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Deutsche Aolonialzeitung.
Aus Australien.
Sydney, 7. Juni 188c.
Der neuernannte Landeshauptmann für Neu¬
guinea, Vizeadmiral Freiherr v. Schleinitz, ist mit
seiner Familie am 26. Mai an Bord des Dampfers
„Dorunda" wohlbehalten in Cooktown eingetroffen.
Der Landeshauptmann beabsichtigt demnächst an
Bord der „Samoa" nach seinem neuen Wirkungs¬
kreis sich zu begeben. Er wie seine Gemahlin,
welche ihn auch nach Neuguinea begleiten will,
haben sich, wie die Blätter melden, bei jedermann
in Cooktown „golden opinions“ gewonnen. Am
2. d. M. gab ihm der Gemeinderat und der „Divi-
sional Board" von Cooktown ein Bankett. An
diesem nahmen ebenfalls, teil der Englische Spezial¬
kommissar, Herr John Douglas, sowie die Kapitäne
der Englischen Kriegsschiffe „Opal" und „Harrier".
Nach einem Toast auf unseren Kaiser wurde die
Gesundheit des Landeshauptmanns getrunken, die,
als er sich, um auf dieselbe zu antworten, erhob,
eine lebhafte Ovation erhielt. Herr v. Schleinitz
sagte u. a.: „Er bäte um die Erlaubnis, in wenigen
Worten für den ihm zu teil gewordenen Empfang
zu danken. Er wolle sich kurz fassen, da er nicht
gewohnt sei, eine längere englische Rede zu halten.
Der erste, welcher ihm bei seiner Ankunft auf
Thursday Island eine Freundeshand von Herzen
geboten, sei Ihrer Britischen Masestät Vertreter auf
Neuguinea, der Hon. John Douglas. Der Rat
und die Beihilfe dieses Mannes sei für ihn von
höchstem Wert bei Ausarbeitung einer Politik den
Eingeborenen von Neuguinea gegenüber. Die er¬
folgreiche Kolonisierung Neuguineas werde zum
großen Teile von dem Zusammenwirken und der
Assimilierung der Gesetze beider Regierungen ab-
hängen, die von dem gemeinsamen Wunsche durch¬
drungen seien, wenigstens in etwas ihre hohe Zivili¬
sation den Eingeborenen zugänglich zu machen. Er
habe es sich zur Pflicht gemacht, die freundschaft¬
lichsten Beziehungen zu der Englischen Regierung
auf Neuguinea zu unterhalten, da es in der That
beklagenswert sein würde, wollten jene beiden
Nationen, eng verbunden durch die Bande alter
Zeiten, nicht ihre hohe Bildung zu dieser niedrigsten
und am meisten vernachlässigten Rasse des Menschen¬
geschlechts tragen. Er sei überzeugt, daß der herz¬
liche Empfang, der ihm an diesem Abend zu teil
geworden, durchaus nicht seinem Range gelte, viel¬
mehr der Ausdruck des Wohlwollens sei, welchen
man ihm entgegenbringe." Zum Schluß brachte der
Landeshauptmann, der wiederholt durch lebhaften
Beifall unterbrochen wurde, ein Hoch auf seinen
englischen Kollegen aus. Mr. Douglas erwiderte
darauf ungefähr folgendes: „Er halte es für eine
hohe Ehre, Herrn v. Schleinitz als Gouverneur von
Kaiser Wilhelms-Land zu begrüßen. Se. Exzellenz
habe der alten Bande erwähnt, die England und
Deutschland an einander knüpften und hoffe er, sie
werden Freunde bleiben für alle Zukunft. (Bei¬
fall.) Der Landeshauptmann habe seine Unkenntnis
im Englischen entschuldigen wollen; dies sei sehr
überflüssig, im Gegenteil es sei an ihm, sich zu
entschuldigen, denn er fürchte, daß nur sehr wenige
von ihnen des Deutschen mächtig seien. Sämtliche
Offiziere in der Deutschen Marine sprächen fließend
Englisch, dies könne man von den englischen Offi
zieren mit Bezug auf die deutsche Sprache freilich
nicht sagen. Vielleicht sei der Grund dafür in dem
Umstande zu suchen, daß der Engländer seine Be¬
schäftigung im Handel und den Kolonien suche und
daher außerhalb der Sphäre der europäischen Po¬
litik stehe. Er bitte um Erlaubnis, Se. Exzellenz
zu dem ehrenvollen und mühevollen Unternehmer
zu beglückwünschen, welches dieser zu unternehmen
im Begriff stehe und glaube, daß die Mühen 'und
Verantwortlichkeiten einer Regierung von Neuguinea
von den Bewohnern Australiens einigermaßen
unterschätzt worden seien. Man kenne die Küsten
und die nächsten Inseln, vom Innern aber wisse
man nichts, und das, was unbekannt sei, werde
durch Einbildung oft vergrößert. Daher komme es,
daß man von ungeheuren Strömen, großen Bergen,
Reichtum an Mineralien nnd merkwürdigen Völker¬
rassen gesprochen hätte, die Erfahrung habe aber
dies alles modifiziert. Wenn er daher diese unge¬
nügende Kenntnis in Betracht ziehe, so könne er sich
nicht wundern, daß Ihrer Majestät Regierung in
Großbritannien gezögert habe, ein solches Experi¬
ment zu wagen. Die künftigen Beziehungen der
australischen Kolonisten zu den eingeborenen Rassen
erfordere große Sorgfalt und Verantwortlichkeit.
Die dortigen Eingeborenen seien in vieler Beziehung
den australischen Eingeborenen überlegen, die so
rasch vor dem weißen Mann dabingeschwunden seien.
Mr Forbes habe ihm gesagt, sie ständen hinter dm
Malaien des Ostarchipels keineswegs zurück. Die Ein¬
wanderung europäischer Kolonisten werde die Zivili¬
sation der Eingeborenen befördern und werde zum
Glücke und dem Nutzen der menschlichen Gesellschaft
beitragen. Was ihn persönlich, als unterthänigsten
Vertreter Ihrer Majestät im gegenwärtigen Augenblick,
beträfe, so werde er es als seine erste Aufgabe an-
sehen, die Eingeborenen vor einem zu plötzlichen
Wechsel zu schützen, den die Berührung mit europäi¬
scher Zivilisation notwendig zur Folge haben müsse.
Man habe sie Wilde genannt und gefragt: Was
ist ein Wilder? Es gebe Wilde verschiedener Art.
Er glaube, dieselben seien zum mindesten Menschen
wie wir selber (Nein!) und der Ausbildung fähig.
Unzweifelhaft sei der Moment gekommen, wo die
Insel europäischer Kultur erschlossen werden müsse,
und unsere Pflicht sei es, dieses Vorgehen gleich
wenig nachteilig für Eingeborene wie für Eu¬
ropäer zu machen. Wenn Schwierigkeiten sich
entgegenstellten, so zweifle er nicht, daß dieselben
überwunden werden würden, denn wenn Deutsche
und Engländer etwas derartiges unternehmen, so
sei ein Mißlingen ausgeschlossen. Persönlich be¬
trachte er die Zulassung der Deutschen zum Stillen
Ozean als für die ganze Welt wohlthätig. Gro߬
britannien wäre ohne Kolonien niemals ein großes
und mächtiges Land geworden. Er stehe nicht an
zu erklären, daß er über alle maßen erfreut sei, daß
Deutschland augenscheinlich einen friedlichen Wett¬
streit mit den Australiern im Pacific beabsichtige.
Die Deutschen seien ganz ausgezeichnete (mc>8t
excellent) Kolonisten, wie sie uns in Australien
vielfach bewiesen haben. —
Es hat mich einigermaßen befremdet, daß, nach
den jetzt getroffenen Dispositionen, die neuerbauten
Lloyddampfernach Ostasien gehen sollen, während
für den Dienst auf der australischen Linie aus¬
schließlich die älteren Dampfer der Gesellschaft bestirmm
sind. Es wundert mich dies um so mehr, als doch
zweifelsohne die analogen Einrichtungen z. B. der
Messagenes Maritimes in Bremen nicht unbekannt
sein können. Die französische Linie hat das Ver¬
trauen, welches sie von Anfang an auf die austra¬
lischen Fahrten setzte, dadurch bewiesen, daß sie oen