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'.l 'ljpr Familien kommt von allen unseren Tropenkolonien in erster Linie dieses unser
fernstes Schutzgebiet in Betracht, weil keine andere so wundervolle Gesundheitsverhältnisse
hietet. Die gefürchtetste Tropenkrankheit, die Malaria, gibt es nicht, da die Überträgerin,
die Anopheles-Mücke, dort micht heimisch. Das sog.. „Samoafieber", die Filariasis, ist
für den Europäer nicht gefährlich. Denn nur. wenige werden von ihm befallen, auch ist
es fast nie tödlich und, verursacht keine Schädigung edlerer Organe. Meine Familie und
ich selbst sind jedenfalls in den langen Jahren nicht einen Tag krank gewesen und es gibt
eine große Anzahl Europäer, die bis in ihr hohes Mer dort gelebt und sich ihre geistige
und körperliche Frische voll bewahrt haben. Deshalb ist dies Jnselland wie kein anderes
geschaffen, die deutsche Familie unterm Tropenhimmel heimisch werden, zu lassen.
Aber auch die Existenzaussichten find für den, Pflanzer in Samoa die denkbar günstig¬
sten. Allerdings ist zur Anlage einer recht rentablen Pflanzung ein ansehnliches. Kapital
erforderlich. Denn es handelt sich immer um Kulturen (wenigstens bis jetzt), die lange
Jahre brauchen, ehe sie Erträge liefern unbindieser Zeit große Geldaufwendungen erfordern.
Die Kokospalme wird rein, von den. privaten Pflanzern, wenig gebaut, besonders,
weil es ihnen, an.dafür geeigneten Arbeitern mangelt, und dann auch, weil die änderen
Kulturen höhere Erträge versprechen. Doch wurde sie früher öfters als Zwischenkultur
heim Kakao gewählt, gewissermaßen als Rückendeckung für den Fall, daß. es mit diesem
einen Fehlschlag gäbe. Doch ist man davon bald, als man die Erfolge des Kakaobaues vor
Augen hatte, abgekommeu. Dann wurde noch, vielfach Gummi zwischen den Kakao ge-
. pflanzt. Doch auch das unterblieb in. letzter Zeit,, da man erkannte, daß beide Kulturen
sich auf die Dauer , nicht miteinander vertragen. Der Privatpflanzer hält sich fast aus-
schließlich an den Kakao, und er tut recht daran. Denn es ist nicht nur eine höchst einträg¬
liche, sondern auch relativ sichere Kultur. Wohl gibt es neben guten (und ungeheuren)
Erntejahren auch schlechte, aber eine regelrechte Mißernte, bei der nicht mehr, als die Be¬
triebskosten herauskämen, ist nach den bisherigen Erfahrungen ausgeschlossen.
Ein unendlicher Segen ruht im samoanischen Boden. Ungefähr Anfang dieses Jahr¬
hunderts wurde dort mit dem regelrechten Anbau von Kakao begonnen. Das Resultat,
wie es jetzt vorliegt, ist überraschend. Der Kakao trägt in Samoa nicht nur mehr, als das
Doppelte dessen, was in den bisher besten Kakaoländern erzielt, wurde, auch die Qualität
der eingeführten Saat gibt das Land veredelt zurück, so daß auch der Forastetokakao fast
ebenso wie die Edelart des Criollos auf dem Markt die höchsten'Preise erzielt. Samoakakao
wird wegen seiner Qualität nur als Veredelungszusatz hei der Herstellung feinster Schoko¬
laden verwandt. Das wichtigste Ausfuhrprodukt der Kolonie ist zwar die Kopra und wird
es voraussichtlich noch lange bleiben. Aber für den privaten Pflanzer ist fraglos die Kakao-
kultnr die aussichtsreichste.' Daß eine kleine Anzahl Leute, die um 1904—06 zuzogen und
mit Kakaobau begannen, kläglich Schiffbruch gelitten, lag an vielerlei Umständen. Vor
allem waren es wohl nicht gerade die Geeignetsten, dann war das Kapital, über das sie
verfügten, vermutlich nicht hoch genug und endlich fehlten damals noch allgemein die
nötigen Erfahrungen. Schon die Wahl des Landes, hoch oben an steilen Berghängen ohne.
jede Zufahrtsstraße — man schüttelt heute den Kopf, wie so etwas möglich war! Aber
allgemein ist man erst über, viele Fehler und Mißerfolge zur richtigen rationellen Behand¬
lung der Mltur gelangt, denn sie mußte ja erst den speziellen Verhältnissen des-Landes
angepaßt werden. Was. in anderen Kakaoländern bisher als Evangelium gegolten, z. B.