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und Neuseeland gewinnen. Diese Ausdehnung wünscht man auf alle Fälle zu erzielen,
soweit es geht mit friedlichen Mitteln, sei es durch Ankauf oder wirtschaftliche Eroberung.
Für die Philippinen beispielsweise. ist oft in der japanischen Presse der Ankauf von
Amerika als zeitgemäß und zweckmäßig bezeichnet worden."
: Auch wir zweifeln nicht daran, daß es Japans Absicht ist, ein Großbritannien des
fernen Ostens zu werden. Aber die klugen Japaner kennen auch die Gegner, die sich
der Ausführung dieses Planes entgegenstellen werden: die Engländer und die
Amerikaner. Daher ist es mit allen Kräften bestrebt, die Machtmittel — namentlich
die wirtschaftlichen Machtmittel — Chinas und Rußlands sich dienstbar zu machen,
während die Engländer und Amerikaner Japan in diesem Bestreben nach Möglichkeit
zu hindern suchen. ,
Was zunächst Rußland angeht, so hat sich ja Japan gut vorgesehen: Ver¬
loren hat Rußland alle Vorteile, die es sich im Frieden von Portsmouth hinsichtlich der
Mandschurei gesichert hatte. Heute befindet sich die Mandschurei tatsächlich in der Ge¬
walt Japans. Wie russische Blätter melden, hat die russische vorläufige Regierung gegen
entsprechende Zahlung auf die mandschurischen Bahnen zugunsten Japans verzichtet.
Rußland war den Japanern infolge von Kriegslieferungen zu stark verschuldet, und
Japan wollte wohl ein Pfand in Händen haben. Das war natürlich den Amerikanern
äußerst unangenehm und so sind, seitdem Englands Kredit nahezu erschöpft ist, viele
Millionen amerikanischen Geldes nach Rußland geflossen gegen weitgehende Verpfän¬
dung von Gruben und Bergwerken in Sachalin, Sibirien, im Ural und im Kaukasus.
Das bringt natürlich die hellhörigen Japaner in Erregung. Sie wollen keine Abhängigkeit
Rußlands von den Vereinigten Staaten. Finanzielle Abhängigkeit führt zu leicht zur
politischen, wie sich aus dem Verhältnis Frankreich-Rußland ersehen läßt. Aber die.
Vereinigten Staaten lassen sich durch den Unwillen Japans in ihrem Vorgehen nicht
stören. Sie pachteten nicht nur den nördlichen Teil der Insel Sachalin, sie entsandten
auch unter Begleitung von Kriegsschiffen Transportschiffe dahin. Einige japanische
Blätter drücken die Befürchtung aus, daß die Vereinigten Staaten sich mit Sachalin
eine Operationsbasis für die Zukunft schassen wollen.
Das japanische Selbstgefühl, das während des Krieges noch gewaltig zugenommen
hat, findet die amerikanische Flankierung auf den Philippinen und auf Sachalin uner¬
träglich, zumal die Vereinigten Staaten sich allmählich in einen Militärstaat verwandeln
und bei sich den „Militarismus" einsühren, den sie angeblich in Deutschland bekämpfen.
Dazu kommt, daß anscheinend die Vereinigten Staaten völlig Hand in Hand mit
England gehen und baß infolgedessen das japanisch-englische.Bündnis in die Brüche
zu gehen droht, denn England ist Japans Hauptgegner in China.
. In China sind ohne Zweifel gewaltige englische Interessen vorhanden. Die
Hineinziehung Chinas in den Weltkrieg wird man sicher als einen Erfolg der englischen
Diplomatie anzusehen haben, denn dadurch werben die japanischen Pläne durchkreuzt,
die sich China als Rückendeckung gegen die Engländer und Amerikaner gedacht hatten.
Darauf deuten wenigstens die Forderungen des japanischen Ultimatums vom 8. Mai 1916
hip, dem sich China bekanntlich unterworfen hatte. Die Engländer zwangen aber China,.
erst, die Beziehungen mit Deutschland abzubrechen und trieben es dann zum Kriege.