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Redaktionelle Korrespondenz.
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Saroriaer im Wirts Hause, wenn nicht Fremde oder
Spaziergänger von Jaffa kommen, ist die Wirtschaft
meistens leer. Der Wirt, eben auch vom Wein¬
berggeschäft beimgekehlt, äußerte sich sehr besriedigt
Über den Erfolg des Weinbaues; er selbst konnte
dieses Jahr außer dem wenigen, was in der Wirt¬
schaft adgeht. für circa 2 400 J£ Wein von eige¬
nem Gewächs verkaufen. Eine Flasche Bier mit
Butter, Retlig und Brot mundet uns gut.
Schon machen die arabischen Arbeiter Feier¬
abend; denn länger als bis 5 Uhr arbeiten sie
nicht, beginnen auch ihr Tagewerk morgens erst um
7 bis V 28 Uhr und ruhen mittags 1 Stunde. Ihr
Tagelohn beträgt 80 bis 1 M. Mehrere
Wagen fahren dem Dörfchen zu, mit Klee oder son¬
stigem Futter beladen, einige davon sind mit Kühen
oder Ochsen bespannt, was eine neue Erscheinung
ist; denn bis solange bediente man sich hier nur
der Pferde und Maultiere zum Ziehen.
Noch sehen wir die Viehherde auf der breiten
Hauptstraße ins Dörfchen einziehen, es mögen
etwa 150 Stück sein. Der Zuchtstier, erst voriges
Jahr von Egypten herübergebracht, überragt die
ganze Herde. ' Das Vieh gehört teils einer schon
verbesserten größeren Raffe, teils der kleinen Land¬
raffe an. Die meisten Milchkühe werden im Stalle
gefüttert und nur zur Zeit der besten Weide aus-
getrieben. Nach dem Abendbrot haben wir Ge¬
legenheit, den Mannergesangverein der Kolonie, be¬
stehend aus 15 Mitgliedern, zu hören. Eine schöne
Hymne und einige deutsche Volkslieder klingen recht
heimatlich unter fremdem Himmel ^und rings von
einem fremden Volk umgeben. Überhaupt mutet
der Aufenthalt in dem freundlichen, auf einem
kleinen Hügel gelegenen Dörfchen wunderbar hei¬
matlich an. Die Bewohner sind echte Deutsche,
zum größten Telle biedere Schwaben in Sprache
und Sitte. Vielleicht gibt es Gelegenheit und
Raum, später noch mehr von ihnen zu erzählen;
denn auch die Schattenseiten fehlen nicht.
Ü“
Nachschrift.
Unsere Saaten stehen ordentlich, ein genügender
Spätregen kam eben noch zu rechter Zeit. Schon
hatten wir fast die Hoffnung auf eine auch nur
mittelmäßige Ernte aufgegeben.
Perlmuschelfischerei in der Torresstraße.
Brisbane, 17. Mai 1886.
Die Perlenmuschelfischerei in der Torresstraße
wird von der Regierung der australischen Kolonie
Queensland dem unten mitgeteilten Tarife unter¬
worfen, um die nicht unerheblichen Kosten staat¬
licher Aufsicht und nötiger Rechtspflege zu decken.
Außerdem unterhält die Kolonie verschiedene Leucht¬
feuer an ihren nordöstlichen Küsten, welche den
Perlmutterfischern direkt und indirekt von großem
Nutzen find. Früher war die Torresstraße und die
Binnenfahrt zwischen den Korallenriffen und der
Küste des Festlandes die gefährlichste Partie der
Erde; jetzt gehören beide zu den sichersten Fahr¬
straßen des Ozeans, weil zu dem ewig stillen Fahr¬
wasser die Leuchtfeuer sich gesellen und sonstige
Pilotenzeichen vor den Gefahren warnen. Ferner
zahlt die Kolonie eine jährliche Subsidie von
60 000 £ (1200 000 j£) an eine monatliche
Dampferlinie, welche auf der Hm- und Herfahrt
in Thursday-Jsland anlegt, wo alle Vorkehrungen
für die Ausladung der Waren getroffen sind und
die schnelle Versendung der Perlenschcuen, sowie die
Beziehung des Proviants 2 c. für die Fischer ver¬
mittelt wird. Früher war ein Schfffbruch auf den
Inseln der Torresstraße fast gleichbedeutend mit
dem Tode der Mannschaft, auch wenn dieselbe sich
an die Küste rettete, weil der Verkehr so gering
und die blut- und beutegierigen Ureinwohner den
Gestrandeten selbst das nackte Leben mißgönnten.
Die Abgaben mögen hoch erscheinen, sind jedoch
durch die gewonnenen Vorteile hundertfach aus¬
gewogen, und wenn alle Ausgaben streng gebucht
würden, dürfte allem Anschein nach der Perlenfischer
sich nicht über unmäßige Besteuerung zu beklagen
haben, jedenfalls aber die Kolonie vielleicht anderen
Gliedern ihrer Bevölkerung zu gunsten der Perl¬
mutterfischerei der Torresstraße eine direkte und
verhältnismäßig nicht unerhebliche Last aufgebürdet
daben. Die Inseln der Torresstraße sind seit 1879
Teile der Kolonie Queensland.
Da uns nun jetzt ein eigenes großes nationales
Gebiet in der Südfee offen steht, welches zur Ver¬
wertung auffordert, so sollten sich in jenen Ge¬
wässern auch recht viele Deutsche fortan an der Perl-
mutterfischerei beteiligen. Die Perlmutter-Auster
ist nicht an das Flachmeer der Torresstraße ge¬
bunden. Nördlich von Neuguinea, zwischen den
Riffen Mikronesiens und weiter nach Südosten bis
zu den entferntesten Inseln des tropischen Süd¬
meeres sind Perlmutterfelder zerstreut. Ich ver¬
weise besonders auf H. Stonehewer Cooper's Werk
„The Ooral Lands of the Pacific 44 (London,
Bentley & Son, 1883). Ferner sind in der
Nähe der Süewestküste von Neuguinea, in den
Wasserstraßen der Aru - Inseln bedeutende Perl-
sischereien. (Siehe „The Eastern Archipelago“,
London, Nelion & Sons, 18s0.) Dasselbe dürfte
vielleicht auch von der Mc. Cluer-Bucht und
Geelvink-Bucht von Neuguinea und den Meerengen
der in der Nähe liegenden Inseln gelten. Walter
Coole's „"Western Pacific 44 , London, Sampfon Low
& Co., 1883, dürfte auch vielleicht mit Vorteil
nachgeschlagen werden. Jedenfalls wird man bei
der Verwertung unserer neuen Deutschen Besitzungen
in der Südsee einen wichtigen Faktor in der ratio¬
nellen Perlen- und Perlmutterfischerei
nebst dem Leche-de-mer-Fang zu sehen haben.
Ein Syndikat in Deutschland, welches zur Unter¬
stützung solcher Unternehmungen die nötigen Mittel
unter genügender Garantie stellen würde, hätte
jedenfalls selbst von einem niedrig gefaßten Pro¬
zentsatz des Reingewinnes einen nicht unbedeuten¬
den Vorteil zu erwarten?)
Die Besteuerung der Perlmutter- und Beche*=
dc-wcr-Fischer in der Torresstraße von seiten der
Kolonie Queensland ist folgende:
Jedes Boot unter 2 t Tragkraft 1 B p. Jahr,.
jedes Schiff von 10 t Tragkraft
und darunter.3 -
jedes Schiff über 10 t bis 30 t
Tragkraft pro Ton. ... 10 sh -
jedes Schiff über 30 t Tragkraft 20 £ *
außerdem, sollte Kronland der
Kolonie in der Fischerei benutzt
werden, eine Lizenz von . . 5 - -
ck.
") Eine nicht unbeträchtliche Zahl von Deutschen auf der
Thursday-Jnsel ansässig, betreiben seit Jahren bereits mit Erfolg
die Perlenfischerer; der Deutsche Kolonialverein zählt unter ihnen
selbst ein Mitglied: Herrn Otto Garbrecht, der gewiß auch
gern zu näheren Auskünften bereit sein wird.
Die Red.