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Australien in derselben Lage wie Amiens zu Paris ober Calais und andere Kanalhäfen
zu England. Wir verlangen nicht noch neue Schwierigkeiten, die eine Folge der Ausbreitung
unseres Grundbesitzes sein würden, aber wir sind entschlossen, zu behalten, was wir haben,
und da wir Australien nicht behalten können,- falls die Inseln sich in feindlichen Händen
befinden, so werden wir, auch mit Anstrengung all unserer Kräfte, an dieser Monroelehre
festhalten.
Und der neuseeländische Premierminister Massey erklärte in einer jüngst gehaltenen
Rede, er werde schon wegen der Ansprüche der neuseeländischen Regierung auf Deutsch-
Samoa dem Kriegskabinettsrat und der Reichskonferenz beiwohnen.. Was die Samoa-
frage anbelangt, führte er aus, so liegt der Grund für unser Interesse nicht so sehr in der
Fruchtbarkeit und Produktivität der Inseln, sondern wir sind in Wirklichkeit besorgt, weil
Samoa der Schlüssel zum südlichen Stillen Ozean ist, und wenn es an Deutschland zurück-
erstattet ist, wird es den Hauptstützpunkt der deutschen Flotte und den Mittelpunkt der
deutschen Operationen im Stillen Ozean bilden. Die britische Flagge wurde 1889 aus
Samoa fortgebracht, und Neuseelands Söhne brachten sie 1914 zurück. Meine Meinung
und Hoffnung ist, daß sie zurückgetragen wurde, um dort zu bleiben.
Nur von der Durchführung seiner Monroelehre erhofft Hughes/wie er ip New Jork,
ausspmch/eine Errettung ^Australiens, ja sogar der Vereinigten Staaten und Kanadas,
vor den welterobernden Deutschen. Das Jnselmeer der Südsee ist nach ihm nichts anderes,
als eine Brücke für die Eroberung jener fernen Weltgegenden durch die Deutschen, deren
dortige sogenannte Kolonien in Wahrheit strategische Punkte seien, auf denen man bequem
die Handelsschiffe, in Kriegsschiffe verwandeln und ihnen Schutz angedeihen lassen könne.
Nach der Zeitschrift „Round Table" würde man eine Rückgabe der deutschen Südsee¬
besitzungen an Deutschland nach Beendigung des Krieges als eine schwere Niederlage Eng¬
lands betrachten/ zumal man die Forderung nach Deutsch-Neuguinea und Samoa schon
' vor Jahrzehnten gestellt hat. - •
■ . Man fordert somit Ozeanien für die Angelsachsen/ eine Forderung, die schon 1909,
aber auch schon früher wiederholt gestellt wurde in Form einer englisch-australisch-amenka-
nischen Allianz zur Anglisierung des. Stillen Ozeans. Wer,, sagen die „Frankfurter Nach¬
richten" mit Recht, vor dem Kriege wie heutzutage ist es dieselbe durchsichtige Heuchelei,
die man anwendet, indem man sich gegen eine deutsche Südsee wendet, tatsächlich aber
hierdurch eine Japanisierung des Stillen Ozeans bekämpfen will.
‘ „Zur Zeit ist Japan der Herr der Südsee,, und, Ms diesem Grund hütet man sich in
London wohlweislich, Australien und. Neuseeland d'e Erfüllung ihrer heißen Wünsche zu
gewährleisten. Man will Japan unter keinen Umständen reizen, ist aber sehr wohl darüber
.unterrichtet, daß vorläufig das Jnselmeer der Südsee eine bequeme Brücke für die Asiaten
ist, so. gut wie ungehindert die britischen Sübseedominien zu erreichen, und daß sehr wohl
eine japanische Politik denkbar ist, der daran gelegen sein könnte, daß Deutschland nicht nur
Kolonien, sondern geradezu maritime Stützpunkte <m der Südsee hat."
■ Diesem Gedankengange vermögen sich denn zu unserer aufrichtigen Freude mit der
Zeit auch die Herren-nicht zu verschließen, die bisher alles koloniale Heil Deutschlands
.allem m.Afrika erblickten und sich entschlossen hatten, die deutschen Südseegebiete auf-
- zugeben/ So führt Emil Zimmermann aus,.daß es für die Union und den australischen