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Düngung des Bodens ist bei Saatbeeten unbedingt erfor¬
derlich. Man kann für ein Gramm Saat ein Beet von
5 Quadratmeter rechnen. Die kühl aufzubewahrende
Saat darf vor Ihrer Aussaat nicht vorgekeimt werden.
Um minderwertige Saat auszumerzen, wirft man diese kurz
vor dem Aussähen ins Wasser und entfernt alles auf dem
Wasser schwimmende Saatmaterial. Zum Aussähen nimmt
man einen Teil Saat, zwei Teile Kleinviehmist und zwei
Teile Sand oder Asche, vermengt dieses ordentlich und
beginnt mit der Aussaat. Ist dies geschehen, so drückt
man die Saat vorsichtig mit einem Brettchen an und
oegiesst mit einer feinen Brause. Ein Zusammenschwemmen
des Samens ist dabei zu verhindern. Die Beschattung
ist hierauf sofort vorzunehmen. Das mindestens zwei
Mal im Tage vorzunehmende Begiessen, wobei die Be¬
schattung nicht entfernt werden darf, muss nach drei bis
vier Tagen während des Keimens äusserst vorsichtig gehand-
habt werden. Der Tabat geht nach sieben Tagen auf.
Vierzehn Tage später soll man damit beginnen, die Pflanzen
langsam an die Sonne zu gewöhnen, was durch Aufheben
der Beschattung in von Tag zu Tag längeren Fristen zu
geschehen hat, Haben die Pflanzen bereits drei bis vier
Blätter und eine Höhe von mindestens 10—15 Zentimeter
erreicht, so kann ihre Auspflanzung vorgenommen werden.
Die Pflanzen dürfen beim Herausnehmen aus den Saat¬
beeten nicht verletzt werden. Es soll nur in den ersten
Morgen- und Nachmittagsstunden ausgepflanzt werden.
Die Pflanzweite soll durchschnittlich 35:20 Zentimeter
betragen. Nach dem Auspflanzen soll man die Bewässerung,
wenn irgend angängig, vermeiden, da dieselbe die Quali¬
tät des Tabaks verschlechtert. Auf die Entfernung des
Unkrauts ist nach dem Auspflanzen ein besonderes Augen¬
merk zu haben.
Die Tabakernte, mit der man 3 bis 3 1 / 2 Monate nach
dem Auspflanzen beginnen kann, geschieht"in der Weise,
dass man die Blätter abbricht. Man beginnt hierbei unten
und geht in drei ca. vierzehn Tage auseinanderliegenden
Zeitabschnitten nach oben. Das Gelbbraunwerden der
Blattspitzen und Blattränder ist das Zeichen völliger Reife.
Mit der Ernte soll jedoch kurz vorher begonnen werden,
wenn das Blatt durchsichtig geworden und sehr ölig
geworden ist, wenn man es gegen die Sonne hält. Die
Blätter legt man sorgfältig in eine Kiste oder in einen Korb
und bringt sie nach dem Trockenraum, wo sie einen Tag
unberührt liegen bleiben. Das TrocRnen nimmt ca. 20 Tage
in Anspruch und geschieht teils in der Sonne, teils im
Schatten. An der Trockenheit des Blattstieles erkennt
man die vollendete Trocknung. Auf keinen Fall darf der
Tabak während des Trocknens Regen erhalten. Um die
Trocknung vorzunehmen, werden die Tabakblätter auf
- Bindfadenstücken bis zu vier Meter gefädelt, wobei das
dicke Blattstielende durchstochen wird, die Blätter dürfen
sich jedoch hierbei nicht berühren. Die Schnüre hängt
mm auf Stellagen, die vor Wind und zu starker Sonne
geschützt sind. Nach so beendeter Trocknung bringt man
den Tabak (der nebenbei gesagt nicht zu trocken werden
darf) in einen kühlen Raum, wo er längere Zeit hängen
Sann.
Um die Pastalisierung des Tabaks vorzunehmen,
muss derselbe — nicht zu trocken — mindestens einen Tag
in einen Keller oder ähnlichen Raum gebracht werden,
wo er soviel Feuchtigkeit anziehen soll, dass die Blätter
beim Berühren nicht brechen. Man glättet die Blätter
und bündelt sie zu 25—30 Stück. Gleichzeitig nimmt
man eine Sortierung nach Grösse und Farbe vor. Die
nach der Sortierung gewonnenen Bündel werden zu Ballen
von 30-45 Kilo zusammengelegt, die mit Leinwand zu¬
sammengehalten werden. In dieser Packung kann der
Tabak an den Händler geliefert werden. Geschieht dies
£rst nach längerer Zeit, so hat man darauf Acht zu geben,
dass der Tabak sich nicht erhitzt und verbrennt. ' Dies«
verhütet man durch öfteres Umstapeln bezw. Oeffneti-
der Ballen. —
J
km Kilimanjaro vor 65' jähren.
Rebmanns erste Reise nach Dschagga«
(27. April bis 10. Juni 1848.)
(Schluss.)
Meine Rückreise durch die Wüste bis zum Bura
ging wiederum in drei starken Tagmärschen glücklich Von
statten. Unterwegs fanden wir eine schöne Antilope in einer
der Gruben, welche die Teitas zum Fang der Elefanten und
anderer Tiere gegraben haben. Meine Leute beanspruchten
die Antilope als niama ya Mungu (Fleisch Gottes), wegen
der unerwarteten Weise, in der sie zu dieser Mahlzeit
gekommen waren. Von dem Flüsschen Gnaro gingen wir nach
Muasagnombe, wo wir den Häuptling Maina grüssten. Er
erklärte sich für bereitwillig, Lehrer in sein Land aufzunehmen;
und in der Tat, die Teitas scheinen das Evangelium noch
mehr zu bedürfen als die Dschaggas, welche gesündere und
reinlichere Leute sind und viel Sinn für Industrie und Kunst
haben (die Frauen haben einen Anfang gemacht in der Stickerei
mit Glasperlen), während die Teitas, besonders die Leute
von Bura, schmutzige und zum Teil schwächliche und kränk¬
liche Leute sind. In Bura verweilten wir einige Tage und
gingen dann am 6. und 7. Juni auf den Kadiaro zu. Da
ich den Weg von Kadiaro nach Rabbai jetzt schon dreimal
gezogen war, so schlug ich den Weg über Schimba nach
Mombasa ein. Schimba ist die südliche Fortsetzung des von
den Wanika bewohnten Küstengebirgs, eine Tagreise von
Rabbai entfernt. Vom Kadiaro an brauchte -ich 2 1 / 2 Tag
mit sehr starkem Marsch, bis ich in Schimba ankam. Un¬
mittelbar westlich von demselben sah ich die prächtigsten
Landstrecken von vielen Wasserbächen durchzogen und
die Zeugen der Fruchtbarkeit auf der Stirne tragend, fast
gänzlich unbenützt daliegen. Land genug für Tausende
von Familien, während das geräumige und hohe Plateau des
Schimba-Berges die schönste und gesundeste Lage mit
einer weiten Aussicht über den nahen indischen Ozean und
dem beständigen Genüsse der frischen Seeluft für christliche
Niederlassungen darbietet. Am 10. Juni hatte ich gehofft,
in Mombasa anzukommen, kam aber nur eine kleineStrecke
über den Schimba hinaus, wo ich in einer Wanika-Hütte
mein letztes Nachtlager auf der Reise fand, bis der folgende
Tag, der 11. Junius, unter Gottes Schutz und Segen mein
iy 2 Monat langes Wanderleben glücklich beendigte."
Einige allgemeine Bemerkungen über Dschagga,
Was die Dschagga am meisten von den Wateita,
Wakamba und Wanika unterscheidet, ist ihre Regierungs¬
form. Die auffallendsten Gegensätze, die in der Land¬
schaft zwischen den ausgedehntesten und einförmigsten
Ebenen und den massenhaftesten und höchsten Berg¬
formen, die plötzlich aus derselben bis über die Schnee¬
linien emporsteigen, stattfinden, lassen sich eben so wiede¬
rum in den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen
der Bewohner jener unter sich so seh'r getrennten Regionen
erkennen, während die lockersten Formen von Republiken
bei den zuletzt genannten Völkern, sowie auch einem
Teil der Pares sich finden, so dass z. B. bei den
Wakamba kaum irgend ein Individuum mit einigem Grad
von Autorität und Herrschaft bekleidet ist, in dem ein
solcher Grad nur von dem grössern oder geringem Besitz
in Viehherden abhängt, wodurch also die ununter-
brochendste Ebene in der Landschaft dargestellt ist—gehen
die Dschaggas zum andern Extrem, indem sie ' ein
Individuum in eine solche politische Höhe über sich
hinaufstellen, dass sie mit Ausnahme der Wandschama
(Geheimräte) nichts mehr weiter sind, als Sklaven.
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