keine Mög¬
lichkeit zur Verwertung dieses Wissens haß -Und- diese Auf¬
klärung muß vor allem auch das Mittel sein, um unser Bürger¬
tum aus seiner -stumpfen Gleichgültigkeit gegenüber allem, was
außerhalb seines engen Horizonts liegt,-zu reihen. Es muß
begreifen lernen, -daß es ihr Zeitalter der verschwindenden Ent¬
fernungen sich keine Robinsoninsel mehr schaffen kann, daß,
gerade w e n n es im besten Sinne des Wortes national sein
will, es den Willen -auch zuw Jntermationalen haben much
Der Begriff der „Bildung" muß reformiert und an die Stelle
des rein Geistigen der Sinn für politische und wird
schastliche Realitäten gesetzt werden. Dann wird es
nicht wieder Vorkommen, daß man Millionen von
Landsleuten, die hinauszuwandern genötigt waren, als
zweitklassige^Wesen betrachtet, wie-es ein General noch' Umh-
rond des^ Krieges unwidersprochen tun durfte, dann wird mmt
lernen, sich die wertvollen Kräfte für Deutschland nutzbar zu
machen, die im Ausland leben, llnh dann wird man zu einem
deutschen Kulturim-perialismus gelangen, dem die Zeit, da das
große Deutschland für Auslandsschulen nicht einen Bruchteil
dessen zu opfern fähig war, was z« B. Italien leistete, als
wüster Traum erscheint.
Die Anfänge zu den Musterungen eines derartigen Kultur^
imperialismus besitzen wir ja. Man denke an die Leistungen
unserer Missionen, unserer Auslandsschulen, an die deutschen
Krankenhäuser, an die Erfahrungen, die z. B. der Frauendsvein
vom Roten Kreuz für die Krankenpflege in den Kolonien, ans
dom. Gebiet der" Wohlfahrtspflege sammelte. Sich die Be--
doutung dieser Einrichtungen für den Wiedevaufb-cm vor Augen
zu halten, ist um so notwendiger, als alle diese Organisationen
auf' privater, völlig freier Grundlage beruhten, d/ h. mit mo¬
deren Worten, daß sie von dem mehr oder weniger großen
S atmlleri der Heimat lebten und abhängig waren. Bisher
„Heimat" in diesem Sinne aber nur eine dünne Schicht der
Bevölkerung, die vielfach obendrein nur als Ergebnis der so¬
zialen Beeinflussung ihre Unterstützung darbot. Rein bürger¬
liche Bevölkerungsklassen, die jetzt obendrein infolge des Zu-
sammenbimchs vielfach genötigt sind, das fallen p lassen, für
das sie unter den früheren Verhältnissen zu arbeiten als selbst¬
verständlich . anfctfjen. Diese p r i vare Initiative aber
muß erhalten bleiben, m u tz auf eine s o % i a i
b rettete Basis gestell t w e r 'd e n , s ch o n w e i l d e r
Parlamentari s m u s n o t w e n d i g e r w ei s e g a it z
ander s als jede andere Regier u ng s form t m 1 1
M a s s e ‘it; ff i m m u n g e n rechnen m u ß. Nicht, w-erl es
|ut Selbstverstandstchkeit des guten Tones gehört, diessm oder
Wnemr Verein anzug-ehören, sondern um der Sache, d-er natio¬
nalen. politischen' Sache wegen sollte ein neuer Impuls st je
Unterstützung aller dieser Einrichtungen sich- angelegen sein
lassen! Und nochmals: auf allerbreitester Basis! Als Sache einer
über den Rahmen der Partei, der gesellschaftlichen Schicht, des
Besitzes hinausa.tzenden Angelegenheit des gesamten Volkes!
Daß alle diese Einzelkräfte dann nicht mehr irpatomistischer
Vereinzelung neben- oder aar gegeneinander arbeiten, sonder;:
unter selbstverständlicher Wahrung ihrer Einzelfunktion-en sich
zur Arbeitsgenr-ernlschaft zusammenfinden müssen, ist selbst»
verständlich.
Das Ziel steht fest: Wioderau-frichtung der deutschen Stel¬
lung in Ue-berste. Fest steht weiter, daß dieses Ziel zum. Ziel
der'Gesamtheit des gangen Volkes gemacht werden mutz. Wird
es gelingen, die vorhandenen Kräfte zu sammeln?
f>te Kairo-Kap-Route.
Von Professor Otto B a s ch -i n.
Der Friedensoertrag hat England de;p Besitz von Deutsch-
Ostafrika gebracht und ihm damit die Möglichkeit gegeben, reuen
Lieblmgsplan des britischen Imperialismus zu verwirklichen,
den man wohl als einen der Haupttriebkräfte bezeichnen kann,
die England veranlaß ten, unter Bruch der von ilpn^ in der
Kongo-Akte eingegangenen Verpflichtungen den Krieg auf
afrikanischen Boden zu übertragen ^ und nicht eher zu ruhen,
als bis Deutschland völlig aus Afrika verdrängt war. Dieser
Plan ist die Herstellung'eines gesicherten, völlig in chemischen
Händen befindlichen Landweges durch Afrika von Nord nach
Süd, die Kairo-Kap-Noute. Sobald die englischen Staats¬
männer 'erkannt' hatten, daß Deutschland nicht imstande^ sti,
den Krieg zu gewinnen, und man demnach über deutsche kolo¬
niale Ansprüche zur Tagesordnung übergehen könne, stellte die
Nopal Geographica! Society zu London eine Zeittafel aus, aus
der nähere"Einzelheiten über die sofort in Angriff genommene
Organisation des Verkehrs auf der Kap-Kairo°Route ersichtlich
sind. Der Weg geht von Kairo nilanfwärts ,um Vittoria-S«
und von dessen Südufer bei Muansa über Tabo'ra und Kigonra