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Deutsche Aolonialzeitung.
Zwecke in Matola, unweit der Stadt Lorenzo Mar-
quez, untergebracht und wie es hieß, sollten 1000
weitere Arbeiter angeworben werden. Über die
zwischen dem Konzessionär der Eisenbahnstrecke auf
Portugiesischem Gebiete und der Portugiesischen Re¬
gierung getroffenen Abmachungen, sowie über die
finanzielle Vorbereitung des Unternehmens war in
Delagobai Thatsächliches nicht bekannt geworden.
Man hofft indes, die etwa 50 englische Meilen
lange Bahn bis zu den Libombo-Bergen in etwa zwei
Jahren beendet zu sehen, zumal technische Schwie¬
rigkeiten von irgend welcher Bedeutung nicht zu
überwinden sind. Die Libombo-Berge find jenseits
des Bezirkes, in welchem die Tsetsefliege zeitweise
erscheint und in welchem das Fieber am heftigsten
aufzutreten pflegt, so daß, nach Durchschneidung
dieser gefährlichen Gegend durch die Bahn, der Ver¬
kehr mit Transvaal zu jeder Jahreszeit unbehin¬
dert würde stattstnden können.
Die Grenzregulieruugen in Zerrtral-Ostafrika.
Die internationale Kommission zur
Grenzregulierung in Zentral-Ostafrika hat
ihre Untersuchungen an Ort und Stelle allerdings
beendet, doch ist die Abfassung des Berichtes und
der Beschlüsse noch keineswegs in nächster Zeit zu
erwarten. Aus naheliegenden Gründen wird die
Kommission vielmehr ihre Arbeiten in Europa fort¬
setzen und wahrscheinlich demnächst in Berlin zu¬
sammentreten. Der Kommission war hauptsächlich
die Aufgabe überwiesen, Grenzfeststellungen zu
treffen; sie konnte dieser Aufgabe wegen der Machi¬
nationen des Sultans von Sansibar nicht Nach¬
kommen und mußte sich mit bloßen Erhebungen be¬
gnügen, über welche eine eingehendere Beratung
unter den Mächten, zunächst Deutschland, England
und Frankreich, deren Vertreter die Kommission
bilden, notwendig wird. Sultan Said Bargasch
hatte teils durch Aussendung von Truppen, teils
durch drohende Schreiben die Volksstämme an der
Küste zum größten Teil dahin gebracht, daß sie er¬
klärten, sie seien Unterthanen des Sultans von
Sansibar. In gleicher Weise war auch der Eng¬
lische Generalkonsul zu Sansibar John Kirk ver¬
fahren, und einige Schreiben des letzteren sind in
die Hände des Reisenden Gustav Denhardt gelangt,
der sie dem Vernehmen nach dem Auswärtigen
Amte überwiesen hat. Bemerkenswert ist hierbei,
daß die Briefschreiber gerade durch ihre Aufforde¬
rung an die Küstenbewohner dargethan haben, daß
jene Stämme bis dahin noch nicht zum Sultanat
gehörten.
Subventionierte französische Dampserlinieu.
Der vom Postminister eingebrachte neue Ver¬
trag mit der Dampfergesellschaft „„Messageries
maritimes" enthält folgende Änderungen in
den bisher der Staatssubvention teilhaftigen Dampfer¬
linien dieser Gesellschaft: I. Mittel me er. Die
Linie Marseille-Konstantinopel und die egyptisch-
syrische Küstenrundfahrt hören auf. Dafür wird
die Linie Marseille-Alexandrien nach Port-Said,
Jaffa und Beirut ausgedehnt, sowie eine Linie
Marseille-Smyrna mit dem Piraeus und Salonichi
als Anlegehäfen errichtet. 2. Ostasien. Die
Hauptlinie Marseille-Schanghai wird bis Vokohama
verlängert; dafür fällt die Nebenlinie Hongkong-
Aokohama fort. Die Zweiglinien nach Batavia und
Kalkutta hingegen bleiben fortbestehen. — Die
Linien nach Brasilien, La Plata, Australien
und Neukaledonien erleiden keine Änderung.
Nachrichten von Dr. G. A. Fischer.
Ein von Dr. G. A. Fischer nach Berlin ge¬
langtes Schreiben aus Wanga, nördlich von Pan-
arn, vom 14. Juni, gibt uns in Erwartung seines
aldigen ausführlichen Reiseberichtes immer einigen
weiteren Aufschluß über den Ausgang seiner Afrika-
tour; es lautet:
„Nach gefahrvoller Reise bin ich gestern wieder
glücklich hier an der Ostküste eingetroffen. Von
Kagehi aus marschierte ich bis ungefähr' 2 o nördl.
Breite am Viktoriasee entlang, mußte dann aber
der herrschenden Hungersnot wegen und auch weil
meine für das Uganda-Gebiet mitgenommenen Wa¬
ren für obige Gegend nicht paßten, zurückkehren.
Durchs Massailand und Kikuja nahm ich meinen
Weg zur Ostküste zurück. Während 32 Tagen hatten
wir so stark durch Hunger zu leiden, daß nicht viel
an dem Untergange der Karawane gefehlt hat. In
10 Tagen hoffe ich in Sansibar zu sein, und freue
mich sehr, endlich wieder in zivilisierte Verhältnisse
zu kommen und bessere Nahrungsweise zu finden.
Ich hatte im ganzen an verschiedenen Plätzen drei
Fieberanfälle zu bestehen. Von meinen 230 Leuten
sind nur 183 zurückgekehrt. Durch Krankheit, Hun¬
ger und im Kampfe habe ich die Fehlenden ver¬
loren. Durch die Kikujaberge haben wir uns vier
Tage lang so zu sagen durchschießen müssen. Das
Jagdglück war mir günstig, es gelang mir, 3 Rhi-
nozeroffe, 15 Hippopotamus und einen Büffel zu er¬
legen, deren Fleisch meinen Leuten eine willkom¬
mene Nahrung bot. Auch ich habe mehrere Tage
von Rhinozerosfleisch gelebt. Botanisch habe ich
viel gesammelt und auch manches ornithologisch
Neue gefunden."
Deutsch-Wituland.
4.
Auszug aus dem Tagebuche des Regrerungs-
baumeister Hörnecke, umfassend die Monate
Juni und Juli des vorigen Jahres.*)
Im Juni hielt ich mich fast ununterbrochen
in Witu und seiner Nachbarschaft auf, im
Juli im weiteren Tana- und Ost-Gebiet.
Beide Monate fallen in die Hauptregenzeit,
welche in diesen Gegenden ziemlich lange
anhält.
Was die klimatischen Verhältnisse an¬
betrifft, so waren die Barometerstände in der
ersten Hälfte des Juni durchschnittlich morgens
9 Uhr 781 min, nachmittags 3 Uhr 778,5 mm;
die Barometerstände sind natürlich nur relativ
zu verstehen; ich habe jedoch Gelegenheit ge¬
nommen, bei meinem Aufenthalt in Lamu
bei Herrn Denhardt mein Barometer mit dem
*) Aus den Akten der Gesellschaft für Deutsche
Kolonisation, uns zur Veröffentlichung freundlich st
zur Verfügung gestellt. Die Red.