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Deutsche Rolonialzeitung.
Nr 26
Zentral-Afrikanisch e Seen-Geseit schast.
Die Geschäftsleitung versendet den Jahresbericht über das Jahr
1906. Danach kann die Lage der Gesellschaft als eins günstige
bezeichnet werden.
Das Salzgeschäft am Tanganjika hat einen erheblichen Umfang
angenommen, so daß die Erzeugung mit der Nachfrage nicht mehr
Schritt halten konnte. Die Saline Gottorp am Mlagarassi war
bekanntlich im April 1906 nach ihrer Zerstörung durch eine große
Ueberschwemmung wieder ausgebaut worden und wird jetzt noch
bedeutend vergrößert, so daß demnächst die Salzerzeugung verdoppelt
werden kanrr. Man rechnet auf eine monatliche Erzeugung von
3600 Zentner mit einem Durchschnittsverkaufswert von 26 000 M.
In Zentralafrika erfreut sich das Gottorper -Salz großer Beliebt¬
heit und erobert immer neue Absatzgebiete, auch am Kongo. Die
Gesellschaft hofft, daß die Sperre über die Bezirke Ruanda und
Urundi im Norden des Tanganjika-Sees, die die Entwicklung des
Geschäfts beeinträchtigt, baldigst aufgehoben werden wird.
Befördert wird das Salz von der Saline nach Udjidji—Kigoma
durch Träger und von da weiter über den See teils mit den Schiffen
der Gesellschaft, teils mit dem Gouvernementsdampfer „Hedwig
von Wiffmann", der sich von allen Tanganjika-Dampfern allein
vorzüglich bewährt hat und den See in regelmäßigen Fahrten
befährt.
An Trägern und Arbeitern scheint es der Seen-Gesellschaft nie
zu fehlen. , ;
Wie im Vorjahre wird die Verteilung' einer oprozentigen
Dividende vorgeschlagen. Das erscheint uns bemerkenswert, da
die Überschwemmungskatastrophe einen Schaden von 40 000 N
gebracht hat.
Auch die Anteile der Seen-Gesellschaft an der Zentral-Afrikanischen
Bergwerks-Gesellschaft eröffnen günstigere Aussichten, wenn auch der
Bergwerksbetrieb in Kassama nur kleine Ueberschüsse erzielt: und
wenn auch in Jkoma, wohin die Kugelmühle gebracht werden soll,
nur bescheidene Gewinne zu erwarten, sind, so darf man doch große
Hoffnungen auf die neuesten Goldfunde bei Sekenke in der Wembere-
Steppe setzen, da sie von dem Sachverständigen, Herrn Bergingenieur
I. Kuntz, günstig beurteilt wurden.
Vorsitzender des Beirats der Zentral-Afrikanischen Seen-Gesell¬
schaft ist jetzt der Kaiserliche Regierungsrat und Bezirksamtmann a. D.
Herr Ludwig Meyer, einer unserer ältesten und bewährtesten
Afrikaner; stellvertretender Vorsitzender ist Herr Kommerzienrat
Theodor Habenicht in Leipzig.
Rundschau. •
Allgemeines.
KaNdksmmMott.
Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft Seine Hoheit
Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg ist infolge der Ueber¬
nah me der Regentschaft des Herzogtums Braunschweig aus der
Kommission Zur Prüfung der südwestafrikanischen Gesellschaften aus¬
geschieden. An seine Stelle hat der Reichskanzler Seine Exzellenz
den geschäftsführenden Vizepräsidenten unserer Gesellschaft Bot¬
schafter a. D. v. Hollebell in die Kommission als Mitglied berufen.
Koloniale Vorlesungen.
Königsberg i. Pr. Handelshochschulkurse. Oberregierungsrat
Dr. Jacobi, „Kolonialpolitik mit besonderer Berücksichtigung der
deutschen Kolonien".
Berlin: Der Rat der Handelshochschule war heute unter dem Vorsitz
des Reichstagsvizepräfidenten Kaempf zu einer Sitzung zusammen-
getreten, um über die wichtige Frage der Einrichtung eines Zusammen^
fassenderen Unterrichts im Kolomalwesen an der Handelshochschule Zu
beraten. Die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin hatten dem Großen
Rat eine Vorlage gemacht, wonach neben den bisherigen geographischen
Vorlesungen über die Kolonien auch solche über die drei Fächer: der kolo¬
nialen Ethnographie, derKolonialpolitik und Kolonialwirtschaft, gehalten
werden sollen. Für diese drei Fächer werden zu nebenamtlichen Do¬
zenten ernannt: Prof. Dr. v. Lu sch an (Abteilungsdirektor am
Museum für Völkerkunde), Prof. Dr. Köbner (Wirkt. Admiralitäts¬
rat und Vortragender Rat im Reichsmarmeamt) sowie Lic. Dr. Rohr--
bach, bisheriger wirtschaftlicher Sachverständiger und Ansiedlungs¬
kommissar für Deutsch-Südwestafrika. Außerdem tritt Herr Hermann
Hecht, Mitinhaber einer der größten Exportfirmen Berlins, in den
Lehrkörper ein. Dr. Hugo Preuß, bisher nebenamtlicher Dozent,
wird zum Professor für öffentliches Recht ernannt. Sämtlichen Vor¬
lagen der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin stimmte der
Große Rat zu.
Ans unseren Kolonien.
Südwestirfeika.
Die Sauberkeit in Lüderitzbucht.
Wir hatten in Nr. 23 vom 8. Juni einen Brief der „Südwest¬
afrikanischen Zeitung" erwähnt, der von Lüderitzbucht behauptet, daß
seine Straßen nicht überall sauber seien. Jetzt hat sich der Lüderitz-
buchter Bürgerverein mit der Angelegenheit beschäftigt und, was wir
ebenfalls mitzuteilerr für unsere Pflicht halten, in einer Resolution
zum Ausdruck gebracht, daß jene Behauptung sehr übertrieben sei.
Einziehung des Stammesvermögens der Hottentotten.
An der amtlichen Tafel des Kaiserlichen Gouvernements in
Windhuk ist nachstehende, im Auszug wiedergegebene Bekanntmachung
bekannt gegeben:
„Auf Grund der Kaiserlichen Verordnung vom 26. Dezember 1906
wird hierdurch die Einziehung des gesamten beweglichen und
unbeweglichen Stammesvermögens der Witboi-, Bethanier-, Franz¬
mann- und Feldschuhträger-Hottentotten sowie der roten Nation von
Hoachanas, der Bondelzwarts und der Zwnrtmodder-Hottentotten
verfügt. . . 2*
Alle diejenigen, welche Ansprüche aus einem Rechtsgeschäfte,
besitzen, das sich auf das eingezogene Stamrnesvermögen bezieht,
haben diese binnen sechs Monaten von demselben Zeitpunkte an bei
mir oder bei dem zuständigen Bezirks- oder Distriktsamte ihres
Wohnsitzes oder Aufenthaltsortes schriftlich an zu melden, widrigenfalls
die Ansprüche seitens des Fiskus nicht berücksichtigt werden. Den
Schuldnern der eingezogenen Forderungen wird verboten, ihre
Leistung an die bisherigen Gläubiger zu bewirken. Eine diesem
Verbote zuwider erfolgte Leistung befreit dem Fiskus gegenüber nicht-
von der Verbindlichkeit.
Stabsarzt Dr. Wienecke f.
Am 24. Mai ist in Gobabis Stabsarzt Dr. Wienecke ermordet
worden. . Die Tat wurde abends nach 10 Uhr begangen. Von dem
Täter hat man bisher noch keine Spur entdeckt.
Es ist ein bedauerliches Zeichen dafür, daß der Krieg noch üble
Nachwirkungen haben kann.
Sudsee«.
Bekümpsung der Rindenkrankheit auf Samoa.
Der Gouverneur vou Samoa erläßt eine Verordnung betreffend
die Bekämpfung der Rindenkrankheit. Es wird eine Kommission
eingesetzt, der jeder Beteiligte sofort von dem Auftreten der Rinden-
krankheit Mitteilung machen Nluß. Die Ko nun is fron kann dann
verschiedene verhütende Anordnungen treffen. Es ist erfreulich, daß
hier so nachdrücklich eingegriffen wird, um womöglich schwere Schäden
zu verhüten-
Lite vcrtrr v.
Krsprechiingr».
A. Werner. The natives of British Central Africa. London 1906.
303 S. Preis 6,50 M.
Dieser Band des größeren Werkes „The native raees of the British
empire“ verdient die Aufmerksamkeit unserer Kolonial- und Missions¬
freunde. Der Herausgeber Northeote W. Thomas macht in der
Einleitung darauf aufmerksam, daß Deutschland die Wichtigkeit des
Studiums der Eingeborenen vom politischen, kaufmännischen und
wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus angesangen hat zu verstehen. Er
sagt, daß man im Museum für Völkerkunde in Berlin seit 25 Jahren
zehnmal mehr ethnographisches Material gesammelt hat, als im Britischen
Museum vorhanden ist, und daß diese Sammlungen noch fortgesetzt
werden. Er klagt darüber, daß man in England trotz des ausgedehnten
Kolonialbesitzes kein Geld für diese Zwecke hat und sagt seinen Lands¬
leuten voraus, daß sie in 100 Jahren werden nach Berlin reisen
müssen, wenn sie die Ethnographie der Bewohner britischer Kolonien
studieren wollen.
Wir können uns dieses Lobes herzlich freuen, wollen aber nicht
übersehen, was England seinerseits vor uns voraus hat. Wir haben
große Reisewerke, wissenschaftliche Arbeiten über unsere Kolonien,
aber liebenswürdige Bücher, die auch den Nichtfachmann in einer
freundlichen Form in afrikanisches Leben einführen, haben wir wenig.
Und gerade die sind geeignet, das breite Publikum für Afrika zu
interessieren. Miß Werner hat sehr tüchtige ethnographische Kenntnisse,
aber sie quält den Leser nicht mit langweiligen Ausführungen. Der
frische persönliche Zug, der durch das Buch geht, hält auch den
widerwilligen Leser fest. Und es fehlt ihr nicht an fröhlichstem
Humor. Das Bild S. 44 „Der Fortschrist der Zivilisation" ist wunder¬
schön: ein unbeschreiblich häßliches Kind mit offenem Mund und