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Deutsche A o I o n i a I z e i 1 u n g.
Nr. 48.
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Zweiter Teil.
(Unter Verantwortung des Schriftleiters.) ,
Die Handelsgesellschaft „Uordmest-Kamernn".
Von A. Seidel.
Aus der der Gesellschaft „Nordwest-Kamerun" verliehenen
Konzession heben wir nachstehend die Vereinbarungen von. weiter
greifender Bedeutung hervor:
Oer Gesellschaft wird auf 50 Jahre, und wenn sie binnen
12 Jahren eine Eisenbahn von der Kamerunküste nach dem Kon¬
zessionsgebiete gebaut hat, auf 60 Jahre ein durch folgende
Grenzen bestimmtes Gebiet als Eigentum verliehen:
Im Süden wird die Grenze gebildet durch den Sannaga, im
Osten durch eine nordnordöstliche Linie vom Schnittpunkte des Sannaga
mit dem 12. Breitengrade ö. L» bis zum 8. Breitengrade, im Norden
durch den 8. Breitengrad, im Nordwesten durch die deutsch-englische
Grenze, im Westen durch eine südöstlich verlaufende Linie vom südlichsten
Schnittpunkt des Croß-River mit der Landesgrenze bis zur Einmündung
des Sannaga in den Mb am?)
Die Gesellschaft erhält vor jedem Andern ein Vorrecht auf
alle Landankäufe von Eingeborenen im Konzessiousgebiet inner¬
halb der ersten zwanzig Jahre. Die Gesellschaft hat bestehende
Rechte zu achten und volle Handelsfreiheit zu wahren.
Dagegen übernimmt die Gesellschaft die einmalige Ver¬
pflichtung, für die geplante Expedition nach dem Tschadsee eine
Beihilfe von 100 000 t/fC zu leisten. Dauernde Verpflichtungen
sind ferner folgende:
Die Gesellschaft verpflichtet sich zur Erforschung des Ge¬
biets, zur Anlage von Verkehrsverbinduugen aller Art, zu
wirlfchaftlicheu Unternehmungen und zu dem Bestreben, die
Produktionsfähigkeit nach Möglichkeit zu steigern, wobei
u. a. 25 o/o des Waldbestandes unberührt bleiben müssen.
An Geldaufwendungen ist die Gesellschaft verpflichtet,
jährlich mindestens 100 000 J( f binnen 10 Jahren aber
3 000 000 </1t für ihre Zwecke zu verwenden und von dem er¬
zielten Iah res-Rein gewinn folgende Abgaben an den
Landesfiskus von Kamerun zu zahlen:
Vorweg 5% des Reingewinns; ferner 10 % des Reingewinns,
der verbleibt, nachdem 5 % des letzteren für den Reservefonds bis zur
Höhe von 25 o/o des Grundkapitals und 4 % Dividende abgezogen sind.
Von dem nun noch etwa verbleibenden Gewinn kann nach Abzug
der Anfsichtsrats-Tantismen die Dividende aus 10 % erhöht werden;
von dem etwaigen Rest sind 10 %*' an den Fiskus zu zahlen, und die
Dividende kann auf 12 % erhöht werden.
Der weiter verbleibende Rest fällt zu einem Drittel an den Fiskus
unb kann zu einer Dividendenerhöhung bis 20 o/o verwandt werden;
der letzte Rest wird zur Hälfte zwischen dem Fiskus und den Anteils¬
eignern geteilt.
Die Verteilung des Gewinns, den die Gesellschaft durch Beteiligung
an Neugründungen erzielt, erfolgt in derselben Weise.
Die Konzession trägt im allgemeinen denselben Charakter wie
die vielgeschmähte Konzession der Gesellschaft Südkamerun, wie ja
seiner Zeit von Herrn von Buchk a die letztere als Typus für das
zukünftige Vorgehen der Regierung auf diesem Gebiete hingestellt
worden war. Doch ist nicht zu verkennen, daß der Typus in dem
vorliegenden Falle durch einige freundliche Züge ein etwas er¬
freulicheres Ansehen gewonnen hat, insofern einmal die Ansprüche j
an die Gegenleistungen der privilegierten Gesellschaft nicht un¬
erheblich gesteigert und andererseits die Gewinnbeteiligung des
Reiches weniger in nebelgraue Ferne gerückt erscheint.
Die Bedenken freilich, die gegen den „Typus" dieser Land¬
konzessionen als solchen in weiten Kreisen unserer kolonialen Ge¬
meinschaft seiner Zeit verlautbart worden sind, werden durch diese
Milderung einiger besonders anstößiger Härten nicht beseitigt.
l ) Vergl. die Karte auf S. 433 in Nr. 45.
Me wirtschaftliche Lage im TogogeNet.
Von Major a. D. C. von Francois.
Mit einer Karte.
(Schluß aus Nr. 47.)
Das Küstengebiet erstreckt sich ca. 40 km in das Innere,
ist gut bevölkert, hat günstige Niederschlagsverhältnisse, ist dem¬
entsprechend fruchtbar und steht durchweg in Kultur. Wohlgepflegte
Oelpalm-Anpflanzungen, kaum übersehbare Mais-, Hirse-, Maniok-,
Jams-, Bataten-, Bohnen- und Erdnußfelder, dazwischen Bananen-,
Melonenbäume, Mangos und Baumwollstauden befinden sich hier
in einer in Afrika selten zu beobachtenden Ausdehnung. Erst seit
der deutschen Besitzergreifung hat man der Anpflanzung von Kokos¬
palmen, für die noch große Flächen an der 50 km langen sandigen
Küste verfügbar waren, Aufmerksamkeit geschenkt. 1888 ließ der
damalige Kommissar von Puttkamer die ersten Kaffeepflanzen —
150 Stück aus Kap Palmas — im Garten des Kommissariats zrr
Sebbe einsetzen. Seitdem soll die Kultur des Kaffees durch die
Firma Vietor, die Plantagengesellschaft Lome und durch die
Eingeborenen mit zufriedenstellendem Ergebnis betrieben werden.
Die zwischen dem Küstengebiet und dem Randgebirge gelegene.
40 bis 80 km breite, regenarme Steppe ist dürftig bevölkert und
von geringem Wert.
Um so mehr ist dieses der Fall mit dem circa zwei Drittel
des Schutzgebietes ausmachenden Gebirgsgebiete, das die Kolonie
in seiner größten Ausdehnung von Südsüdwest nach Nordnördost
in einer wechselnden Breite von 60 bis 100 km und einer ab¬
soluten Höhe von 300 bis 700 m durchzieht und durch die Reich¬
lichkeit seiner Niederschläge — jährliche Durchschnütsmenge
ca. 2000 mm und die gute Vodenbeschaffeuheit zur Anpflanzung
sämtlicher tropischen Pflanzen vorzüglich geeignet ist. Außer den
in dem Küstengebiet angepflanzten Röhr- und Nutzpflanzen wird
noch Reis, Zuckerrohr, Tabak, Indigo kultiviert. Große Flächen
dieses mittelstark bevölkerten Landes dürften sich zur Anpflanzung
von Kaffee, Thee und in den gleichmäßig feuchtwarmen Thälern
zu der Kultur des Kakaobaumes und der Ramiefaser eignen. Die.
als Reiz- und Nährmittel immer mehr an Bedeutung gewinnende,
voraussichtlich in späterer Zeit den Kakao verdrängende Kolanuß
findet in dem Uebergangsland vom Randgebirge zum oberen Volta¬
gebiet ähnliche Wachtumsbedingungen wie in dem Gebiet der
Aschanti, wo dieser Baum zwischen Kumassi und Kintempo so vor¬
züglich gedeiht und eine Quelle des Wohlstandes der dortigen Be¬
völkerung bildet.
Das deutsche obere Voltagebiet entspricht ungefähr der
Hälfte der Größe des Schutzgebietes, ist sehr stark bevölkert, mit
abwechselnd lichter und dichter Baum- und Buschsavanne bedeckt
und hat ein trockenes gesundes Klima. Bananen, Oelpalmen und
sonstige Feuchtigkeit liebende Pflanzen kommen in diesem Gebiete
nicht mehr vor; dafür treten Tamarinde und der Tschibutterbaum
neu auf. Die Früchte dieses Baumes bilden neben Jams, Mais,
Hirse und Bohnen die hauptsächlichste Nahrung der Eingeborenen..
Viehzucht, die hier wie in dem Randgebirge gut gedeiht, wird nur
in sehr bescheidenem Maße betrieben.
Wie aus vorstehendem hervorgeht, liegt der zukunftsreichste
Teil unserer Togokolonie im Inneren des Landes. Er gewinnt
aber erst Wert, wenn gute Verkehrsverhältnisse ihn mit der Küste
verbinden. Diese fehlen noch, und so ist an eine rationelle wirt¬
schaftliche Entwickelung vorläufig nicht zu denken.
Der die Küste mit dem Inneren verbindende Trägerverkehr ist
zeitraubend und kostspielig —- 60 Pfund kosten für einen Tages¬
marsch von 25 km 1 oft
Die Verwendbarkeit von Tragtieren, wie Esel und Rind, in
diesem Gebiet ist infolge der geringeren Leistungsfähigkeit der
Tiere in dem seuchtheißen Küstenklima unvorteilhaft und von ge¬
ringem Nutzen.
Die Benutzbarkeit der in der Regenzeit für Kanus bis Kratji
bezw. Togodo befahrbaren Grenzflüsse Volta und Mono ist für die
wirtschaftliche Entwickelung des Inneren von geringer Bedeutung.
Auch liegen die Mündungen beider Flüsse in dem Gebiet der Nach¬
barkolonien Englands und Frankreichs, und ist der Endpunkt der
Schiffbarkeit des Mono bei Togodo noch 2 1 h bis 3 Tage von.