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bte starke Beschattung der Bäume, erwie ssich mit den Jahren für Samoa bei den älteren
Beständen als schädlich. Man mußte mit mehr oder weniger großem Verlust die sorgfältig
gepflanzten und gepflegten Schattenbäume, die zum Teil eine bedeutende Höhe erreicht,
wieder entfernen. Man erkannte, daß ein Pflanzen von Schatten in Samoa beim Forasterö-
kakao überhaupt nicht notwendig, daß hier die gütige Natur die idealste Schattenpflanze
in der Papaye spendete, die überall, nachdem der Busch geschlagen, ohne Menschlitzes
Zutun üppig hervorwuchert. Dabei ist es spielend leicht, nach und nach, wenn der Kakao,
bäum des Schutzes nicht mehr bedarf, diesen zu lichten und, etwa nach drei bis vier Kahren,
ganz zu entfernen. Ebenso mußten Erfahrungen mit dem nötigen Windschutz, dem, Be¬
schneiden der Bäume und in der Bekämpfung der Schädlinge gemacht werden/ Auch bei
der Konstruktion der Gebäude für die Aufbereitung der Ernte ist mancher kostspielige, fehl-
geschlagene Versuch zu verzeichnen. Kurz, es mußte viel, sehr piel gelernt und teilweise
recht teuer bezahlt werben.
Aber nun liegen uns nicht nur diese Erfahrungen, sondern auch glänzende Resultate
vor! Eine größere Anzahl Kakaopflanzer ist zu wohlhabenden Leuten geworden. Ihr
angelegtes Kapital verzinst sich bei vernünftiger Wirtschaft mit mindestens 20, in guten
Erntejahren mit hohen Marktpreisen sogar bis zu 40 v,H., ganz abgesehen davon, daß
der Wert ihres Besitzes sich um das Doppelte der Aufwenbungskosten erhöht hat. ." ’
Am rentabelsten ist eine Pflanzung von 80—140 Äckern (1 Acker — 0,405 ha). Bei
kleineren Pflanzungen sind Anlage- und Betriebskosten verhältnismäßig höher, da die
Gebäude annähernd die gleiche Aufwendung erfordern, wie bei einer größeren Anlage
und da die Verwaltungskraft dabei nicht vollausgenutzt wird. . Bei Pflanzungen von
größeren! als dem angegebenen Umfang muß entweder die Bewirtschaftung leiden/ha '
der Besitzer oder Verwalter den nötigen genauen Überblick verliert, öder es ist die An¬
stellung einer Hilfskraft für die Aufsicht notwendig, was aber, abgesehen vhn .den erhöhten ).
Kosten, nicht als das Wünschenswerte gelten kann. -
Da also dein privaten Kakaobau in der Entwicklung der Kolonie mit die hervorragendste
Bedeutung zukommt, möchte ich die Anlage einer solchen Pflanzung und ihren Betrieb
ausführlicher schildern. Nehmen wir also eine Pflanzung von 80 Ackern.. Der Boden muß
tiefgründig sein. Gutes Kakaoland ist in genügender Menge vorhanden. Der Erwerb von
samoanischem Besitz, Pacht sowie Kauf, ist abhängig von der Genehmigung der Regierung
die aber wohl in fast jedem Falle zu erreichen ist. Allerdings nehmen die Verhandlungen
mit den Eingeborenen eine unbestimmbare Zeit in Anspruch, und, ein, Neuankömmling
wirb gut tun, sich lieber an die leichter zu erlangenden Ländereien der D., H. P, Al zu
halten. Eine Reihe von Jahren galt die Gegend gleich südwestlich hinter Apia.als das allgin-
seligmachende Paradies für Pflanzer. Davon ist man nun lange abgekommen.. Gewiß
sind die guten Zufahrtsstraßen und die Nähe Apias mit dem Verschiffungshafen sehr, ver¬
führerisch. aber die Laudpreise sind dort enorm gestiegen. Außerdem ist,da.der Me Boden
längst in fester Hand, frei sind fast nur noch felsiger Grund und steile Hänge. Deshalb hat
sich'schon seit einer Reihe von Jahren neues Pflanzungsleben mehr nach Westen zuent-
ivickelt, z. T. recht weit ab von Apia, bis dicht vor Mnlifanua/, Das. Land steigt hier.hon '
per Küste aus sanfter auf, ist also geeigneter als das des größten Teils des fogl „alten Pflan-
zungsbezirks". Die Nord-Ostküste kann kaum in Frage kommen, denn, an ihr.führt vpr-
läufiq nicht mal ein Fahrweg entlang, außerdem steigt hier bas Land ziemlich dicht hinter