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zu einem unmittelbaien Verkauf ihres gewon¬
nenen Kautschuks an die. weißen Kaufleute
nicht entschließen können., Einzelne Leute
scheinen jetzt durch die Vorstellungen der
Station, die bezweckter, den Zwischenhan¬
del wenigstens - teilweise auszuschalten, zu
einem Versuch gewonnen zu sein, den ge¬
zapften Gummi selbst unmittelbar zu verkau¬
fen. ■ ■ ■' : . ■ • ■. ■
In früheren Jahren wurde in den Gummi¬
beständen ein starker Eaubbau getrieben.
Es erschienen fremde Leute, die, in der
Absicht, möglichst viel Gummi? auf einmal
zu zapfen, die Lianen durchschnitten. Es
vergingen nun Jahre, bevor die Lianen so¬
weit herangewachsen, waren, daß sie wieder
angezapft werden konnten. Es ist den Ein¬
geborenen dei> angreifenden Bezirke das
Zapfen daher gänzlich verboten worden. Doch
gelingt es auch der strengsten Aufsicht oft
nicht immer, in den dichten Wäldern die
fremden Eingeborenen aufzufinden. Auch
umgehen sie das Verbot häufig dadurch,
daß sie sich mit ihrer Familie für 1 bis 2
Jahre ganz in einem Ort des Gummigebie¬
tes ■ niederlassen. Sie können dann nicht für
Fremde gelten, 7 >doehsverschwinden sie," so¬
bald sie durch.das j Zapfen sich einiges Geld
erworben haben, stets-wieder in ihre Heimat.
Die Eingeborenen der Wald - Bezirke da¬
gegen gehen bei-dem i Zapfen-selbst sehr
vorsichtig vor, damit^ auch bei starker Gum¬
migewinnung doch die Lianen in ihrem
Wachstum nicht geschädigt werden. Auch
üben die Häuptlinge eine ziemlich starke
Kontrolle darüber aus, daß möglichst sach¬
gemäß gezapft wird. .
Das Zapfen f geschieht in den 3 Waldbe¬
zirken auf ein und dieselbe Weise. Mit ei¬
nem nicht zu scharfen Busch - Messer wer¬
den die Lianen bis zu der Hälfte ihres üm-
fangs angeschnitten, indem man einen Ein-
hieb macht, der natürlich das : Holz des
Stammes, nicht treffen darf, und die Rinde
nach unten zu handbreit abschält. Der her¬
austretende Saft wird mit dem Saft der Ci-
trone verdickt. Während die Milch nun
weiter herausläuft, werden in 30 cm Ab¬
ständen neue Einschnitte gemacht. Die Zwi¬
schenräume werden im nächsten Jahr ange¬
schnitten, während die Wundstellen erst
nach 3 Jahren wieder angezapft werden
können. Der Zapfer geht dann weiter und
sucht neue Lianen. Am Nachmittag kehrt
er zurück, löst die gewonnenen Kautschuk¬
fäden ab und wickelt sie auf . zu kleinen
Bällen von 3 cm Durchmesser. Anhaftende
Schmutzteilchen weiden sofort entfernt. Ei¬
ne Familie, aus 4 Köpfen bestehend, kann
auf einem nicht allzu spärlich mit Lianen
besetzten Platz ;; in 3 < Wochen - für etwa
200 vMark Kautschuk verkaufen. " r
-Die beste Zapf-Tageszeit Ist;-;derv frühe
Morgen nach einem am Tage vorher nieder¬
gegangenen starken Regen.
Früher ließ anan den Saft den Stamm hin¬
unterlaufen und fingvihn auf .einem Blatt
auf, das man auf die Erde "/legte; *Da man
aber hierbei zuviel Schmutz.uiKb^Rindenteii-
chen in den Kautschuk bekam, ist mau
hiervon abgekommen. , /
: Die ^ Bäume ; werdeir derart angezapft,
dass man mit/dem ^Messer ■■. einzelne, wage¬
rechte Einschnitte ^nacht mit einem Zwi¬
schenraum von ir0-3ü cm! ; ■ ■
Im Übrigen ist : das Verfahren ebenso wie
bei-den Lianen. Längs un(l ; örätschnitte sind
nicht bekannt. ^ * '
Äftfenbrotfrablitbatesih
Dieser ausgesprochene Steppenbaum fin¬
det sich nur wenig in den südlichen Teilen
des Bezirks, sodass seine Frucht hier auch
nur, geringe Verwendung findet. Man ißt
höchstens das weisse Fruchtfleisch, in dem
der schwarze Kern sitzt. Dieses Fleisch hat
einen nicht unangenehmen, süss-sauren Ge¬
schmack. ,
In Bimbila, wo man die Früchte zur Zeit
der Reife im Dezember/Januar auf dem
Markt kaufen kann, werden, die schwarzen
Kerne , gestampft. Das Kernfleisch wird ge¬
rieben und .mit Wasser zu kleinen , Klössen
gedrückt. Nachdem sie trocken sind, werden
sie noch einmal gerieben und dann als Sup¬
pe gekocht, die entweder - ; warm oder kalt
genossen wird. ..
Verschiedenes.
Man verfertigt Stricke aus der Faser der
Ananas-Blätter und aus der weichen Holz¬
faser des npode Baumes. Man gewinnt Bast
aus der Einde von verschiedenen Bäumen z. B.
kechetsche, okre. Zum Mattenmachen haben
die Eingeborenen eine Faserpflanze toüra.
Die Haussa verwenden zum Flechten von
Matten ein hohes Gras (bantjakoli), das am
Fluss wächst, oder sie nehmen das gamba
Gras aus dem Busch. Zur Gewinnung von
Fasern zum Strickedreh en pflanzen die
Haussa den mannshohen rama Strauch (Hi-
biscus cannabinus). Sie schneiden die Sten¬
gel des Grases im Januar, binden sie zu
Bündeln und legen sie 10 Tage ins Wasser.
Nachdem man die äussere Binde abgeschält
hat, zieht man das Faserfleisch vom Holz
in breiten Streifen ab, die man sehr gut
waschen müss. Wenn sie getrocknet sind,
zieht man sie in einzelnen Fasern auseinan¬
der. -