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Aruscha.
Kaisers Geburtstagsfeier* Der Geburtstag Seiner
Majestät des Kaisers würde in Aruscha in der herkömm¬
lichen Weise gefeiert Am Vorabend dieses Tages veran¬
staltete die hier garnisonierende 1. Kompagnie einen
Zapfenstreich, der die rege Anteilnahme der Bevölkerung
fand. In aller Frühe des 27. Januar wurden die Bewohner
des Ortes durch das Wecken der Spielleute der Kompagnie
aus dem Schlafe gerüttelt. Für die farbige Bevölkerung
war um 9V 2 Uhr vormittags im Gebäude des Bezirksamts
Festbarasa, wobei der Bezirksamtmann an die Versammelten
eine Ansprache hielt. Um 10 Uhr fand auf dem Exer¬
zierplatze Parade über die erste Kompagnie und die
Polizei statt, die einen exakten Verlauf nahm. Während
nachmittags für die farbige Bevölkerung die sogenannten
Volksbelustigungen veranstaltet wurden, versammelten sich
abends 8 Uhr die Europäer von Aruscha und nächster
Umgebung im Meruhotel zu einem gemeinsamen Bierabend,
um den Geburtstag Sr. Majestät zu feiern. Im Laufe des
Abends hielt Bezirksamtmann Dr. Kaempfe die Festrede,
die allgemeinen Beifall fand und in ein Hoch auf unseren
Kaiser ausklang. ■—
Gerichtstage, Bezirksrichter Dr. Poeschel wird Mitte
Februar wieder in Aruscha Gerichtstage abhalten.
Veterinärwesen. Bezirkstierarzt Dr. Schellhase hat
am 24. Januar eine Dienstreise nach Engaruka und Umbulu
angetreten. Bei dieser Gelegenheit beabsichtigt er, die
Sperre über Engaruka aufzuheben.—Wie verlautet, ist
beim Gouvernement der Antrag gestellt worden, dass alles
in Umbugwe und Umbulu mit Pestserum geimpfte Vieh
für quarantänefrei erklärt wird. Dies wäre auch sehr zu
wünschen, da in jenen Bezirken nach glaubwürdigen
Nachrichten heute ca. 3000 Rinder zum Abtransport
bereit stehen.
Dem FreiwilHgenkorps „Meruschützen" ist vom
Gouverneur auf die ihm zugegangene Nachricht von der
Gründung desselben ein Schreiben zugegangen, worin Se.
Exzellenz sich bereit erklärt, das Korps nach Möglichkeit
zu unterstützen. Der Gouverneur hält die Heranziehung
der im Schutzgebiet wirtschaftlich tätigen Europäer zur
Verstärkung der Wehrkraft für ausserordentlich wichtig.
Da in den Etats von 1912 u. 1913 noch keine Mittel vorhanden
sind, so können vorläufig nur durch Abgabe von Waffen
und Munition, Ueberlassung des Schiesstandes in Aruscha
sowie Gestellung von Anzeigerpersonal die Bestrebungen
des Freiwilligenkorps gefördert werden. Für die Mit¬
glieder können Karabiner 08 zum Preise von 51.69 Rupie
und S-Patronen zu 10 Rupie für 100 Stück loko Dares-
salam vom Kommando der Schutztruppe bezogen werden.
Im Etat 1914 will der Gouverneur Mittel beantragen, um
den Mitgliedern von Freiwilligenkorps Waffen und Munition
kostenlos liefern *zu können. Ebenso will er schon jetzt
ein Muster für die Satzungen sowie Vorschläge für die
Mobilmachungsvorarbeiten ausarbeiten lassen. Aufgabe der
Freiwilligenkorps wird es nach Ansicht des Gouverneurs
zur Zeit nur sein können, im Falle von Unruhen der Ein¬
geborenen die europäischen Ansiedlungen zu schützen und
zu verteidigen. Sobald das gegenwärtig dem Reichstage
zur Beschlussfassung vorliegende neue Schutztruppengesetz
in Kraft tritt, wird eine weitere Ausgestaltung der FreiwilH¬
genkorps voraussichtlich möglich sein.— J.
Obergericht In der am 22. Januar in Aruscha
StaWgefundenen Obergerichtssitzung, in der der steliv.
Oberrichter Graf Bethusy-Huc den Vorsitz führte, kamen
nur zwei geringfügige Strafsachen zur Verhandlung. Beide
Fälle endigten mit Freisprechung der Angeklagten.
Personalien. Stabsarzt Dr. Seiffert traf am 17.Januar
in Aruscha ein, um das Amt als Regierungsarzt zu über¬
nehmen, Oberarzt Dr. Schrecker reiste am 22. Januar
zur Küste. Regierungsbaumeister König traf ^äm 20. Januar
von Umbulu kommend hier ein und setzte zwei Tage
später die Reise zur Küste fort. Oberrichter Graf Bethusy-
Huc kam am 21. Januar hier an' und reiste an nächsten
Tage wieder nach Moschi ab.
Eingeborenen-FesttagSo Am 20. und 21. Januar
feierten die Meru-Eingeborenen ihre öpferfeste. Die
Opfer wurden in Gestalt von Rindern dargebracht, die
nach dem üblichen Zeremoniell durch Erhängen an
einem Baum getötet wurden. In den verschiedenen
Häuptlingsbezirken am Meruberg wurden an jenen beiden
Tagen insgesamt ca. 200 Rinder durch Hängen getötet,
deren Fleisch später die Eingeborenen verzehrten.
Moschl
Neue Jagdreservate im Bezirk Moschi. Wir
machen unsere verehrten Leser auf das neue Jagdreservat
im Bezirke Moschi aufmerksam, das wir in seiner Begren¬
zung (gemäss dem Arntitz.) in Nr. 3 der „Illustr. Beil."
z. Us.-Post beschrieben haben und das den Longldo, sowie
Kitumbeine, den Elanairobikrater und Magad-(od.Natron-)
See einschliesst und nördlich von der deutsch-englischen
Grenze begrenzt wird
In Nummer 7. des Amtl. Anz. vom 29. Januar ist nun
ein Spezialreservat für Nashörner abgegrenzt. Die Jagd
auf Nashörner wird hierdurch im Ngorongorokrater
verboten. Da im Ngorongorokrater nur einer unserer
grössteu und ältesten Viehzüchter sitzt, der stets seine
Meinung der Regierung gegenüber behauptet hat, so sind
über die Gründe zur Schaffung dieses Reservats, das
natürlich dem Viehzüchter nicht von Nutzen sein kann,
Gerüchte im Umlauf, die wir hier lieber nicht wiederholen
wollen.
Post. Wir haben bereits früher die Meldung gebracht,
dass der einzige europäische Postbeamte in Neu-Moschi
für die Bewältigung der Geschäfte der dortigen Postagentur
keineswegs genügt. So ist es .bereits zur Regel gewor¬
den, dass die von den abends gegen 9 Uhr eintreffenden
Zügen mitgebrachte Küstenpost erst in den Vormittags¬
stunden des nächsten Tages ausgegeben wird, trifft
Europapost ein, so wird dieselbe meistens erst in den
Nachmittagsstunden des nächsten Tages ausgegeben, da
eben der Beamte die Arbeit nicht bewältigen und man
ihm auch nicht zumuten kann, Tag und Nacht Dienst
zu tun. Das Bestreben der Ansiedler, besonders der
Kaufleute, geht dahin, dass noch am Ankunftstage der
Post dieselbe sortiert und ausgegeben wird, damit sie in
die Lage kommen, mit dem am nächsten Tage zur Küste
fahrenden Zuge die erledigte Post zu befördern. Durch
eine solche beschleunigte Ausgabe der Post ' würde aber
auch Aruscha einen Vorteil haben. Die für dort bestimmten
Postboten könnten bereits in der Frühe des folgenden
Tages Neu-Moschi verlassen und am Abend des übernäch¬
sten Tages Aruscha erreichen. Heute geht die Post nach
Aruscha — wenn es sich um Eurpapost handelt — gewöhn¬
lich erst abends von Neu-Moschi ab, da die Zollabfertigung
für Pakete usw, immer eine geraume Zeit in Anspruch
nimmt. Wenn der einzige Postbeamte bisher noch einen
grossen Teil seiner Freizeit in Anspruch nahm, damit nur der
Postverkehr nicht ins Stocken gerät, so möchten wir schon
aus Rücksicht auf diesen Beamten die Postdirektion in
Daressalam bitten, einen solchen Zustand nicht als
dauernd ansehen zu wollen. Es ist ja bekannt, dass die
Post mit knappen Mitteln hier in der Kolonie arbeiten
muss. Erfordert jedoch der Verkehr eine Vermehrung
des Personals, so sollte man diesem Verlangen nicht
knauserig gegenüberstehen, schon aus Rücksicht auf das
Publikum, mit dem doch die Post arbeitet.
Druck iL Verlag: Usambara-Buchhandlung u.- Druckerei, Verlag der Usambara-Post, Tangä. Verantwortlich für die Redaktion J. Deeg in Tanga.
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